Marburg geht neue Wege für den Umstieg auf umweltfreundliche Mobilität. Die Stadt in Hessen will ihren Bürgern diesen Umstieg – und zwar mit einem "Anreizprogramm", wie es die Verantwortlichen in einer Mitteilung nennen.
Die Voraussetzung: Die Bürger melden ihr Auto – egal ob den Erst-, Zweit- oder Drittwagen – für ein Jahr ab oder schaffen es ab. Für den Verzicht auf das Auto wird ihnen dann eine Alternative angeboten.
Für 1250 Euro können sie ein Jahr lang CarSharing fahren, Bus und Bahn nutzen und auch per "Marburg-Gutschein" in Geschäften und Gastronomie bezahlen. Das Ganze soll Anwohner, Straßen und Verkehr, Stadtluft, -bäume und -klima sowie das private Portemonnaie entlasten und gleichzeitig der Wirtschaft zugutekommen.
Am 14. Juni entscheiden die Stadtverordneten darüber, ob die Prämie tatsächlich kommt. Danach soll eine Pilotphase für die ersten 50 abgemeldeten Autos starten.

Autoverzichts-Prämie wird nicht ausgezahlt

Die Prämie wird nicht ausgezahlt, sondern sei als Guthaben verfügbar. Die Menschen in Marburg können sich aus den verschiedenen Möglichkeiten ihre favorisierte Kombination zusammenstellen.
"Ein Drittel der Autobesitzenden in Städten mit einem guten Mobilitätsangebot sagen, dass sie ihr eigenes Auto eigentlich so gut wie gar nicht brauchen", sagt Stadtrat Michael Kopatz. "Denn tatsächlich steht ein Privatauto in Deutschland im Schnitt 23 Stunden am Tag – zu Hause, bei der Arbeit, an der Schule oder anderswo, statt bewegt zu werden", erklärt Oberbürgermeister Thomas Spies.
Hinzu kommt: Manche Fahrzeuge würden in der Innenstadt, wo der Platz knapp ist, Tage, Wochen, manchmal Monate nicht bewegt. Das blockiere wertvolle Innenstadtflächen und bedeute für diejenigen, die auf ihr Auto angewiesen sind, eine unnötige Erschwernis und blockiere knappen Raum.
Außerdem koste das Auto Geld, nicht nur für den Halter, sondern auch für die Kommunen. In Marburg werden die Grundstückskosten pro Auto auf Parkplätzen und am Straßenrand auf 2400 Euro und die jährliche Unterhaltung auf 360 Euro beziffert.

"Einfach mal ausprobieren"

Einen Teil der Fläche braucht man in Marburg aber auch für die Klimaanpassung, sprich: für mehr Grünanlagen, neue Bäume und größere Baumscheiben, für Radstellplätze, Radwege, Carsharing und nicht zuletzt für mehr Aufenthaltsqualität.
Das Angebot sei eine gute Chance, dass mehr Menschen das Angebot "einfach mal ausprobieren und gute Erfahrungen damit machen – und in Zukunft vielleicht häufiger mal den Bus nehmen", so die Verantwortlichen.