In den nächsten Wochen erleben wir wieder ihre Metamorphose. Dann verwandeln sich unsere Autos von Baumarkt-Begleitern und Pendler-Pkw in Flucht-Fahrzeuge. Aus dem Alltag geht es in den Urlaub. 53 Prozent der Deutschen nutzen ihr Auto als Transportmittel in die schönsten Wochen des Jahres. Weit mehr als das Flugzeug (27 %) oder den Zug (22 %), so die Mobilitätsstudie 2022 des Reifenherstellers Continental.

Unser Lieblings-Reiseziel liegt dabei vor der eigenen Haustür: Deutschland. Fast ein Drittel der Urlauber fährt weg, bleibt dabei aber gewissermaßen zu Hause (30,6 %, Quelle: Stiftung für Zukunftsfragen).
Da kann es ein 9-Euro-Ticket oder 19-Euro-Flüge geben – die wirkliche Freiheit spüren wir erst, wenn wir im eigenen Auto unterwegs sind. Und selbst entscheiden können, wann und wo wir anhalten, Pause machen oder gleich übernachten, weil es so schön ist.

Lieber Landstraße als Autobahn

Geschätzte 830.000 Kilometer Straße gibt es bei uns, so ganz genau weiß das nicht mal das Bundesverkehrsministerium. Was die "Längenstatistik der Straßen des überörtlichen Verkehrs" hingegen ausweist: Nicht mal 1,6 Prozent unserer Straßen sind Autobahnen. Wäre auf Dauer ja auch langweilig.
Entschleunigend: Schneller als 100 km/h darf man auf Sylt nirgends fahren.

Stattdessen entspannen wir auf rumpeligen Alleen mit Kopfsteinpflaster und knorrigen Bäumen links und rechts der Fahrbahn. Oder schlängeln uns die Oberjoch-Passstraße entlang, Deutschlands kurvigstes Asphaltstück. Manche Strecken haben schöne Namen wie "Deutsche Uhrenstraße" oder "Bertha Benz Memorial Route" (siehe unten).
Frau Benz unternahm übrigens 1888 die weltweit erste Fernfahrt – 106 Kilometer von Mannheim nach Pforzheim. Sie brauchte nur einen einzigen Tag! (Im E-Auto mit Gratis-Strom von Flensburg nach Füssen)
Wo es sich anzuhalten lohnt, verraten seit 1988 "Touristische Unterrichtungstafeln", Zeichen Nummer 386.3 der Straßenverkehrsordnung. Das sind die braunen Schilder entlang der Autobahn, die auf die "Ringelnatzstadt Wurzen" genauso hinweisen wie auf den "Garten der Schmetterlinge" in Friedrichsruh (wobei in Friedrichsruh auch das Mausoleum vom alten Bismarck zu empfehlen ist, aber das nur am Rande).
Wenn Sie das Gefühl haben, dass es von diesen Schildern immer mehr gibt, liegen Sie richtig. Waren es 2006 noch rund 620, sind es heute bundesweit über 3400, schätzt der ADAC.

Einfach mal Pause machen – an interessanten Orten

Vielleicht ist das ein Zeichen dafür, dass wir unsere Heimat ein bisschen mehr lieb gewonnen haben – nach all den Jahrzehnten, in denen es uns mit Kind und Kegel und Käfer mühsam über den Brenner gen Italien trieb. Und die Lüneburger Heide, der Harz oder der Schwarzwald als Reiseziele für Rentner galten.
Apropos Harz: Die Hochschule Harz hat 2019 herausgefunden, dass jeder sechste Autofahrer schon mal spontan abgefahren ist, um sich anzuschauen, was die braunen Unterrichtungstafeln anpreisen.
carsale24

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Wir finden: Da geht noch mehr. Wenn Sie in den nächsten Wochen in den Urlaub aufbrechen, dann planen Sie doch mal Pausen ein. Und statt 70 Cent bei Sanifair auf den Kopf zu hauen, geben Sie lieber 24 Euro fürs Technikmuseum Sinsheim oder 18 Euro für den PS.Speicher in Einbeck aus. Das Klo ist da inklusive – und das Erlebnis noch schöner.

Die Alpenstraße – 106 Kurven und 25 Schlösser

Bis zu zwölf Prozent Steigung: Die älteste Ferienstraße Deutschlands (seit 1927) verbindet die größten Sehenswürdigkeiten Bayerns. Die Deutsche Alpenstraße reicht 484 Kilometer von Lindau am Bodensee bis nach Schönau am Königssee.
Die Fahrt über die Oberjoch-Passstraße ist mit 106 Kurven auf 300 Höhenmetern die kurvenreichste Straße Deutschlands.
25 Burgen, Klöster und Schlösser (Neuschwanstein!) liegen am Wegesrand. Inklusive Fahrt über die Oberjoch-Passstraße, mit 106 Kurven auf 300 Höhenmetern die kurvenreichste Straße Deutschlands. www.deutsche-alpenstrasse.de

Bocksbeutelstraße – komm, lass mal zum Schoppen fahren

Alkohol und Auto fahren schließen sich ja eigentlich aus. In diesem Fall nicht: Die Bocksbeutelstraße führt durch die schönsten Weingegenden Frankens, wo die Lagen "Bullenheimer Paradies2 oder "Neundorfer Wonne2 und die Rebsorten Silvaner und Müller-Thurgau heißen. Dazu gibt's Presssack, Leberwurst und Obatzda. www.bocksbeutelstrasse.de

Das Porsche Museum

Fast 100 Exponate stehen im Porsche Museum in Zuffenhausen. So der Roadster Porsche 356 "Nr. 1", 911 verschiedenster Generationen, Porsche 550 und 917. Und man erfährt, dass Ferdinand Porsches erste Konstruktion schon elektrisch fuhr. www.porsche.com/germany/aboutporsche/porschemuseum

