BMW 550e xDrive: Test
Teurer Teilzeit-Elektriker: BMW 550e enttäuscht nur beim Preis

Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Das Leben erfordert Kompromisse, auch beim Autofahren. Wer also emissionsfrei zur Arbeit pendeln möchte, gleichzeitig aber ohne zeitraubende Ladelogistik Kilometer fressen will oder muss, für den gibt es eigentlich nur eine Lösung: Ein Plug-in-Hybrid muss her.
Wenn das Geld nicht knapp ist und mindestens 77.900 Euro vorhanden sind, könnte es sogar ein BMW 550e xDrive werden. Mit 5,06 Meter Länge und einem Radstand von knapp drei Metern steht die bayerische Limousine dann auch noch repräsentativ in der Einfahrt oder auf dem Firmenparkplatz.
Es dürfte etwas luftiger zugehen
Da BMW den Raum zwischen den Achsen auch für ein rein elektrisches Derivat nutzt, findet die Hochvoltbatterie mit einer Kapazität von 19 kWh (netto) auch beim Plug-in-Hybrid genau dort ihren Platz. Das wiederum hebt die Vordersitze und die Rückbank knapp zwei Zentimeter an, lässt den Kofferraum mit einem Volumen von 520 Litern aber unberührt.

Der BMW 550e xDrive streckt sich auf 5,50 Meter – bei 2,99 Meter Radstand. Innen ist er dabei nicht ganz so luftig, wie wir erwartet hatten.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Wer will, kann die Fondlehne im Verhältnis 40:20:40 flach machen, um den Stauraum zu erweitern. Warum die Entriegelung nur aus dem Kofferraum möglich ist, wird ein Geheimnis des Herstellers bleiben. Auch warum es nur an den vorderen Türen Keyless-go-Sensoren gibt. Und noch etwas erstaunt: Die schiere äußere Größe des BMW 550e ist im Innenraum nicht zu spüren. Ja, das Raumgefühl ist gut, und BMW versteht es auch hier, den Fahrer so an seinem Arbeitsplatz einzubinden, dass das Sportwagengefühl nicht zu kurz kommt, aber insgesamt würden wir uns etwas mehr Luftigkeit im Innenraum wünschen.
Fahrzeugdaten
Modell | BMW 550e xDrive Limousine |
|---|---|
Motor Bauart/Zylinder | R6, Turbo + E-Motor, PHEV |
Leistung Verbrennungsmotor | 230 kW (313 PS) |
Hubraum | 2995 cm³ |
Nockenwellenantrieb | Kette |
Leistung Elektromotor | 145 kW (197 PS) |
Systemleistung | 360 kW (489 PS) |
Systemdrehmoment | 700 Nm |
Vmax | 250 km/h |
Getriebe | Achtstufenautomatik |
Antrieb | Allradantrieb |
Bremsen vorn/hinten | Scheiben/Scheiben |
Testwagenbereifung | 245/40-275/35 R 20 Y |
Reifentyp | Pirelli P Zero |
Radgröße | 8,5-10 x 20" |
Abgas CO2* | 21 g/km |
Verbrauch* | 0,9 l S + 22,2 kWh/100 km |
Tankinhalt/Batteriekapazität | 60 l/19 kWh (netto) |
Ladeleistung/Ladezeit (0-100 %) | 11 kW/2:15 Std. |
Kraftstoffsorte | Super |
Vorbeifahrgeräusch | 67 dB(A) |
Anhängelast gebr./ungebr. | 2000/750 kg |
Stützlast | 100 kg |
Kofferraumvolumen | 520 l |
Länge/Breite/Höhe | 5060/1900–2156**/1515 mm |
Radstand | 2995 mm |
Grundpreis | 77.900 Euro |
Testwagenpreis (wird gewertet) | 94.220 Euro |
Sportlich sind auch die nackten Fakten. Die Systemleistung des BMW 550e wird mit 489 PS und einem maximalen Drehmoment von 700 Newtonmetern angegeben. Verantwortlich für diese Kraft sind der faszinierend ruhig laufende und extrem drehfreudige Reihensechszylinder mit 313 PS und der Synchron-Elektromotor, der weitere 197 PS beisteuert.
Absolut sportliche Fahrleistungen
Wenn sich beide Triebwerke beim Ampelstart vereinen und das Boost-Paddle am Lenkrad gezogen ist, schießt der knapp 2,3 Tonnen schwere Teilzeitstromer in von uns gemessenen 4,4 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100. Bis die 200er-Marke geknackt ist, dauert es 15,1 Sekunden.

