Die Fahrt zur Tankstelle wird häufig zum Glücksspiel, denn bis zu 22 Mal am Tag ändert sich der Spritpreis. Nun will Baden-Württemberg erreichen, dass Tankstellen künftig nur noch einmal am Tag den Preis erhöhen, aber beliebig oft absenken dürfen. So ist es beispielsweise in Österreich geregelt – und anderswo in der Welt.
Was sich zunächst nach einer guten Idee anhört, birgt Tücken. So hält der ADAC die aktuelle Situation an deutschen Tankstellen noch "für vertretbar". Nach Ansicht eines Kraftstoff-Experten beim Automobilclub könnte eine allzu strenge Regelung bei Preisänderungen dazu führen, dass die Treibstoffkonzerne mit dem Preis überziehen, damit sich die Preisregel nicht zu ihren Ungunsten auswirkt. (Hier sind Tipps zum Sparen beim Tanken)

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Benzin- und Diesel Tanken an Zapfsäule

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Minutengenauer Spritpreis-Check

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Warum wird die aktuelle Preisbildung bemängelt?

Die tägliche Spritpreisentwicklung an deutschen Tankstellen ist seit Jahren ein Ärgernis für Autofahrer: Frühmorgens steigen die Preise für Benzin, Diesel und andere Kraftstoffe, um im Tagesverlauf zickzackartig abwärts zu sacken oder erneut zu steigen. Gegen 20 Uhr erfolgt zumeist der letzte Aufschlag, vom späten Abend bis zum Morgen ist das Tanken meist besonders teuer.
So sieht die Preiskurve an Tankstellen aus: Morgens steigt der Spritpreis stark an, bröckelt dann im Tagesverlauf.
Bild: clever-tanken.de
Das Problem liegt in der kurzfristigen Änderung und in dem schnellen Wechsel der Spritpreise. Selbst wenn sich Autofahrer vor der Fahrt zur Tankstelle über den aktuellen Preis informieren – beispielsweise über Spritpreisportale oder die App von "Clever Tanken" (Partner von AUTO BILD) – kann sich der Preis der angesteuerten Tankstelle schon geändert haben. Solche Preisänderungen machen das Planen gezielter Tankstopps fast unmöglich. Im Hintergrund agieren dabei weniger die Tankstellenbetreiber als die preisbestimmenden Konzerne, die den Sprit liefern.
Im Frühjahr hat die Lage das Bundeskartellamt auf den Plan gerufen. Bei einem Marktcheck registrierte die Behörde im Schnitt 22 Preisänderungen an Tankstellen – pro Tag. Bei acht Prozent der Tankstellen wurden mehr als 35 Preisausschläge registriert, in wenigen Fällen mehr als 50. Die Behörde kündigte an, die Auswirkungen der häufigen Preisänderungen an Tankstellen weiter zu untersuchen. Mögliche regulatorische Schritte wären aber Sache des Gesetzgebers – wie sie jetzt der Bundesrat ergreift.
Tanken Tankstelle Zapfsäule
Die Tankstellenbetreiber erklären die Preissprünge mit dem harten Wettbewerb in der Branche.
Bild: DPA

Worum geht es in dem Antrag?

In dem Antrag aus Baden-Württemberg wird die Bundesregierung zum Check aufgefordert, wie die Preisänderung beim Sprit transparenter werden könnte. Der Antrag nennt die Lösung aus Österreich als Beispiel. Dort gibt es nur eine Preiserhöhung pro Tag um 12 Uhr. Damit schneidet das Land nach Ansicht des ADAC-Kraftstoffexperten Christian Laberer schlechter ab, weil man am günstigsten kurz vor 12 Uhr tanken kann – das ist ungünstig für die meisten Arbeitnehmer. Sein Fazit: "Ziemlich sicher kann der informierte Autofahrer mit dem deutschen System günstiger tanken – wenn er sich an die seit Jahren geltende Faustregel hält: Tanke abends, meide den teuren Morgen." Dass Superbenzin in Österreich rund 22 Cent pro Liter günstiger ist – Diesel um rund acht Cent – liegt nach ADAC-Einschätzung an lokal niedrigeren Steuern auf Kraftstoffe.

Wie geht es mit dem Vorschlag weiter?

Am Freitag (17. Oktober) hat Baden-Württemberg den Vorschlag im Bundesrat eingebracht, er geht jetzt in die Ausschüsse der Länderkammer. Bei einer positiven Bewertung müsste eine Gesetzesinitiative in den Bundestag eingebracht werden, wo sie durch drei Prüfungsprozesse, die sogenannten Lesungen, müssten. Ein fertiges Gesetz würde dann wiederum dem Bundesrat zum Billigen vorgelegt.
Mehr Transparenz beim Spritpreis ist wünschenswert. Wenn man sie sich dadurch erkauft, dass die Preise an den Tankstellen unterm Strich steigen, dann ist es das nicht wert. Der Staat sollte regulatorisch nur dort eingreifen, wo es sich für die Bürger lohnt.