Es gibt laktosefreie Chai-Latte mit Kokos-Mandel-Aroma, per Smartphone-App steuerbare Toaster, warum nicht auch einen BMW mit Frontantrieb, quer eingebautem Dreizylindermotor und Van-Karosserie? Die Zeiten ändern sich nun mal, und die weltweit 107.000 Käufer, die sich 2015 einen BMW 2er Active Tourer oder Gran Tourer kauften, kombinieren schließlich auf bislang ungekannte Art markentypische Fahrdynamik mit der Weite des freien Raums. Oder? Mindestens 27.900 Euro kostet ein nagelneuer wie nackter 218i Active Tourer. Wer es etwas schicker haben möchte, ist schnell 10.000 Euro für Sonderausstattungen los – der aktuell im AUTO BILD-Dauertest fahrende 218i Active Tourer kostet 40.610 Euro, wirkt dennoch nicht luxuriös.
Wer beim Neuwagenkauf so viel Geld für Extras ausgibt, verliert beim Verkauf nach drei Jahren meist mehr als die Hälfte des Neupreises – je mehr Extras, desto höher ist der Wertverlust. Da stellt sich doch die Frage nach einer wertstabileren Alternative. Aus gleichem Haus, na klar, weiß-blaue Freude am Fahren, Dynamik, das wollen wir haben, gepaart mit einem variablen Innenraum und auch nicht teurer als 30.000 Euro. Exklusiver darf's gern sein, aber ohne den immensen Wertverlust eines neuen, gut ausgestatteten Active Tourer.
Überblick: Alles Infos zum BMW 2er Active Tourer und BMW M5 Touring

Der M5 Kombi ist eine sehr verlockende Alternative

BMW M5 Touring (E61)
Für rund 30.000 Euro gibt es einen nahezu nackten 218i Active Tourer – oder den nur 1009-mal gebauten, 507 PS starken M5 Touring.
Bild: Christoph Boerries / AUTO BILD
Wie klingt das: Ein 507 PS kräftiger Fünfliter-V10, dem frei ansaugend erst bei 8250 Touren die Puste ausgeht. Ein in 60 Millisekunden rennmäßig schnell gangwechselndes sequenzielles Getriebe. Hinterradantrieb! 4,9 Sekunden bis 100 km/h, 14,7 bis 200. Nein, wir reden hier von keinem Supersportwagen, zumindest von keinem, der auf den ersten Blick so aussieht. Wir sprechen hier von einem familientauglichen Kombi mit bis zu 1650 Liter großem Kofferraum! Vom M5 Touring der Baureihe E61, den die BMW M GmbH von 2007 bis 2010 nur 1009-mal gebaut hat. Was 2008 als Neuwagen 108.370 Euro kostete, bietet der Sportwagen-Händler J&G Cars in Kassel nun scheckheftgepflegte 108.000 Kilometer später zum Neuwagenpreis eines 218i Active Tourer ohne Extras an – 27.998 Euro stehen auf dem Preisschild. Kompakter Van mit 136-PS-Dreizylinder oder 507-PS-Rennwagen im Kombi-Kleid, was darf's sein?

Mangelde BMW-Gene beim 2er Active Tourer

BMW 218i Active Tourer
Für einen Van gut, aber für einen BMW nur mäßig: die Fahrdynamik des hohen Fronttrieblers.
Bild: Christoph Boerries / AUTO BILD
Wir touren im gar nicht mal so aktiven 218i vom Redaktionssitz Hamburg nach Kassel, dort wartet der M5 Touring beim Händler auf uns. Klar, der 218i macht seine Sache nicht schlecht. Der Dreizylinder trommelt nicht aufdringlich, dreht aber auch nicht freudig hoch. Die Lenkung ist präzise, vermittelt aber auch keinen intensiven Fahrbahnkontakt. Der Frontantrieb zieht den Van sicher durch Kurven, zerrt aber beim Anfahren an den Vorderrädern, nicht nur bei Nässe. Die Gassen der Schaltung sind exakt definiert, die Wege aber markenuntypisch lang, die Betätigung etwas hakelig. Nach 350 Kilometern steigen wir aus und denken uns: Das mag kein schlechter Van sein, die BMW-Gene vermissen wir aber beim 218i Active Tourer.

Der Gebrauchte zieht dem Neuen die Wurst vom Brot

Jetzt wird es sportlich, ran an den rassigen M5 in Black Sapphire Metallic. Von den vier Endrohren abgesehen, ein dezenter, zeitlos eleganter Kombi. Schwarz, breit, stark. Einsteigen. Ein magischer Moment: der Druck auf den Startknopf. Der Sound! Aus zehn Kehlen knurrt der Zehnzylinder, wirkt im Stand noch friedvoll. Abfahrt. Die Kupplung des sequenziellen Getriebes schließt abrupt, mit leichtem Rucken schießt der M5 vom Händlerhof. Achtung, dieser BMW meint es ernst! Schon bei mittleren Drehzahlen mimt er den hysterischen Rennwagen. Vor allem legt er selbst dann noch an Drehzahl zu, wenn die Pleuel des 218i-Eineinhalbliter-Dreizylinders fein pulverisiert im Sumpf der Ölwanne lägen. Bei teuflischen 8250 Touren kommt die Drehzahlgrenze. Entsprechend fällt der Schub aus – was für ein Fahrerlebnis! Man muss es klar sagen: Wer direkt vom M5 Touring in den 218i Active Tourer umsteigt, hat nicht mehr das Gefühl, in einem Auto zu sitzen. Sondern auf einem Kutschbock zu hocken, der sich nur widerwillig und wankend in Bewegung setzt, seltsam gezogen von einem kleinwagenhaft klingenden Behelfsaggregat. Der M5 Touring hingegen ist ein organisch wirkendes Bindeglied zwischen Mensch und Fahrbahn, das Nervensystem wird per Lenkrad, Pedale und Po bis in die Räder verlängert. Ihm ist auf jedem Meter anzumerken, dass er aus dem Rennsport kommt, ein heißblütiges, total feinnerviges Tier. Zwar sind die Unterhaltskosten hoch, doch wer diesen raren Hochkaräter gut pflegt, wird Wertzuwachs ernten – garantiert.
Was bei den AUTO BILD-Testwagen aufgefallen ist, und auf welche Mängel Käufer beim gebrauchten BMW M5 Touring außerdem achten sollten, erfahren Sie in der Bildergalerie.

Einen BMW kauft man aus Freude am Fahren. Deswegen fällt die Wahl emotional aus: M5 Touring. Sein einmaliger V10 stammt aus dem Rennsport, fährt genau so. Der M5 ist ein Ereignis. Er fesselt, weckt Gier, macht süchtig. Und original erhaltene Touring werden deutlich an Wert zulegen. Denn ein V10-Sauger im Kombi kommt nie wieder.