Im großen Sommerreifen-Test 2020 haben unsere Reifen-Tester 50 Reifen der Größe 245/45 R 18 (Oberklasse-Limousinen wie Fünfer-BMW und E-Klasse) unter die Lupe genommen. Darunter auch zahlreiche Zweit- und Drittmarken der großen Reifenhersteller sowie No Names aus Fernost, die alle wesentlich günstiger sind als Reifen von Premiummarken wie Continental, Goodyear, Michelin und Co. Die Frage dahinter: Braucht man wirklich teure Markenreifen oder sind Billigreifen genauso gut?
Die Antwort auf diese Frage fällt deutlich aus: Schon in der ersten Testrunde, dem Bremstest auf Nässe (aus 80 km/h) und auf trockener Piste (aus 100 km/h), zeichnet sich ein deutliches Gefälle ab – die höherpreisigen Reifen erzielten fast durchweg kürzere Bremswege als die billigen Modelle. Zehn Billigreifen wiesen sogar so lange Bremswege auf, dass wir vom Kauf ausdrücklich abraten. Es handelt sich um die folgenden Sommerreifen – die Werte in Klammern sind die im Test gemessenen Bremswege in Metern:
• Tristar Sportpower 2 (nass: 37,0; trocken: 36,5; addiert: 73,5)
• Dayton Touring 2 (37,2; trocken: 36,4; addiert: 73,6)
• Barum Bravuris 5 HM (nass: 36,1; trocken: 37,7; addiert: 73,8)
• Marshal MU12 (nass: 37,4; trocken: 36,6; addiert: 74,0)
• Seiberling Touring 2 (nass: 37,0; trocken: 37,0; addiert: 74,0)
• Federal Evoluzion ST-1 (nass: 39,4; trocken: 35,3; addiert: 74,7)
• Nankang Ultra Sport NS-2 (nass: 38,2; trocken: 36,5; addiert: 74,7)
GT Radial SportActive (nass: 39,1; trocken: 36,8; addiert: 75,9)
• Imperial Ecosport 2 (nass: 38,7; trocken: 37,3; addiert: 76,0)
• EP-Tyres Accelera Phi-R (nass: 40,5; trocken: 37,4; addiert: 77,95)

Runderneuerter Reifen mit schlechtestem Ergebnis

Noch schlechter schnitt ein runderneuerter Reifen ab, der King Meiler Sport 3 (Bremsweg nass: 43,2 m; trocken: 41,0 m; addiert: 84,2 m). Zum Vergleich: Den kürzesten Bremsweg auf Nässe erzielte unser Testwagen mit dem Bridgestone Potenza S001 (28,7 Meter). Also rund zwölf Meter weniger! Anzumerken ist, dass es sich bei den getesteten Modellen um Reifen mit dem Last-/Speed-Index 100 Y handelt – ausgelegt für schwere Autos und eine Geschwindigkeit bis 300 km/h. AUTO BILD-Reifenexperte Dierk Möller erklärt dazu: "Je höher die Anforderungen an die Reifen sind, desto deutlicher machen sich qualitative Unterschiede im Test bemerkbar. Gerade im Bereich der Oberklasse-Fahrzeuge spart man bei den Reifen wirklich am falschen Ende."

Teure Reifen rechnen sich am Ende oft

Zumal sich die Preisunterschiede mitunter relativieren, wenn man den Anschaffungspreis ins Verhältnis zur erwartbaren Laufleistung setzt. Die ist nämlich bei günstigen Reifen oft niedriger als bei teuren. Ein Beispiel dafür ist der Reifen von Laufenn, der günstigen Zweitmarke von Hankook. Bei den Bremstests gehört der Laufenn S Fit EQ+ zu den positiven Ausnahmen unter den günstigen Reifen. Mit etwa 445 Euro pro Satz ist er zudem rund 130 Euro günstiger als unser Testsieger Continental Premium Contact 6. Trotzdem rechnet sich im Vergleich am Ende der Continental-Reifen, denn bei der auf dem Rollenprüfstand ermittelten Laufleistung schafft er rund 17.000 Kilometer mehr als der Laufenn-Reifen.
Den vollständigen Testbericht mit den gemessenen Bremswegen aller getesteten Reifen finden Sie hier.

Fazit

Sicherheit hat ihren Preis! Zwar gibt es auch unter den günstigen Reifen Ausnahmen, die ausreichend sicher sind. Doch die muss man kennen. Die Mehrheit der Billigreifen fällt im Test eher negativ auf. Einige (siehe Liste oben) zeigten im Test gefährlich lange Bremswege. Von diesen Reifen sollte man die Finger lassen. Reifenexperte Dierk Möller fasst es so zusammen: Wenn man blind kauft, dann lieber einen Premiumreifen!