"Es war schon immer etwas teurer, einen besonderen Geschmack zu haben!" Dieser legendäre Slogan der Zigarettenmarke Atika ist bereits über 40 Jahre alt und immer noch brandaktuell. Zum Beispiel bei Coupés. Egal ob der Umbau des Lloyd Plastikbombers anno 1951 oder die legendären C-Modelle vom Mercedes Strichachter, ob Audi- oder Opel-Coupés – weniger Auto kostete stets mehr Geld. Das hat sich bis heute nicht geändert. Nehmen wir unsere drei Testkandidaten: Ob BMW 3er-Coupé, Mercedes CLK oder der zweitürige Peugeot – alle drei sind mehr oder weniger stark von ihren Limousinen-Geschwistern abgeleitet. Schon mal ein Grund, diese Klasse zu vergleichen. Der andere steckt unter der Haube: Hier schaltet und waltet sparsame Dieseltechnik, was den Kaufpreis weiter in die Höhe treibt.

Sechszylinder-Vortrieb kostet Aufpreis an der Tankstelle

Durstiger Franzose: Das 407 Coupé braucht am meisten Sprit – hat aber auch als einziger Testkandidat einen Sechszylinder.
Um schon mal das Umweltgewissen zu beruhigen: Ein Dieselpartikelfilter ist in dieser Klasse Stand der Technik. Den BMW befeuert ein hochmoderner Zweiliter mit 177 PS, der dank einiger Spartricks (Leerlaufabschaltung, Batterie-Aufladung vor allem beim Gaswegnehmen) die Bestmarke setzt: 6,5 Liter Testverbrauch, da kommen die anderen nicht ran. Der Mercedes-Diesel ist ebenfalls ein Vierzylinder mit Turbopuster, aber schon etwas in die Jahre gekommen. Sein 2,2-Liter leistet 27 PS weniger, verbraucht auf der AUTO BILD-Messstrecke mit sieben Litern aber einen halben Liter mehr als der 320d. Der Peugeot hingegen verbrennt 8,6 Liter. Dafür brilliert er beim Preis-Leistungs-Verhältnis. Fürs gleiche Geld bietet er einen 2,7-Liter-Flüster-V6, der seine 204 Turbo-PS über eine serienmäßige Sechsstufenautomatik herrlich direkt an die Vorderräder bringt. Die beiden Konkurrenten in diesem Vergleich lassen ihre sechs Gänge per Hand schalten (was in dieser Kategorie Punkteabzug bedeutet) und haben Hinterradantrieb.

Im Mercedes CLK lässt es sich schön sanft dahingleiten

Sanfter Gleiter alter Schule: Stuckerige Asphalt-Bosheiten lassen den CLK ziemlich kalt.
Schadet das dem flotten Franzosen? Klares Jein. Zwar lassen ihn die Automatik und das höhere Leergewicht die Spurtwertungen gegen den BMW leicht verlieren, auch die Lenkung könnte etwas gefühlvoller sein. Dafür ist er innen leiser, und dank ESP bringen auch die Vorderräder die Kraft der sechs Zylinder gut auf die Straße. Coupé-Kunden mögen aber auch Komfort. Da hapert's beim Peugeot ein wenig. Er will sportlich wirken, legt aber eine etwas zu harte Sohle aufs Parkett. Der Mercedes hingegen ist ein Leisetreter alter Schule. Die Maschine reagiert sanfter aufs Gaspedal, ihre Anfahrschwäche kann sie zwar nie leugnen, dafür ignoriert der CLK bis zur Höchstgeschwindigkeit fast alle stuckerigen Fahrbahn-Bosheiten. Der BMW folgt seiner Herkunft: Sein Motor hat einen leicht brummigen Unterton, die Federung ist annehmbar straff, und die Lenkung reagiert spontan auf jeden Richtungswechsel.
Wer den Begriff Sportcoupé bei diesem Trio wörtlich nehmen will, der ist mit dem BMW am besten bedient. Seine Gewichtsverteilung ist perfekt halbe/halbe auf Vorder- und Hinterachse. Der Mercedes ist etwas frontlastiger und vom Charakter her schon nicht ganz so agil. Beim Peugeot hingegen drücken fast zwei Drittel des Gewichts auf die Vorderachse, was der Agilität natürlich nicht sehr dienlich ist. Und den Bremswerten auch nicht. Dank seiner breiten 18-Zöller stoppt der Peugeot immerhin noch 20 Zentimeter früher als der Mercedes. Der BMW hat den kürzesten Bremsweg. Doch setzen wir uns hinters Steuer. Sitze und Lenkräder sind in alle wichtige Richtungen zu verstellen, die Übersicht beim langnasigen Peugeot am schlechtesten. Schließlich ist er mit 4,82 Meter Länge der Riese in diesem Vergleich. Grundsätzlich gilt bei allen Coupés: Parkwarner sind empfehlenswert, denn die Sicht nach hinten ist wegen der flachen Fenster eingeschränkt. Peugeot weiß das und gibt eine hintere Parkhilfe serienmäßig mit an Bord.

