Mit hartem metallischem Hämmern schießt der graue BMW M4 über die Start-und-Ziel-Linie. Dicht gefolgt von einem feuerroten Audi RS 5, der sich in einen herrlich bollernden Klangteppich hüllt. Was sich anhört wie ein Rennen der Deutschen Tourenwagen-Masters (DTM), ist ein fast ganz normaler Testtag von AUTO BILD auf dem Contidrom in Niedersachsen. Das Prestige-Duell BMW gegen Audi geht in eine neue Runde, in eine neue Dimension. Es geht um nichts Geringeres als die Frage: Wer baut das sportlichste Mittelklasse-Coupé im Land? Eine Frage der Ehre, beide Muskelprotze sind die in Blech gepresste Essenz der Marke, sportliche Speerspitzen, Imagegaranten am Stammtisch.

Der neue M4 setzt auf einen Turbomotor

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Video: BMW M4 vs. Audi RS 5

Neuer M4 im Vergleich

BMW hat seit dem Erscheinen des ersten M3 1986 einen Ruf zu verteidigen – dem Audi mit dem RS 5 gernein paar hässliche Beulen verpassen möchte. Kein Wunder also, dass BMW beim neuen M4 tief in die Trickkiste gegriffen hat. Optisch unterscheidet sich der M4 gar nicht so sehr von seinen zivilen Brüdern. Größere Lufteinlässe und Räder, eine kleine Abrisskante und vier gewaltige Auspuffrohre am Heck sind die auffälligsten Merkmale. Aber unterm Blech haben die Münchner kaum eine Schraube am Platz gelassen. Fahrwerk, Bremsen und Motor sind in weiten Teilen völlig neu konstruiert. Ein Aufwand, der sich schon beim Beschleunigen bemerkbar macht. Erstmals setzt BMW beim Klassiker auf einen aufgeladenen Motor. Das hat bei den Fans für Sinnkrisen gesorgt – aber wir können Entwarnung geben. Der 431 PS starke Reihensechser hat sich die feinen Manieren und den rauchigen Sound bewahrt, tritt nun aber viel kräftiger auf. In nüchternen Zahlen ausgedrückt, steht bereits bei niedrigen 1850 Umdrehungen das maximale Drehmoment von 550 Newtonmetern an.
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Deaktiviertes ESP macht den BMW zum Driftkönig

BMW M4
Finger weg vom ESP: Nur geübte Fahrer sollten die Deaktivierung der Stabilitätskontrolle wagen.
Etwas zu nüchtern? Okay, dann versuchen wir es mal so: Stellen Sie sich den Schub eines startenden Jets vor, addieren Sie noch ein heftiges Kribbeln im Bauch und eine Armee von strammstehenden Härchen auf den Unterarmen dazu – ja, ungefähr so fühlt sich ein M4 in voller Fahrt an! Doch der BMW kann nicht nur schnell geradeaus. Sein wahres Talent spielt er in Kurven aus. Herrlich neutral, ohne großes Unter- oder Übersteuern, pfeilt der BMW um den Kurs. Unspektakulär, aber sauschnell, wie unsere Rundenzeit von 1:34,41 Minuten auf dem Contidrom zeigt. Nur mal zum Vergleich: Ein Vollblut-Sportwagen wie der Porsche 911 ist nur wenige Zehntel schneller. Welch ein Ritterschlag für den BMW. Endgültig zur Spaßgranate wird der M4 aber, wenn das ESP deaktiviert wird. Schon beim kleinsten Zucken im Gasfuß wird das Heck nun federleicht, der M4 driftet spielerisch ums Eck und radiert sein Gummi auf den Asphalt. Ich rauche gern! Ist es nicht herrlich, dass sich ein Hersteller, der sich gerade zur Elektrokompetenz im Lande aufschwingt , ein solch politisch unkorrektes Auto leistet? Nur sollte man es mit dem Rauchen nicht übertreiben, denn schon nach wenigen Kurven lösen sich die Hinterreifen auf wie Eis in der Sonne. Bei Preisen um die 2000 Euro pro Satz kein ganz billiges Vergnügen.

Auf der Rennstrecke ist der RS 5 deutlich unterlegen

Audi RS 5
Kopflastig: 60 Prozent des Gewichts lasten auf der Vorderachse – schlecht für die Rennstrecke.
Trotz ähnlicher Eckdaten bedient der 450 PS starke Audi eine ganz andere Spaß-Truppe. Schon die fast zu leichtgängige Lenkung zeigt, dass es Audi nicht ganz so ernst mit dem Sportgedanken nimmt. Zwar beschleunigt der stärkere Audi – auch dank seines Allradantriebs – in nur 4,2 Sekunden auf Tempo 100 (BMW: 4,5 Sek.), doch die Rennstrecke schmeckt dem RS 5 nicht wirklich. Der schwere Motor sitzt fett unter der Haube, knapp 60 Prozent des Fahrzeuggewichts lasten auf der Vorderachse. Die Folge ist ein heftiges Untersteuern, sobald es einen Hauch zu schnell um die Kurve geht. Ein kontrolliertes Übersteuern, also ein Drift, lässt sich auch bei ausgeschalteter Antischleuderhilfe nur äußerst schwer provozieren. Immerhin schiebt das Hinterachs-Sportdifferenzial den RS 5 gekonnt aus den Kurven – mehr konnte der hauseigene Tuner Quattro nicht aus dem Konzept machen. Am Ende bleibt die Stoppuhr auf dem 3800 Meter langen Kurs bei 1:36,53 Minuten stehen, also gut zwei Sekunden hinter dem BMW. Profis am Steuer und am Stammtisch wissen diese Unterschiede einzuschätzen. Aber seien wir ehrlich: Rennstreckentauglichkeit und Rundenzeiten mögen fürs Ego des Fahrers wichtig sein – im Alltag spielen andere Kriterien eine Rolle.
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Weitere Details zu den beiden Sportcoupés gibt es in der Bildergalerie. Den kompletten Artikel mit allen technischen Daten gibt es als Download im Online-Heftarchiv.

Fazit

von

Stefan Voswinkel
BMW ist mit dem M4 ein großer Wurf gelungen. Auf der Rennstrecke perfekt, im Alltag geschliffen – bei aller Perfektion nie langweilig. Der Audi kann da nicht mithalten, er ist in die Jahre gekommen. Für schnelle Rundenzeiten zu kopflastig, im Alltag zu hart. Aber ebenfalls ein ehrlicher Typ, der Riesenspaß macht.

Von

Stefan Voswinkel