Billig-Zwerg von Renault
Kleine Konkurrenz für den Nano

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Kein Ulk: Mit dem Miniauto ULC fordert der französische Autohersteller Renault den Nano des indischen Tata-Konzerns heraus. Es soll in vielen Dritte-Welt-Ländern an den Start gehen.
Noch ein Zwerg aus dem Land der Elefanten: Nachdem der indische Konzern Tata Motors mit dem Nano großspurig das billigste Auto der Welt angekündigt hat, zieht der europäische Hersteller Renault gemeinsam mit Allianzpartner Nissan jetzt nach. 2011 soll der Low-Budget-Wagen ULC in Indien rollen und später auch in vielen Dritte-Welt-Ländern dem Nano Konkurrenz machen. Hierfür hat sich Renault mit Nissan und dem indischen Unternehmen Bajaj Auto zusammengetan, Indiens zweitgrößter Motorradhersteller. Die beiden ausländischen Investoren werden an der neuen Marke je 25 Prozent halten, der Rest verbleibt beim einheimischen Autobauer. In Chakan bei Bombay im indischen Bundesstaat Maharashtra soll der ULC in einem neuen Werk gefertigt werden, das in Nachbarschaft einer Motorradfabrik von Bajaj geplant ist. Dort sollen bis zu 400.000 ULC pro Jahr gebaut werden. Die Abkürzung des Typs steht für Ultra Low Cost (sinngemäß absoluter Niedrig-Preis).

Einen Prototyp namens "Lite" hatte Bajaj bereits im Januar auf der Delhi Auto Expo präsentiert. Der frontgetriebene Zwerg soll ab 2500 US-Dollar (rund 1600 Euro) kosten und wäre damit geringfügig preisgünstiger als der Nano, den Tata für ab 100.000 Rupien (rund 1700 Euro) auf den Markt bringen will. Auch im Verbrauch soll der Herausforderer besser sein: Er wurde von Bajaj Auto mit knapp drei Liter auf 100 Kilometer angegeben – Tatas Nano schafft nach Herstellerangaen vorerst nur fünf Liter. Der ULC wird nicht der letzte Zwerg sein, der auf dem boomenden Automarkt Indiens mit Wachstumsraten von bis zu zwölf Prozent platziert werden soll: Auch Fiat, Volkswagen, Toyota und Honda arbeiten bereits an einem Mikroauto für die Dritte Welt. Hoffnung macht ihnen der Vorgänger dieser neuen Billigst-Sparte: Der Dacia Logan, ab 5000 Euro zu haben, verkauft sich in Afrika, Asien, Südamerika und sogar Europa glänzend. Des einen Glück, des anderen Pech: Tata plagt sich derweil mit rechtlichen Auseinandersetzungen um den Grund und Boden, auf dem das neue Nano-Werk im indischen Singur gebaut werden soll. Damit könnte der geplante Fertigungsbeginn im Oktober bedroht sein. Laut "Times of India" soll nun das Oberste Gericht entscheiden, ob das fruchtbare Ackerland nicht zu schade ist, um darauf eine Fabrik zu errichten.
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