Was waren das noch für Zei­ten, als BMW in der sport­lichen Mittelklasse eine Art Monopol auf das Cou­pésegment hatte? Mercedes um­warb seine C-Klasse von 2000 bis 2008 als "Sportcoupé", brachte es jedoch in all der Zeit nicht fertig, den bauchig geformten CL 203 optisch zum echten Zweitürer zu emanzipieren. Diese Rolle blieb dem CLK vorbehalten, der wesent­lich gemütlicher war als das, was seinerzeit aus München anrollte. Audi wiederum übertrug sportliche Gelüste lieber auf wilde Kombis, als solcherlei Ambitionen schnittig ein­zukleiden. Kurzum: Das Revier des E46 Cou­pé war größtenteils ihm selbst über­lassen. Heute, wo sich Audi A5/S5 prächtig verkaufen und Mer­cedes mit C- und E-Coupé auf Basis einer Plattform aus gleich zwei Roh­ren schießt, fährt auch BMW wieder ein angemessenes Kaliber auf.
Weitere Sechszylinder-Coupés mit Heckantrieb

Video: BMW 435i vs. Audi S5 und E Coupé

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BMW 435i nennen die Münchner ihr vorläufiges Topmodell, was man einerseits als mehr oder weniger geistreiche Marketinglaune verste­hen kann, andererseits aber auch als dezenten Hinweis darauf, dass technisch so einiges anders ist als in der viertürigen Ausgangsbasis. Die Spurweite wächst im Vergleich zur Limousine vorn um 14, hinten um 22 Millimeter. Dazwischen arran­giert sich ein neu abgestimmtes Sportfahrwerk mit geänderten Sturz- und Spurwerten; geänderte Radaufhängungen mit zusätzlichen Verstrebungen zwischen Träger und Schweller stehen ebenfalls im Zeichen gehobener Fahrdynamik.
Audi S5
Den Audi S5 treibt ein 333 PS starker Kompressor-V6 an.
Bild: Ronald Sassen
Audi Wenn der Audi mittlerweile etwas in die Jahre gekommen ist, so genießt er gegenüber dem BMW noch immer einen Vorteil. Er muss sich nicht erst über die Preisliste hochrüsten, sondern versteht sich von Haus aus als vollwertiges Sport­modell. 245 Millimeter breite 18-Zöller sind für ihn so selbstver­ständlich wie Sportfahrwerk, Per­manent-quattro, Siebengang-S-tro­nic und der 2011 eingeführte V6, der wie BMW und Mercedes aus drei Litern schöpft, dabei aber nicht via Turbo, sondern mittels Kom­pressor vorverdichtet. Resultat: 333 PS, 440 Nm und ein Ansprechver­halten, das ebenso gut von einem Saugmotor stammen könnte.
Mercedes E400 Coupé
Mit 4,7 Metern streckt sich der Mercedes 6,5 Zentimeter über den BMW hinaus.
Bild: Ronald Sassen
Mercedes Querdynamisch bleiben die Machtverhältnisse da­gegen trotz AMG Sportpaket wie ge­habt. Der E 400 strafft seine Dämp­fer auf Tastendruck zwar wirksam nach, kann dadurch aber auch nicht verschleiern, dass seine Abstim­mung eher Langstrecke denn Land­straße präferiert. Vorn fehlt es den 235er-Contis etwas an Seitenfüh­rung, die Hinterachse geriet für am­bitionierte Querkraft-Experimente etwas zu weich, und all jenen, die solche Defizite mit Einsatz kom­pensieren wollen, fährt irgendwann das zwangsaktive Sport-ESP in die Parade. Dennoch: So unsportlich, wie viele die Serienmodelle aus Stuttgart gern sehen, ist das E 400 Coupé längst nicht mehr. Wie der Vergleich am Ende ausgeht, erfahren Sie in der Bildergalerie.

Fazit

von

Manuel Iglisch
Mittelklassecoupés stehen für Freude am Fahren und somit für das, was sich BMW als Kernkompe­tenz auf die Fahnen schreibt. Im Vergleich zur Limousine löst der 435i dieses Versprechen aber auch auf ganzer Linie ein. Handling, An­trieb und Klang bilden ein Fahr­spaß-Destillat erster Güte und trös­ten bestens darüber hinweg, dass der technokratisch kühle, dafür perfekt abgestimmte Audi querdy­namisch Maßstab bleibt. Im Alltag brilliert dagegen das in jeder Hinsicht ausgewogen komponierte E 400 Coupé, das zudem einen kongenialen V6 beheimatet.