In nur 4,4 Sekunden schießt der 550e aus dem Stand auf Tempo 100, bereits nach 15,1 Sekunden sind 200 km/h erreicht.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Und in seinem Lauf hält ihn erst die Elektronik auf. Bei 250 km/h ist standardmäßig Schluss. Die Kraftverteilung an alle vier Räder übernimmt wie gewohnt eine Wandlerautomatik von ZF, die unmerklich über acht Stufen schaltet. Auch der Wechsel zwischen E-Motor und Verbrenner ist kaum spürbar.
Der Verbrenner bräuchte den E-Motor nicht
Wobei der Reihensechser, wenn man ganz ehrlich ist, auch ohne die elektrische Unterstützung keine Probleme hätte, den Bayern angemessen flott in Fahrt zu bringen. Auf der Autobahn, wo der Verbrenner ohnehin die Hauptarbeit leistet, zeigt er nicht nur feinste Manieren, er zieht auch ohne Mühe aus jedem Drehzahlbereich durch. Sanft, kraftvoll und absolut souverän verrichtet er seine Arbeit.

Seidenweiches Kraftpaket: Der faszinierend laufruhige Reihensechser und ein Elektromotor mobilisieren zusammen 489 PS und 700 Nm.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Anders als man das von früheren BMW-Modellen kennt, gibt es nur noch zwei echte Fahrprogramme im 550e: Normal, das jetzt Personality heißt, und Sport. Letztgenanntes verschärft den 5er dann aber auch rigoros. Bis zu dem Punkt, dass sogar das ESP sofort in den Tiefschlaf geschickt wird. Hinzu kommen ein aggressiver Sound des Verbrenners und knackige Fahrstufenwechsel, die beim Schalten ordentlich anreißen.
Der BMW kann auch richtig sparsam
Klar, wer derart sportlich über die Autobahn sprintet, der wird nach AUTO BILD-Messungen nicht unter 13,2 Litern unterwegs sein. Kaum mehr als die Hälfte verbrennt der, der sich mit sanftem Gasfuß zurückhält. Lediglich 7,0 Liter rauschen hier durch die Schläuche. Noch besser ist der unterwegs, der das Wechselspiel beider Motoren im Hybridmodus nutzt. Dem reichen über 100 Kilometer 5,2 Liter Super und 11,2 kWh Strom aus der Batterie. Rein rechnerisch entsteht so eine Gesamtreichweite von 723 Kilometern.

Sehr ordentlich: Mit 60 Prozent Hybrid- und 40 Prozent E-Anteil verbrauchte der 550e 5,2 Liter und 11,2 kWh auf 100 Kilometer.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Insofern bleibt die Arbeitsaufteilung wie gehabt. Der E-Motor ist bis 140 km/h für die emissionsfreie Kurzstrecke gedacht und kann mit voller Akku-Unterstützung dann nach unserer Messung 78 Kilometer rein elektrisch abspulen. Das ist nicht ganz so viel, wie von BMW versprochen, aber sollte problemlos für die täglichen Erledigungen über die kurze Distanz reichen. Zumal unterdessen auch mit maximal 11 kW geladen werden kann. Das heißt, dass der Akku im besten Fall nach zwei Stunden und 15 Minuten wieder voll geladen ist.
Sein Gewicht kaschiert der Bayer gut
Wenig Arbeit hat der Fahrer im 550e. Den BMW-Ingenieuren ist es auch beim Plug-in-Hybrid gelungen, die mehr als zwei Tonnen Gewicht geschickt zu kaschieren. Das liegt zum einen sicher am M-Sportfahrwerk, aber auch die hubabhängig agierenden Dämpfer tragen mit dem Wankausgleich ihren Teil dazu bei. Hinzu kommt eine gefühlvolle Lenkung, die zackig aus der Mitte reagiert und den 550e einen sehr sauberen Strich durch die Kehren ziehen lässt.

Durchaus leichtfüßig: Seine 2,2 Tonnen merkt man dem 550e kaum an – M-Sportfahrwerk, Wankausgleich und guter Lenkung sei Dank.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Erstaunlich ist hingegen der Wendekreis beim Rangieren. Trotz Hinterradlenkung braucht der sportliche Bayer zwölf Meter für einen kompletten U-Turn. Wenn man den 550e aus der Bewegung zum Stillstand bringen muss, geht das ziemlich zackig. Die Bremsen sind über jeden Zweifel erhaben. Aus Tempo 100 kommt der Wagen, egal ob kalte oder warme Scheiben, nach 32,2 Metern zum Stehen.
Messwerte
Modell | BMW 550e xDrive Limousine |
|---|---|
Beschleunigung | |
0–50 km/h | 1,9 s |
0–100 km/h | 4,4 s |
0–130 km/h | 6,7 s |
0–160 km/h | 9,6 s |
0–200 km/h | 15,1 s |
Zwischenspurt | |
60–100 km/h | 2,2 s |
80–120 km/h | 2,6 s |
Leergewicht/Zuladung | 2250/555 kg |
Gewichtsverteilung v./h. | 52/48 % |
Wendekreis links/rechts | 12,0/12,1 m |
Sitzhöhe | 580 mm |
Bremsweg | |
aus 100 km/h kalt | 32,3 m |
aus 100 km/h warm | 32,3 m |
Innengeräusch | |
bei 50 km/h | 55 dB(A) |
bei 100 km/h | 63 dB(A) |
bei 130 km/h | 67 dB(A) |
bei 160 km/h | 72 dB(A) |
Verbrauch | |
Stromverbrauch (hochgerechnet) | 27,9 kWh/100 km |
Testverbrauch (60 % Hybrid-, 40 % E-Anteil) | 5,2 l S + 11,2 kWh/100 km |
Verbrauch mit entladener Batterie | 9,3 l S/100 km |
CO2 (Testverbrauch) | 133 g/km |
Reichweite (Testverbrauch) | 645 km + 78 km elektrisch |
So gesehen bietet der 550e eine gelungene Mischung aus Sportlichkeit und exzellentem Reisekomfort. Das spiegelt sich auch im Innenraum wider. Zwar verfügen die Sportsitze nicht wie einst über eine separat kippbare Schulterpartie, wirklich vermissen wird man diese Funktion aber nicht. In Summe erfreut man sich eher an den vielfachen Verstellmöglichkeiten des Gestühls, die eine ideale Sitzposition bei jeder Körpergröße garantieren.
Assistenzsysteme auf Referenzniveau
Garantiert wird auch die Sicherheit. Die Funktionsweise der Assistenzsysteme darf als Benchmark gelten. Allerdings gibt es die nicht umfänglich in der Serienausstattung. Wer hier das Maximum haben möchte, muss zahlen. Und hier langen die Bayern ordentlich zu, bieten aber – wie gesagt – auch beste Ergebnisse. Für Vielfahrer wäre da zum Beispiel der in unserem Testwagen verbaute Driving Assistant Professional für zusätzliche 2000 Euro zu nennen.

Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Die Spur und der Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug werden im Geschwindigkeitsbereich von 30 bis 210 km/h selbstständig gehalten. Und das nicht nur auf freier Strecke, sondern auch in Baustellen. Hinzu kommt der Stauassistent, der den Wagen ohne Zutun des Fahrers im zäh fließenden Verkehr manövriert. Hervorzuheben ist das sanfte Anfahren und Bremsen im Stop-and-Go-Verkehr, das in dieser Perfektion momentan kein anderer Hersteller beherrscht.
Wer auf der Reise das BMW-eigene Navigationssystem nutzt, hat zudem den Vorteil, dass die Geschwindigkeitsanpassung vor Kurven, Kreisverkehren oder Kreuzungen automatisch erfolgt. Dem entgegen steht die wirklich nicht detailreiche Karte im 14,9 Zoll messenden Zentraldisplay. Was an sich ein Widerspruch zur ansonsten sehr guten und hochauflösenden Grafik ist.
Wertung BMW 550e xDrive
Kategorie | Bewertung / Beschreibung | Punkte |
|---|---|---|
Karosserie | Gutes Platzangebot, großer Kofferraum, unübersichtlich wegen hoher Gürtellinie, fein verarbeitet. | 4 / 5 |
Antrieb | Exzellente Fahrleistungen, ruhiger Sechszylinder, nahtloser Übergang von E- zu Verbrenner-Antrieb. | 4,5 / 5 |
Fahrdynamik | Hohes Gewicht ist kaum spürbar, gefühlvolle Lenkung, üppiger Wendekreis, ausgezeichnete Bremsen. | 4 / 5 |
Connected Car | Konnektivität auf höchstem Niveau, umfängliche Sprachsteuerung, viele Apps, großer Bildschirm. | 5 / 5 |
Umwelt | Groß, mit hohem Gewicht, kann lokal emissionsfrei fahren, geringes Außengeräusch. | 3 / 5 |
Komfort | Sehr bequem, Top-Sitze, gute Bedienung, Federung mit Wankausgleich, geringes Innengeräusch. | 4,5 / 5 |
Kosten | Hoher Anschaffungspreis, drei Jahre Gewährleistung, stabiler Wiederverkaufswert. | 2,5 / 5 |
AUTO BILD-Testnote | 1,6 |
Schöner sind da schon die Karteneinblendungen im Head-up-Display, in dem bei Richtungswechseln zudem noch schwebende Pfeile zu sehen sind. Allerdings lässt sich BMW auch das in Form des Innovationspakets mit 2450 Euro ordentlich bezahlen. Wer das alles nicht mag, der kann via Apple CarPlay oder Android Auto kabellos seine Apps auf das Zentraldisplay zaubern und über den im 550e noch verfügbaren iDrive-Controller in der Mittelkonsole mühelos bedienen.
Freude am Fahren ist teuer
Abseits dessen erfreut der Bayer mit einer zuverlässigen virtuellen Helferin, die sehr verständig auf den Ruf "Hey, BMW" reagiert. Dabei reicht die Hilfe von der Zieleingabe und dem Start der Navigation über die Bedienung der Klimaanlage bis zum Öffnen und Schließen der Fenster. Auch Fach- oder Unterhaltungsfragen werden mit Kompetenz und auch mal mit einer Portion Witz beantwortet.

Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Wer alle genannten Goodies bestellt, entfernt sich aber deutlich von den 77.900 Euro Einstiegspreis. Denn mit den vielen kleinen und großen Begehrlichkeiten bringt es unser Testwagen am Ende auf die stolze Summe von 94.220 Euro. Was Normalverdiener selbst mit großen Kompromissen nicht aufbringen können.
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