BMW M340i vs. Mercedes-AMG C 43: Sport-Limousinen im Vergleich
M340i und C 43 zeigen: Es müssen nicht immer die Top-Modelle sein!
Nicht jeder will immer sofort auffallen, nicht jeder muss stets zeigen, was er hat. Für diese Fälle reicht meist ein bisschen Sport locker aus – BMW M340i und Mercedes-AMG C 43 versprechen genau das.
Was wir hier so ketzerisch "ein bisschen Sport" nennen... Dafür müssen sich viele ein Leben lang abrackern. Schließlich sprechen wir bei M340i und C 43 zwar nicht von den Top-Athleten, aber zumindest von ambitionierten Hobbysportlern. Und wer schon mal irgendeine Sportart mit Hingabe betrieben hat, etwa versucht hat, einen Marathon in 3.30 Stunden zu laufen, der weiß, wie schwer es ist, ein solches Niveau zu erreichen.
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* Die durchschnittliche Ersparnis berechnet sich im Vergleich zur unverbindlichen Preisempfehlung des Herstellers aus allen auf carwow errechneten Konfigurationen zwischen Juni und November 2023. Sie ist ein Durchschnittswert aller angebotenen Modelle und variiert je nach Hersteller, Modell und Händler.
Diese beiden sind also alles andere als Nasenbohrer, was sich schon beim Blick auf das Datenblatt verdeutlicht: Wir reden von 374 PS beim BMW und 408 PS beim Mercedes (mit ein bisschen Zusatzboost beiderseits). Eine Klasse darunter wäre das schon die Krone der Kompaktsportler-Schöpfung. Viel erschreckender noch: die Grundpreise. Im Falle des AMG bewegen wir uns in Sphären, die mit ein paar Performance-Zusatzfeatures an der 100.000-Euro-Marke kratzen.
Der Sport- Vierzylinder mit zwei Liter Hubraum steckt auch im A 45 S. Im C 43 leistet er 408 PS, der elektrische Zusatzverdichter steuert weitere 14 PS bei.
Bild: Ronald Sassen / AUTO BILD
Nein, halbgar haben beide Premium-Hersteller ihre Einstiegs-Performer nicht hinentwickelt. Der BMW geht dabei einen konventionelleren Weg, obgleich auch er von seiner 48-Volt-Mildhybrid-Technologie profitiert. So wirklich auf die Karosserie klebt das aber nur Mercedes: "Turbo Electrified" steht da prominent auf den vorderen Kotflügeln. 14 PS schreibt AMG seinem Elektromotor zu. Die restlichen 408 PS kommen aus einem 1991 cm3 kleinen Reihenvierzylinder, der in etwas anderer Ausführung – vor allem, was den Turbolader angeht – auch im A 45 S steckt.
C-Klasse 37 kg schwerer
In der C-Klasse muss das Zylinderquartett auf jeden Fall deutlich mehr Auto bewegen – ein Kilogramm über 1,8 Tonnen spucken unsere Messwaagen aus. Der BMW ist trotz des größeren Motors 37 Kilogramm leichter, gefällt zudem mit der ausgewogeneren Gewichtsverteilung von 53 Prozent auf der Vorderachse. Im AMG lasten trotz des per se leichteren Vierzylinders zwei Prozent mehr Gewicht auf dem Bug.
Nach Zylindern führt der Bayer also schon mal mit sechs zu vier. Das klingt schwer nach einem Eishockey-Ergebnis, und in diesem Sport haben bayerische Vereine traditionell einen Vorteil gegenüber ihren schwäbischen Gegnern. Trifft das auch in diesem Fall zu, oder ist im automobilen Duell weniger mehr?
Krabbeln wir erst einmal durch die Innenräume: Hier zeigt sich der BMW jüngst aufgefrischt, während im Falle der C-Klasse die Baureihe an sich erst seit rund zwei Jahren auf dem Markt ist. Im Bayern ist Haptik und Bedienlogik seit Jahren gelernt, der neue Curved-Breitbildschirm wirkt irgendwie nachträglich reingespaxt – was er im Grunde ja auch ist.
Der Drag-Race-Modus im AMG-Performance-Menü misst Beschleunigungswerte und stellt den Launch grafisch über eine Startampel dar.
Bild: Ronald Sassen / AUTO BILD
Mercedes mit Drag-Race-Modus
Mercedes-Fahrer müssen voluminöse Glanzflächen mögen, und auch das aus der Mittelkonsole emporschießende Hochkantdisplay weckt nicht gerade sportliche Assoziationen. Das gilt allerdings nur so lang, bis man sich im AMG durch die Performance- und Track-Optionen geflippert hat.
