Eines vorab: Dieser Vergleich wird kein knallhartes Faktengemetzel. Kein Schlagabtausch, der jedem Zehntel auf den Zahn fühlt. Und sicher auch keine Schlacht, die sich am Ende über reine Längs- und Querdynamik entscheidet. All das hätten wir mit den Festdachversionen von M4, C 63 S und 911 Carrera S gemacht, die fürs Bestzeit-Brezeln deutlich geeigneter sind als die jeweils offenen Offerten. Denn im Cabrio geht es um Klangfülle, Rückkopplung und Einbindung. Oder anders gesagt: um Genuss. Wohlwissend, dass selbiger nicht ganz ohne Reue bleibt.

Der BMW M4 trägt am schwersten am Cabrio-Dach

BMW M4 Cabrio Competition
Hat schwer zu tragen: Satte 225 Kilo bürdet das Blechdach dem M4 auf – das ist deutlich zu spüren.
Bild: Ronald Sassen / AUTO BILD
Frei nach dem Feiertagsprinzip, das ja auch ganz gern ein paar Spuren auf der Waage hinterlässt. Allen voran den BMW, dessen vollelektrischer Blechdach-Schlüpfer nicht weniger als 225 Kilo übers Chassis stülpt. 225 Kilo wohlgemerkt, die man bei jeder Bewegung seiner Witterungs-Mechanik spürt. Zumal der ganze Luxusspeck auch den Rest der Metamorphose befällt. Schon stilistisch übt sich das Cabrio ja in recht deutlicher Abgrenzung zum Coupé. Fahremotional jedoch könnte es fast schon dessen Negativ sein. Behäbig statt behände; mollig statt munter und auf eine sehr oberklassige Weise sehr gesetzt. Schon klar, das muss man nicht zwangsläufig schlecht finden; schließlich bekommt BMW die gediegene Aufmachung auch stimmig hin. Nur stellt sich gleichzeitig eben auch die Frage, ob man so etwas dann unbedingt zum M4 befördern muss.
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Für mächtigen Vortrieb sorgt im Mercedes ein großer V8

Mercedes-AMG C63 S Cabrio
Brachialer Beschleuniger: Im Bug des C 63 S arbeitet ein Biturbo-V8 mit 510 PS und 700 Nm Drehmoment.
Bild: Ronald Sassen / AUTO BILD
Immerhin: Wie bei Limousine und Coupé lässt sich nun auch im offenen M4 weiter an der Dynamikschraube drehen. Eine kleine Leistungsspritze von 431 auf 450 PS,  dazu geschmiedete 20-Zöller mit breiterer Mischbereifung, neue Kennlinien für Adaptivfahrwerk, aktive Hinterachssperre und DSC-Sensorik, kredenzt mit etwas mehr Klangfärbung aus der Sportabgasanlage und schwarzen Ziertupfern rundum. Das Ganze nennt sich Competition Paket und kostet im Cabrio sogar "nur" 6400 anstelle der sonst üblichen 7300 Euro. Grund? Die Sportsitze, die aufgrund der am Sitz angeschlagenen Gurte im Cabrio nicht einsetzbar sind. Derlei Zugeständnisse ans Offen-fahren fordert der AMG nicht. Okay, das vollelektrische Stoffmützerl geht auch bei ihm mit gut 130 Kilo Mehrgewicht einher, nur lässt er sich selbiges eben längst nicht so anmerken wie der BMW. Weder sportlich noch charakterlich.Das mag zum einen am Biturbo-V8 liegen, dessen 700 Newtonmeter die kleinen Speckröllchen deutlich souveräner aus dem Fahrgefühl herausbügeln; zum anderen aber auch daran, dass er im Gegensatz zum BMW schon von Haus aus eher wuchtig als filigran fährt. Die satte Straßenlage, die straffe Dämpfung, dazu eine fein ausbalancierte Lenkung und über all dem dieses omnipräsente Schubmassiv, das mit seinem rhythmischen Brodeln zur Drehzahlmitte ein fast schon jachtiges Flair versprüht. All das leidet weitaus weniger unter den Zusatz- Pfunden als die sehnige Athletik des BMW.
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Den größten Fahrspaß findet man im 911 Cabrio

Porsche 911 Carrera S Cabrio
Klar in Führung: In Sachen Fahrdynamik hängt der vergleichsweise schlanke Porsche M4 und C 63 S ab.
Bild: Ronald Sassen / AUTO BILD
Am Ende ist es dennoch der Porsche, der den vermeintlichen Widerspruch aus kalorienreduziert und vollmundig am besten vereint. Nicht nur, dass sein Magnesium-Stoff-Konstrukt mit vergleichsweise schmalen 90 Kilo einhergeht; nein, es funktioniert auch noch überzeugender als die Schwenkkörper von BMW und Mercedes. Es bewegt sich mit Abstand am schnellsten, raubt am wenigsten Platz, dämmt in geschlossener Stellung fast auf Mercedes-Niveau und schält sich zum luftigsten Fahrerlebnis überhaupt auf. Mag sein, dass der Benz so etwas wie die Sportjacht unter den rollenden Sonnendächern ist. Doch dann muss der Porsche hier eigentlich eines dieser schlanken Highspeed-Boote sein. Eines, aus dem man noch mit der Hand durchs Wasser streichen kann, solange die Außenborder nicht gerade mit Highspeed übers Wasser peitschen.
Das Schöne daran: Man kann gezielt wählen, in welcher Dosierung die Frischluft gereicht werden soll. Sanft entgegengefächert, wenn Biturbo-Boxer und Doppelkupplungsgetriebe das Lehrbuch der hohen Gänge entlangbeten, während Fahrwerk und Lenkung ein geschmeidiges Bündnis zum Kurvenkuscheln eingehen. Oder eben frontal in die Stirnhöhlen, wenn der gesamte Bewegungsapparat kurzerhand die Hurrikansaison einläutet.
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