Automarken und -modelle erkennen
Diese Hirnregionen machen einen echten Autokenner aus

Ferrari oder Pagani? X3 oder X5? Für Experten sind Automarken und -modelle in Sekundenbruchteilen klar. Aber was macht eigentlich einen Menschen zum Auto(er)kenner?
Bild: Ronald Sassen
Kennen Sie das auch? Ein Auto fährt vorbei und kommt einem irgendwie bekannt vor. Aber ganz sicher ist man sich nicht. War das ein BMW X5 oder der größere X7? Dodge Charger oder Challenger? Ferrari, Lambo oder doch ein Pagani? Da bleibt oft nur Rätselraten oder die Nachfrage bei Google. Manchen Menschen wiederum kann das nicht passieren. Sie erkennen die Marke, das Modell, die Ausstattungslinie oder gar das Baujahr eines Autos in Millisekunden. Aber was lässt einen Menschen zum Auto(er)kenner werden? Wieso kann der eine ein Fahrzeug am Frontscheinwerfer, an der Sicke oder an der Heckklappe identifizieren und der andere nicht (hier können Sie Ihr Wissen testen)? Die Hirnforschung hat da Erstaunliches entdeckt.
Experiment: Autos aus zwei Perspektiven
Eine Hirnregion, die für alle Arten von Spezialwissen zuständig ist, "gibt es nach derzeitigem Stand nicht", sagt die Psychologin Katrin Müller von TÜV Nord. Spezialkenntnisse könnten sich im Gehirn auf vielerlei Weise zeigen, auf die Aufgabe komme es an. Eine Forschungsgruppe vom University College London und der Hebräischen Universität in Jerusalem wollte es genau wissen. Die Wissenschaftler präsentierten männlichen Versuchspersonen auf einem Bildschirm je eine halbe Sekunde lang zwei Autos aus unterschiedlichen Perspektiven. Für jedes der 80 Autopaare sollten die an einen Hirnscanner angeschlossenen Teilnehmer beurteilen, ob es sich um dasselbe Modell handelte.
Auch Gesichtsareal im Hirn wird aktiv
Ergebnis: Das sprichwörtliche "gute Auge" zeigte sich nicht im Sehareal des Gehirns. Vielmehr waren bei den Autokennern jene Teile des Stirnhirns vergrößert, die Sinneseindrücke interpretieren. Spezialkenntnisse schlagen sich also offenbar erst auf höherer Ebene nieder. Bereits vor rund 20 Jahren stellte ein Team von der Yale University (USA) fest, dass bei Sachkundigen auch das Gesichtsareal beim Anblick von Autos aktiv wurde – auch dann, wenn die Fahrzeuge von der Seite oder von hinten zu sehen waren. Es konnte also nicht einfach daran liegen, dass die Frontpartie eines Autos an ein Gesicht erinnert. Die Hirnwindung sei vielmehr darauf spezialisiert, grundsätzlich zwischen ähnlichen Objekten einer Kategorie zu unterscheiden – ob Gesichter oder Fahrzeuge, erklärt TÜV-Psychologin Müller.
Wahrnehmung kann trainiert werden
Um die Wahrnehmung derart zu schulen, genügen Studien zufolge schon acht bis zehn Stunden Training, "dann springt die Spezialeinheit für Gesichter auch auf Autos an" so Müller. Eine unangenehme Nebenwirkung gibt es jedoch auch: Menschen mit Autoexpertise brauchen wegen der Ressourcenbeanspruchung überdurchschnittlich lange, um im Umfeld von Autos Gesichter zu entdecken. Echte Autoliebhaber dürften dies jedoch verschmerzen können. (hier geht es zum Verkehrszeichen-Quiz)
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