Dann begeistert der C 43 mit einer ganzen Handvoll netter Features. Das Fahrprogramm "Race" – das Bestandteil des 2380 Euro teuren AMG-Dynamic-Plus-Pakets ist – hat einen Drag-Race-Modus, mit dem sich Beschleunigungswerte bordeigen messen lassen. Diese werden zudem schick mit einer virtuellen Startampel eingeleitet.
FAHRZEUGDATEN
BMW M340i
MERCEDES-AMG C 43
Motorbauart
R6
R4
Aufladung/Ladedruck
Turbo/1,1 Bar
Turbo/2,1 Bar
Hubraum
2998 cm³
1991 cm³
kW (PS) b. 1/min
275 (374)/5500-6500
300 (408)/6750 + 10 (14)
Literleistung
125 PS/l
205 PS/l
Nm b. 1/min
500/1900-5000
500/5000
Getriebe
Achtstufenautomatik
Neunstufenautomatik
Maße L/B/H
4714/1827/1440 mm
4791/1824/1450 mm
Tank-/Kofferraumvolumen
59/480 l
50/455 l
Normverbrauch • CO2
8,3 l/100 km • 188 g/km
8,9 l/100 km • 201 g/km
Abgasnorm
Euro 6d
Euro 6d
Testwagenpreis
76.820 €
92.648 €
Im Telemetrie-Reiter lassen sich Gaspedalstellung und Bremsdruck ablesen, und selbst die Einschlagwinkel von Vorder- und Hinterachse werden in Echtzeit dargestellt. Ja, richtig gelesen, der C 43 hat eine adaptive Hinterachslenkung, die sich bei hohen Geschwindigkeiten von gegenläufig auf parallel umstellt und so den Geradeauslauf verbessern soll.
BMW geht konventionelleren Weg
Der BMW geht auch auf diesem Gebiet einen deutlich konventionelleren Weg: M-Sportfahrwerk, eine strammere Bremsanlage und das M-Sportdifferenzial hat der Bayer in Serie, die Lenkung ist ebenfalls gegenüber dem Basismodell sportiv verfeinert. Was uns besonders freut: Noch vor einigen Jahren hatten wir kritisiert, dass BMW es bei den Sportfahrwerken unterhalb der echten M-Modelle wirklich mit der knüppeligen Härte übertrieben habe.
Nach dem Facelift fährt auch der 3er mit einem kurvigen Breitbildschirm vor. Grafisch toll aufbereitet, aber an die Menüführung muss man sich gewöhnen.
Bild: Ronald Sassen / AUTO BILD
Man hat in der Fahrwerksentwicklung unseren Appell anscheinend gehört, denn nun fällt beziehungsweise "hoppelt" der Unterbau nicht mehr aus dem Rahmen. Ganz im Gegenteil sogar: Im Comfortmodus wirkt der AMG sogar eine Nuance vorgespannter, was jedoch gerade auf langen Wellen für ein verbindlicheres Gefühl im sonst recht lümmelig entkoppelten Schwaben sorgt.
Lümmelig sehen die im Paket 2559 Euro teuren Sportsitze zwar nicht aus, genau das sind sie aber. Sie umschmeicheln den Fahrer nahezu perfekt, die integrierte Kopfstütze stört nur mit Helm. Gleichzeitig stützen sie den Piloten in schnellen Kurven formidabel. Gerade weil der BMW hier mit dem Basissitz antanzt, der deutlich an Seitenhalt vermissen lässt, arbeitet sich der Daimler in dieser Kategorie einen kleinen Vorsprung heraus.
Trotz weniger Leistung sprintet der Reihensechser dem AMG-Vierzylinder davon.
Bild: Ronald Sassen / AUTO BILD
Was die Fahrleistungen angeht, versteht es dagegen der BMW besonders gut, seine fehlenden Pferde zu kaschieren. Mit 4,3 Sekunden performt er nicht nur unter der Werksangabe, sondern nimmt dem nominell stärkeren C 43 eine Zehntel ab. Auf Richtgeschwindigkeit sind es schon deren drei, bis Tempo 200 acht Zehntel. Auch obenraus kann sich der Mercedes also keinen Vorteil erarbeiten.
M340i dominiert bei Elastizitätswerten
Die Elastizitätswerte dominiert der mit einer Fahrstufe weniger ausgestattete BMW sogar noch deutlicher, beim Bremsentest herrscht dagegen Gleichstand. 32,8 Meter mit warmer Anlage sind in beiden Fällen äußerst solide Werte. Und auch aus doppeltem Tempo gibt sich kein Kandidat eine Blöße.
Bleibt zum Schluss noch der Knauser-Wettstreit an der Säule: Auch hier liegt der BMW vorn, braucht 0,8 Liter weniger.
Fazit
von
AUTO BILD
Es muss nicht immer Vollfettstufe sein: Auch M340i und AMG C 43 machen richtig Laune, wenn man sich mal austoben will. Zudem punkten sie mit deutlich besserer Alltagstauglichkeit als M3 und C 63.