51.623 – eine magische Zahl, denn sie öffnet die Tür zu einer besonderen Welt. Setzt man noch "Euro" dahinter, markiert sie den Einstieg in die Welt von Porsche, denn so viel kostet der derzeit günstigste Sportwagen aus Zuffenhausen, der 718 Cayman. Sein Vergleichstest-Gegner BMW M240i rangiert unmittelbar unter dem M2 und steht mit 45.400 Euro in der Preisliste. Zudem hat er gegenüber dem 718 Cayman einen Leistungsvorteil: 340 PS leistet der M240i, der Basis-Cayman hat dagegen nur 300 PS. Eine klare Sache für den BMW, könnte man meinen? Doch so einfach ist das nicht …
Motor und Alltagsnutzen sprechen für den BMW
Video: BMW M240i vs Porsche 718 Cayman (2016)
Drag Race: 718 Cayman vs M240i
Im Cayman werden maximal zwei Menschen glücklich, während etwa die Schwiegereltern nur im BMW auf der Rückbank mitfahren können. Der 718 Cayman setzt auf einen aufgeladenen Vierzylinder mit zwei Liter Hubraum, der BMW M240i vertraut auf einen prestigeträchtigeren Sechszylinder-Reihenmotor mit drei Litern, ebenfalls von einem Turbo aufgeladen. Mehr Platz, mehr Hubraum, mehr Zylinder, mehr Leistung – nach den nackten Zahlen hat der BMW M240i die Nase vorn. Wie sieht das nun in der Realität aus? Betrachtet man die Äußerlichkeiten, wirkt der Mittelmotor-Porsche neben dem nach klassischem Frontmotor-Heckantrieb-Konzept aufgebauten BMW wie ein rassiger Renner neben einem sportlich angespitzten Viersitzer. Die geschwungene Außenhaut des Zweisitzigen Coupés wirkt schon im Stand schneller und potenter als der vergleichsweise hohe, mächtigere BMW.
Schon optisch gibt der Cayman den besseren Sportler
Fahrmaschine: Der Porsche pflegt den dynamischen Auftritt, am Heck erinnert er dezent an den Elfer.
Bild: Ronald Sassen / AUTO BILD
In der flach auslaufenden Heckpartie des Cayman kann man den großen Bruder 911 erkennen, die Schnauze ohne Kühlergrill sieht rasant aus, die Seitenpartie mit dem Lufteinlass vor den Hinterrädern wäre auch eines Supersportlers nicht unwürdig. Fast brav wirkt dagegen der BMW M240i, der zwar über breit ausgestellte hintere Radläufe und Spoiler/Diffusor-Werk an Bug und Heck auf sein wahres Wesen aufmerksam macht. Doch sind Form und Anmutung eher konventionell. Ein Eindruck, der sich im Innenraum fortsetzt. Die Sitzposition im BMW ist höher, das aufgeräumte Cockpit lässt zwar hier und da sportlich wirkendes Chrom blitzen. Doch im Vergleich mit dem wie um den Fahrer herumgebaut wirkenden Cockpit samt schalterübersätem Mitteltunnel und dem zentralen Drehzahlmesser verströmt der 2er-BMW auch innen weniger Sportflair als der Cayman. Kurz: Vom optischen Eindruck und der Anmutung des Innenraums ausgehend, liegen zwischen Porsche Cayman und BMW M240i Welten.
Der Eindruck ändert sich jedoch ein wenig, sobald die Antriebe ins Spiel kommen. Denn BMWs Reihensechszylinder mit Turbolader ist ein Aggregat, das nicht nur einen wunderbaren Sound entwickelt, sondern auch mit ausgeprägter Drehfreude, einer gleichmäßigen Kraftentfaltung und einer sehr gut harmonierenden Achtstufenautomatik aufwarten kann.
Die Charakterunterschiede treten deutlich zutage
Während der BMW M240i eher zurückhaltend agiert, ist der Porsche Cayman wie ein juveniler Heißsporn.
Bild: Ronald Sassen / AUTO BILD
Spätestens hier wird das Gesamtkonzept des M240i hör- und fühlbar, denn dem BMW-Coupé ist jede allzu aufdringliche Äußerung fremd, der Motor umschmeichelt die Ohren mit dem sonoren Schmelz des Reihensechsers, ist angenehm zurückhaltend angesichts der heute so gern und manchmal übertrieben eingesetzten Missfire- und Downshift-Salven. Der Cayman agiert dagegen wie ein juveniler Heißsporn, kommentiert jedes Runterschalten mit rotzigen Tönen, klingt bei niedrigen Drehzahlen etwas beliebig, um dann mit steigenden Touren an Schärfe und markantem Ausdruck zu gewinnen. Die Kraftentfaltung beginnt eher zaghaft, nimmt mit steigender Drehzahl an Druck zu und fühlt sich wie ein Saugmotor an; die Arbeit des Turboladers, der hier im Unterschied zum stärkeren S-Model ohne variable Turbinengeometrie auskommt, ist im Zusammenspiel mit dem schnellen Doppelkupplungsgetriebe nicht spürbar.Bei der Messprozedur auf dem Flugplatz in Rothenburg kann weder der BMW M240i mit seinem Leistungsvorteil punkten noch der Cayman seinen immerhin 138 Kilogramm betragenden Gewichtsvorteil ausspielen. Beides scheint sich eher auszugleichen, denn bis Tempo 100 km/h liegen beide mit 4,5 Sekunden gleichauf. Auf 200 km/h kann der BMW seinen Getriebevorteil nutzen und nimmt dem Cayman sechs Zehntelsekunden ab. Die Durchzugskraft des BMW ist ebenfalls besser entwickelt, bedingt durch die weitere Abstufung des Cayman-Doppelkupplungsgetriebes. Geschlagen geben muss sich der BMW dagegen beim Bremsen, allerdings trat der Cayman auch mit der 7319 Euro teuren Carbon-Keramik-Bremsanlage an und kommt so aus 200 km/h fast 20 Meter eher zum Stehen als der M240i.
Weitere Details zu BMW M240i Und Porsche Cayman finden Sie in der Bildergalerie. Den kompletten Artikel mit allen technischen Daten und Tabellen gibt es als Download im Online-Heftarchiv.