194 km Bertha Benz Memorial Rout

Im August 1888 unternimmt Bertha Benz (die Frau vom Carl) die erste Fernfahrt der Welt mit
einem Automobil. 106 Kilometer an einem Tag! In der Apotheke in Wiesloch kauft sie Reinigungsmittel als Sprit, kleinere Reparaturen erledigt Bertha mit Hutnadel und Strumpfband. Ihre Memorial Route zeichnet auf 194 km den damaligen Weg nach.
www.bertha-benz.de

Technikmuseum Sinsheim – ein Auto mit 47 Liter Hubraum

Draußen recken die Überschall-Flugzeuge Concorde und Tupolew Tu-144 ihre Nasen in den Himmel. Drinnen stehen Legenden wie der DeLorean DMC-12 ("Zurück in die Zukunft") und der Experimental-Renner "Brutus" von 1907. Mit 47 Liter Hubraum! Infos: www.sinsheim.technik-museum.de
Das Technikmuseum wurde 1981 vom Unternehmer Eberhard Layher (1921-2012) gegründet, der mit einer Gerüst-Firma reich geworden war.

Nürburgring – schnell mal Pause machen!

20,832 Kilometer, 73 Kurven, 300 Meter Höhenunterschied: Es soll ja Touristen geben, die nur für eine schnelle Runde auf dem Nürburgring nach Deutschland kommen. Einmal Nordschleife kostet 25 bzw. 30 Euro. Einfach mit dem eigenen Auto oder Motorrad kommen. Es gilt die StVZO, Parkverbot inklusive, logisch! www.nuerburgring.de

PS.Speicher Einbeck – Übernachten neben Oldies

200 Jahre Fortbewegung auf Rädern: Im Einbecker Kornspeicher (Niedersachsen) von 1899 steht die größte Oldtimer-Sammlung Europas mit rund 2500 Exponaten. Es gibt ein Hotel mit "Genuss-Werkstatt". Und wer will, kann hier sogar heiraten (sofern die Liebe zum Auto noch einen Nebenbuhler zulässt). Stifter war übrigens der Teppich-Unternehmer Karl-Heinz Rehkopf, heute 85 Jahre alt. www.ps-speicher.de

Alleenstraße – das grüne Band in Deutschland

Bereits im Herbst 1990 bitten Leserbriefschreiber den ADAC, die Alleen der DDR zu retten. Gesagt, getan: Auf 3000 Kilometern schlängelt sich heute die Deutsche Alleenstraße von der Ostseeinsel Rügen bis zur Insel Reichenau im Bodensee.
Auf 3000 Kilometern schlängelt sich heute die Deutsche Alleenstraße von der Ostseeinsel Rügen bis zur Insel Reichenau im Bodensee.
Wie es sich für Deutsche gehört, gibt es eine "Arbeitsgemeinschaft Deutsche Alleenstraße e. V.". www.alleenstrasse.com

Autokino Zempow – spiel's noch einmal

Von "Dirty Dancing" bis zur isländischen Tragikomödie "Milchkrieg in Dalsmynni" – in Zempow (Brandenburg) gibt's seit letztem Sommer wieder Kino unter freiem Himmel. In den 1970ern wurde es als erstes Autokino der DDR gegründet – und einziges. Waren ja auch knapp, die Trabis. Eintritt 10 Euro. www.autokino-zempow.de

Miniaturwunderland Hamburg – Weltreise im Kleinen

Wir wechseln mal kurz das Verkehrsmittel. Das "Miniaturwunderland" ist nicht nur die größte Modelleisenbahn der Welt. Sondern wurde 2016 sogar zur beliebtesten Touristenattraktion Deutschlands gewählt! 16 Kilometer Gleise, 1120 Züge, 37 Mio. Euro Baukosten! Muss man gesehen haben. Allein auf Youtube haben Wunderland-Filme bis zu 27 Millionen Abrufe! www.miniatur-wunderland.de

St. Peter-Ording – mit dem Auto an den Strand

Auch ein Auto soll sich ja mal erholen: Von Mitte März bis Ende Oktober ist in St. Peter-Ording an der Nordsee der 2 km breite Autostrand geöffnet. Parken kostet hier 8 Euro/Tag.
Von Mitte März bis Ende Oktober ist in St. Peter-Ording an der Nordsee der 2 km breite Autostrand geöffnet.
Nach dem Sundowner muss man weg (22.30 Uhr), übernachten verboten! Überhaupt: "Das Abstellen der Fahrzeuge muss in den Formationen erfolgen, die auch auf allen anderen Parkplätzen üblich sind", mahnt das Amt. www.st-peter-ording.de

Sylt – Deutschlands teuerste Straße

Die Insel ist nur 38 Kilometer lang und ausgesprochen schmal. Schneller als 100 km/h darf man nirgends fahren. Und auch das nur an wenigen Stellen. Egal, einmal mit dem Auto (vorzugsweise Porsche, logisch) über die Insel – ein Traum! Dort kann man unter anderem auf Deutschlands teuerster (Wohn-)Straße fahren – dem Hobokenweg in Kampen. 500 Meter lang, mit Häusern für 30 Millionen Euro. Oder Deutschlands nördlichstes Autohaus besuchen. Porsche, logisch. www.sylt.de

Kommentar

Ich bin neulich auf einer Reise absichtlich immer mal wieder kurz von der Autobahn runter. Stieß dabei zufällig auf die spektakuläre Autobahnkirche Baden-Baden, ein fast 100 Jahre altes Kraftwerk in Vockerode, parkte neben einer Concorde – und aß mein Pausenbrot direkt an der Elbe. An- und innehalten entschleunigt immens.