Spezieller Audi-Prototyp
Dieser Audi sieht aus wie ein TT, ist aber keiner

Audi baute einst einen geheimen Prototyp, der aussieht wie ein gewöhnlicher TT. Doch unterm Blech steckt die Technik eines Power-Kombis. Die Story dahinter!
Bild: rare_cars_deutschland/Instagram
Immer wieder stößt man im Netz auf skurrile und einzigartige Fahrzeugumbauten. So wie dieses spezielle Exemplar, bei dem es sich allerdings nicht um ein privates Bastlerprojekt, sondern um einen von Audi gefertigten Prototyp handelt.
Auf den ersten Blick sieht das Fahrzeug aus wie ein gewöhnlicher Audi TT – doch dahinter verbirgt sich ein RS 4 Avant der ersten Generation (B5). Lediglich die Karosserie stammt vom TT der ersten Generation (Baucode 8N). Warum das so ist? Die Ingenieure aus Ingolstadt hatten dafür einen simplen Grund.
Was steckt dahinter?
Ende der 1990er-Jahre spielte Audi mit dem Gedanken, einen Sportwagen oberhalb des TT zu positionieren. Der R8 war damals noch Zukunftsmusik – sein erstes Konzeptauto, der Le Mans Quattro, erschien erst 2003, die Serienversion folgte 2006. Um das Marktpotenzial eines leistungsstärkeren Coupés zu prüfen, entwickelten Ingenieure in Ingolstadt einen experimentellen Prototyp: Sie kombinierten die komplette Technik des RS 4 Avant mit der kleineren TT-Karosserie.

Auf den ersten Blick wirkt der Audi wie ein ganz gewöhnlicher TT.
Bild: rare_cars_deutschland/Instagram
"Komplett" war dabei wörtlich zu nehmen: Fahrwerk, Achsen, Getriebe, Differenzial, Räder und selbst der Motor stammten aus dem RS 4. Damit das Ganze passte, wurde das Chassis vor dem Tank um 170 Millimeter gekürzt, um den Radstand des TT zu übernehmen und dessen sportliche Proportionen beizubehalten. Rund acht Monate dauerte der aufwendige Umbau – eine faszinierende Mischung aus Kompaktcoupé und Hochleistungs-Kombi.
Auch im Innenraum unterscheidet sich der Prototyp deutlich vom Serien-TT. Die Ingenieure statteten ihn unter anderem mit Recaro-Sportsitzen und einem mit Alcantara bezogenen Lenkrad aus – Komponenten, die auch im damaligen RS 4 Verwendung fanden. Auf dem Armaturenbrett befindet sich außerdem ein Aufkleber mit der Aufschrift "ESP inactive". Das elektronische Stabilitätsprogramm wurde deaktiviert, was den experimentellen Charakter des Wagens zusätzlich unterstreicht.

Rund acht Monate dauerte der aufwendige Umbau bis zum Endergebnis des Ingenieurs-Experiments.
Bild: rare_cars_deutschland/Instagram
Der einzige TT mit einem V6-Biturbo
Unter der Haube steckt der 2,7-Liter-V6-Biturbo des RS 4 – ein Motor, der nie in einem Serien-TT zu finden war. Während die regulären TT-Modelle auf VR6-Motoren setzten, kam hier ein längs eingebauter V6 zum Einsatz. Auch der Antriebsstrang wurde angepasst: Statt des üblichen Haldex-Systems kam ein heckbetontes Torsen-Differenzial zum Einsatz.
Mit 375 PS und 440 Nm Drehmoment, verteilt über ein manuelles Sechsganggetriebe auf alle vier Räder, gilt das "TT Coupé RS 4" als wahre Fahrmaschine. Manche Quellen sprechen sogar von bis zu 450 PS – je nachdem, welche Entwicklungsstufe gerade getestet wurde.

Unter der Haube steckt der 2,7-Liter-V6-Biturbo des RS 4, der satte 375 PS leistet.
Bild: rare_cars_deutschland/Instagram
Fahrleistungen auf RS-Niveau
Die Leistungsdaten sprechen für sich: Von 0 auf 100 km/h soll das Auto in nur 4,9 Sekunden sprinten, die Höchstgeschwindigkeit wird mit beeindruckenden 280 km/h angegeben. Trotz des aufwendig angepassten Plattformmixes und eines Leergewichts von 1550 Kilogramm blieb der Prototyp kaum schwerer als der spätere TT mit VR6-Motor.
Stephan Reil, damaliger Produktchef der quattro GmbH (heute Audi Sport), beschrieb das Fahrzeug in einem Interview 2013 als "unglaublich spaßig zu fahren", es sei "damals einem Porsche 911 überlegen gewesen".
Getestet wie ein Serienfahrzeug
Laut Audi-Quellen absolvierte das TT Coupé RS 4 rund 20.000 Kilometer an Testfahrten. Sowohl auf öffentlichen Straßen als auch auf abgesperrten Strecken. Ziel war es, das Fahrverhalten, die Wärmeabfuhr des Motors und die Integration des RS-4-Antriebsstrangs unter realen Bedingungen zu erproben.
Seine erste öffentliche Präsentation erfolgte viele Jahre später im Rahmen einer Sonderausstellung zum 30-jährigen Bestehen der quattro GmbH im Jahr 2013. Dort wurde der Wagen erstmals offiziell gezeigt und sorgte prompt für erstaunte Gesichter bei Audi-Fans, die zuvor nichts von seiner Existenz wussten.
Warum blieb es beim Audi-Experiment?
So beeindruckend das Konzept auch war, eine Serienproduktion des TT-RS-4-Prototyps war nie realistisch. Die Anpassung der Plattform, der längs eingebaute Motor und das aufwendige Packaging hätten die Kosten explodieren lassen.
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