Für den Einstieg nach hinten ist Gelenkigkeit gefragt

Bequemer ist das: Gurtanreicher im BMW 320d.
Bei den Frontstühlen gibt es kaum etwas zu kritisieren. Alle drei Hersteller formen sie sportlich aus, die soliden Mercedes-Sitze gefallen am besten. Coupés werden neu eher von der Grauhaar-Fraktion gewählt. Schon wegen der hohen Preise, die sich Jungdynamiker meistens nicht leisten können. Die reife Generation sitzt vorzugsweise zu zweit vorn. Und da diese Wagen-Bauform naturgemäß sehr lange Türen hat, warten die Sicherheitsgurt-Griffe ziemlich weit hinten. Kein Problem bei BMW und Mercedes: Leise summend wird der Gurt nach vorn in griffgünstige Zonen gereicht. Nur der Peugeot verlangt einen langen Arm und ordentliche Rumpfdrehung. Nächstes Coupé-Problem: Was tun, wenn ein weiteres Paar zum Bridge-Turnier mitfahren möchte? Das muss sich dann trotz der langen Türen tief verneigen und sollte noch etwas elastisch sein, wenn es Richtung Rückbank geht. Denn der Einstieg ist natürlich mühsamer als bei einem Viertürer, beim Aussteigen daher manch Ächzen zu hören.
Der Preis-Leistungs-Sieger kommt aus München: Bei BMW gibt es am meisten fürs Geld – und die besten Fahrleistungen.
Immerhin: An Langstreckenreisen mit dem obligatorischen Übergepäck rüstiger Ruheständler haben alle drei Hersteller gedacht: 400 bis 440 Liter fassen die Kofferräume, dank umklappbarer Rücksitzlehnen sind sie auch leicht zu vergrößern. Asymmetrische Teilung haben alle, aber nur Peugeot denkt daran, dass ein dritter Gast hinten gern auf der rechten Seite sitzt, dort also mehr Sitzbreite erwartet – und nur beim Peugeot auch bekommt. Immerhin: Da alle drei Coupés Viersitzer sind, verwöhnen sie mit Mittelarmlehne und Leselicht auch hinten. Trotz aller finanziellen Freiheit, irgendwann fällt der Blick aufs Kostenkapitel. Die Wartungskosten sind recht moderat, BMW und Mercedes ruft eine Intervall-Anzeige in die Werkstatt, den Peugeot ebenfalls, er muss aber allerspätestens nach 30.000 Kilometern auf die Bühne. Ärgerlicher ist der Unterschied bei der Versicherung für den Franzosen: In allen Risiken ist er im Vergleich am höchsten eingestuft. Dann verbraucht er den meisten Sprit; und den späteren Wiederverkauf schätzen Marktexperten am schlechtesten ein. Wir bewerten das im nüchternen Schema (siehe Tabelle), echte Coupé-Fans nicht.

AUTO BILD-Redakteur Diether Rodatz über Dieselmotoren im Coupé

Die Entscheidung für ein Auto erfolgt aus dem Bauch, der Preis ist schnell vergessen. Doch an der Tanke, da werde ich ständig an die Teuerung erinnert. Da freue ich mich, wenn ich lange an der Zapfsäule vorbeifahren kann. Kommt der Dieselgewöhnungseffekt hinzu: Wenig schalten, schon knapp überm Leerlauf immer Kraft zu haben, das kann (noch) kein Benziner.