Für Shell war das Gerichtsurteil vor wenigen Tagen ein Paukenschlag: Der niederländisch­-britische Öl-Multi ­ muss seine Kohlendioxid­-Emissionen bis 2030 um 45 Prozent gegenüber 2019 reduzieren. Ob das Urteil Bestand haben wird oder nicht – der 114 Jahre alte Öl- und Gas­-Konzern braucht neue Geschäftsideen. Diese könnte eine sein: Shell bietet ab sofort Auto­-Abos an, und zwar ausschließlich für batterieelektrische Fahrzeuge.
 
Bereits seit Ende 2019 errichtet Shell Schnellladesäulen an seinen Tankstellen. Jetzt gibt es im Webshop das passende Auto dazu. Günstigstes Angebot ist ein Fiat 500, der pro Monat 289 Euro kostet. Topmodell ist ein Tesla Model 3 für 859 Euro. Inklusive sind darin bis auf den Strom alle Kosten. Etwa Zulassung, Wartung, Steuern, Versicherung und zur Jahreszeit passende Reifen. Die Laufzeit beträgt zwischen 6 und 24 Monaten. Das Fahrzeug wird in einem von bundesweit sechs Logistikzentren übergeben. Gegen Aufpreis wird es zum Kunden nach Hause gebracht. Partner bei dem Abo­-Modell ist die Kölner Firma Fleetpool, zu der unter anderem der Anbieter like2drive gehört, mit dem bereits Tchibo vor Kurzem E­-Autos vermarktet hat.

Hürden abbauen und den Einstieg in die E-­Mobilität erleichtern

Auto-Abo von Shell
Das Auto­-Abo von Shell kann ab sofort online abgeschlossen werden. Laufzeit: 6 bis 24 Monate.
Bild: Royal Dutch Shell
Nun also Shell: Der Konzern fungiert dabei als Vermittler, Vertragspartner ist Fleetpool. Einen Preisvorteil erhalten Shell­-Kunden nur in Einzelfällen (z. B. beim Tesla), die Kosten sind weitgehend identisch mit denen von like2­ drive. Allerdings schließe man zukünftig weitere Sonderpreise nicht aus, heißt es von beiden Seiten. Shell-­Kunden erhalten zusätzlich zum Auto eine Shell­-Recharge-Ladekarte. Damit kann man europaweit an 200.000 Ladesäulen die Akkus befüllen. Die Tankstellenkette selbst betreibt aktuell bundesweit rund 150 Schnellladepunkte an 60 Standorten, die zu 100 Prozent mit Öko­-Strom gespeist werden. "Bis 2030 sollen es 1000 Standorte mit 3000 Ladepunkten sein", sagt Shell­-Projektleiter Hauke Schaack. Einen Rabatt beim Strom erhalten Auto­-Abo-­Kunden nicht. Ein Vorteil ist immerhin, dass alles aus einer Hand kommt und sich der Abonnent um nichts kümmern muss. "Wir wollen Hürden abbauen und Kunden den Einstieg in die E-­Mobilität erleichtern", sagt Schaack. Die Kooperation sei langfristig angelegt. Prof. Ferdinand Dudenhöffer, Direktor des CAR Center Automotive Research in Duisburg, sagt AUTO BILD: "Das Abo-­Angebot bei Elektroautos ist schon ganz gut. Und es wird weiter wachsen. Bis 2030 könnte der Marktanteil der Auto­-Abos bei Neuwagenzulassungen im Privatbereich auf 40 Prozent steigen."

Fiat 500 von Shell/like2drive auf Platz sechs

Das beste Preis-­Leistungs­-Verhältnis aller E­-Auto­-Abos bietet nach seinen Recherchen aktuell das Münchener Unternehmen finn.auto. Dort kostet ein Hyundai Kona 418 Euro im Monat. Prof. Dudenhöffer: "Wenn man den Neuwagenpreis, den Rabatt beim Kauf und die Abo­-Rate in Relation setzt, ist das das beste Angebot." Dudenhöffer hat dafür den "Car-­Abo-­Faktor" erfunden. Der Fiat 500 von Shell/like2drive findet sich auf Platz sechs. Eines ändert sich bei Shell übrigens noch: die offene Preispolitik. Ist der Preis für Standardsprit und V-­Power weithin bis auf die dritte Nachkommastelle sichtbar, heißt es bei Volt­-Power: "Als Shell­-Recharge-­Kunde zahlen Sie an unseren Ladesäulen den Preis Ihres aktuellen Tarifs, den Sie in der App finden. Wenn Sie Kunde eines anderen Anbieters sind, zahlen Sie den Preis Ihres Anbieters."