Für die Mehrheit der BMW-Fans war und ist der M2 die Rückkehr zur alten Freude am Fahren: kurzer Radstand, breite Spur und ordentlich Dampf unter der Haube. Einzig letzterer Punkt regte immer wieder Träume und Spekulationen an: Wie schnell wäre der Kleine wohl, wenn man ihm den Biturbo-Motor des größeren M4 implantieren würde? Die Herren der M GmbH haben mitgeträumt und den Wunsch in Gestalt des neuen M2 Competition tatsächlich erfüllt. Dazu gibt’s eine modifizierte Sperre sowie eine neue Applizierung für Lenkung und ESP.

Schon rein motorisch ist der M2 bestens gerüstet

Video: BMW M2 vs Porsche Cayman GTS (2018)

Kräftemessen auf der Rennstrecke

Das auf 410 PS gedrosselte Biturbo-Herz schlug im Supertest allerdings nicht ganz so schnell, wie wir es im Vergleich zum alten Single-Turbo auf M235i-Basis erwartet hatten. Ohne mollige Sommerluft in den Atemwegen bekommt der Competition-M2 nun eine zweite Chance, um herauszufinden, ob er seinem großen Bruder M4 endlich die Rückleuchten zeigen kann. Der tritt mit frischer 6d-Temp-Normierung ebenfalls als nachgeschärftes Competition-Modell an. Neben mehr Leistung (450 statt 431 PS) bietet es ein nachgezurrtes Adaptivfahrwerk, eine überarbeitete Sperre, Sportsitze und 20-Zöller; hinzu kommt die Keramikbremse für 7900 Euro. Doch auch der M2 Competition kommt nicht unbewaffnet: BMW spendiert als weitere Performance-Zugaben eine größer dimensionierte Sportbremse in Stahl, griffige Sportsitze und Schmiederäder. Die Mischbereifung von Michelin tragen beide BMW, der M4 allerdings ein Zoll größer und zwei Zentimeter breiter als der M2.

Die schnelle Rundenzeit schüttelt der M4 lässig aus dem Ärmel

BMW M4
Ausgewogen: Der M4 liegt perfekt ausbalanciert und stabil auf der Straße – und er ist richtig schnell.
Mit dem Vorspiel wären wir damit durch, also ab auf die Strecke und das Duell endlich mit harten Zahlen ausfahren: Die milden Temperaturen erweisen sich für beide als optimal, um auf dem Sachsenring noch ein paar Zehntel zu finden. Der M4 darf vorlegen und steigert sich auf eine tiefe 1:36er-Zeit. So schnell war noch kein Competition-M4. Besondere Auffälligkeiten? Keine. Und genau das ist der Punkt: Wo bislang das tendenziell übersteuernde Handling im Kurvenausgang bedacht sein wollte, um mit viel Speed auf die Geraden zu beschleunigen, liegt dieser M4 perfekt ausbalanciert und neutral in der Spur. Die Lenkung gibt sich gewohnt handfest, die Vorderachse dockt bombenfest in die Spur und führt hochpräzise. So fahrbar war der M4 noch nie! Einzig die Keramikbremse dürfte bissiger und ausdauernder zupacken, um ihren hohen Aufpreis zu rechtfertigen.Umstieg in den M2: Sofort fallen die höhere Sitzposition und die kleiner skalierten Analoguhren auf. Mit dem kurzen Radstand und dem straffen Fahrwerk ohne adaptive Einstellung fährt sich der Kleine zu jederzeit wie ein leichter Tanzschuh auf gespitzten Zehen: agil, erdig und immer mit einem Schalk im Nacken, der zum provozierten Querfahren animieren will.

Der kleine Sportler führt einen manchmal in Versuchung

BMW M2
Quicklebendig: Auch der M2 macht richtig Laune, er liegt auf dem Sachsenring nicht weit hinter dem M4.
Was uns für noch mehr Stimmung fehlt? Der Soundgenerator des M4, der das Röhren des Reihensechsers wunderbar aufreizend ans Ohr des Fahrers spielt und so den Verlust der grölenden Klappenauspuffanlage weniger schmerzhaft gestaltet. Die Versuchung, den Sachsenring mit rauchenden Hinterreifen in ein Schmirgelquartier zu verwandeln, ist groß, denn obwohl der Haftungsabriss durch den kürzeren Radstand etwas abrupter als beim M4 erfolgt, ist auch der M2 eine berechenbare Spaßrakete ohne jede Heimtücke. Auf der schnellen Runde liegt die Vorderachse leider nicht ganz so stabil wie beim großen Bruder. Das bringt Hektik und kostet genauso Zehntel wie die Drosselung des Motors, der zwar sehr willig, aber doch spürbar langsamer über die 7000er zum Begrenzer dreht als im M4. Ein Nachteil, den der nur 20 Kilogramm leichtere M2 auf den Geraden büßt; und das, obwohl auch der M4 mit dem Ottopartikelfilter über eine Sekunde im Sprint auf 200 km/h verloren hat. Der Respektabstand zwischen den Competition-Modellen bleibt damit kongruent zu den von uns getesteten Normalversionen.
Sicher, handfeste Gründe, sich für oder gegen einen der beiden zu entscheiden, sind das noch nicht. Der M2 Competition macht Laune, ist immer zum Spielen aufgelegt und höchstens im Alltag mit seinem straffen Fahrwerk und dem kleinen Tank etwas gehandicapt. Der M4 motorisiert explosiver und klingt wesentlich lustvoller. Auch in ihm pocht der sportliche Drang bis in die kleinste Ader, doch wirkt er dabei etwas abgeklärter und gewillter, sich auch mal zurückzunehmen. Nur der Preiszuschlag bleibt für dieses Plus an Kraft und Emotion unverhältnismäßig hoch.

Fazit

von

Guido Komp
Querdynamisch auf nahezu gleichem Niveau, gewinnt der ausgereifte M4 das Duell über die Längsdynamik. Dürfte der Biturbo im M2 doch nur ohne elektronische Drossel aufspielen. Ach, ich träume schon wieder.