Betrugsmasche beim Vermieten von Wohnmobilen
Dreister Camper-Klau: wenn der Mieter nie zurückkommt

Mit dem Camper in den Sommerurlaub – oder über alle Berge: Dreister Betrug beim Anmieten von teuren Wohnmobilen wird immer häufiger!
Bild: WOF Wohnmobil Outlet Factory Verwaltung GmbH
- Frederik Hackbarth
Immer mehr Menschen setzen für ihren Sommerurlaub auf eine Reise mit dem Wohnmobil. Flexibilität, Freiheit und Unabhängigkeit – gerade seit Corona ist die Nachfrage nach dem eigenen Mini-Hotel auf vier Rädern drastisch gestiegen. Gut ist das auch für die Vermieter von Campingmobilen: Egal ob gewerblich oder privat, der Run auf die Camper erlebt derzeit einen Boom und lässt entsprechend die Preise steigen.
Doch nun sorgt eine neue Betrugsmasche für mächtig Ärger: Immer häufiger werden entliehene Wohnmobile einfach nicht zurückgebracht!
So läuft die Betrugsmasche ab
Internationale Verbrecherbanden mieten die Camper zunächst ganz legal an – und schaffen sie dann ins Ausland, oftmals Richtung Osteuropa. Die Rechnung der Diebe ist dabei recht einfach: Selbst bei hoher Miete und Kaution sind die Leih-Camper ein Vielfaches wert.

Auf Nimmerwiedersehen statt Familienurlaub: Wer sein Wohnmobil verleiht, der sollte lieber vorsichtig sein.
Bild: Autohaus Stiller
Die Strafverfolgung gestaltet sich hingegen schwierig: Zwar müssen die Mieter im Normalfall Personalausweis und Führerschein bei der Anmietung vorlegen, oftmals sogar Meldebescheinigung und eine deutsche Bankkarte. Sind die Papiere jedoch gefälscht oder handelt es sich um frisch eröffnete Fake-Konten, ist die Aussicht auf eine erfolgreiche Fahndung gering.
Mitnehmen, was geht: Rückkehr nie geplant
Dass die Diebe von vornherein nur ein One-Way-Ticket für sich und den Camper im Sinn haben und nicht beabsichtigen, jemals zurückzukommen, zeigt ein besonders dreister Fall aus dem nordrhein-westfälisch Dorsten: Der "Mieter" beging nach Abholung des Fahrzeugs auch noch Tankbetrug in Bayern. Die Überwachungskamera der Tankstelle zeigte zudem, dass das Fahrzeug nicht alleine unterwegs war, sondern in Begleitung anderer Camper.
"Die Kriminellen haben mehrere Wohnmobile gestohlen und sind anscheinend in Kolonne in Richtung Osteuropa gefahren. Die Polizei geht von einem großen Betrugs-Ring aus", erklärt Vermieter Sandro Siemroth gegenüber BILD. Der Betreiber eines Wohnmobilverleihs vermietete einen 90.000 Euro teuren und fast neuen Camper, inklusive Zusatzpaket mit Gasgrill und Elektroscooter, an einen Mann aus Bulgarien, der damit angeblich Urlaub in Kroatien machen wollte.
Nach zweieinhalb Wochen hätte er das Wohnmobil eigentlich zurückbringen sollen, der Mann tauchte aber nie wieder auf. Ähnlich erging es auch Markus Stiller aus Bad Langensalza in Thüringen: Der Besitzer eines Autohauses vermietete einen Fiat LMC Element T758 G mit Doppelbett, Kühlschrank, Küchenzeile und Fernseher. Preis für eine Woche: 1126 Euro plus 1000 Euro Kaution.

So ein Camper vom Typ Fiat LMC wurde Markus Stiller entwendet.
Bild: Autohaus Stiller
Ein Mann aus Tschechien mietete das Wohnmobil, überwies sofort das Geld und erklärte bei der Abholung noch, er wolle mit seiner Familie an die Nordsee reisen. Anschließend verschwand auch er mit dem Camper spurlos. Alle Kontaktversuche mit dem Tschechen laufen seitdem ins Leere, Stiller erwägt nun sogar den Einsatz eines Privatdetektivs. Denn die Polizei, die wegen Unterschlagung ermittelt, macht dem Vermieter wenig Hoffnung.
Bitter: Zusatzkosten für Ersatzcamper
Für Stiller ergibt sich wegen des Diebstahls aber noch ein weiteres kostspieliges Problem: Weil er das Wohnmobil bereits für die komplette Hochsaison vermietet hat, muss er nun selbst bei der Konkurrenz teuren Ersatz mieten, um seine vertraglichen Verpflichtungen zu erfüllen. Geld von der Versicherung hat er bislang keines gesehen, dazu muss das Fahrzeug mindestens zwei Monate lang als vermisst gemeldet sein. Auf der Schadenssumme von rund 100.000 Euro bleibt er somit vorerst sitzen.
Service-Links