Ein Sportwagen soll das sein. Betont BMW! Okay, man kann über alles reden. Auch über diesen M850i, der fast zwei Tonnen wiegt, randvoll ist mit Technik, die ihn agil, sicher und schnell macht. Aber ein Sportwagen? Dann fliegt am Straßenrand das Verkehrszeichen Nummer 282 vorbei. Fünf schwarze, schräge Streifen auf weißem Grund, das liebste Schild: freie Fahrt. Der rechte Fuß fällt aufs Pedal. Der Achtzylinder springt so blitzartig an, als hätte er keine Turbos. Bollert mit einer Urgewalt, dass der Digitaltacho Zehnersprünge macht.

In Sachen Längsdynamik ist das Gewicht kein Problem

BMW M850i
Kraftpaket: Mit 530 PS und 750 Nm geht der zwei Tonnen schwere 8er in 3,7 Sekunden auf Tempo 100.
Wenn 530 PS die Mundwinkel nach hinten ziehen, verfliegen auch alle dummen Fragen nach Sportwagen, bis auf diese eine vermutlich: Wie weit könnte der Spaß gehen, hätte BMW nicht bei Tacho 260 das elektronische Fallbeil angesetzt? Willkommen im neuen Achter, dem Nachfolger des 6er, den BMW weltweit noch 140.000-mal verkauft hat. Damals. Heute kriegt so ein Luxus-Coupé viel mehr Konkurrenz durch SUVs oder Stromer. Da muss der Zweitürer alles aufbieten, um seine Nische zu verteidigen: mehr Drama im Design, den höher gelegten Namen und mehr Leistung. 530 PS (statt 462 PS) reißen den Brocken in bestätigten 3,7 Sekunden ans Landstraßen-Limit und ganz nahe an den BMW M5 und den künftigen M8 mit ihren 600 PS. Dazu wählt die Einrichtung einen geschickten Mix aus loungigen Ledersesseln, verschwenderischer Breite (zumindest vorne) und elektronischem Kommandostand im modernsten Stil. Hinten warten Notsitze; eher eine Reserve bei nur 420 Liter Kofferraum.

Bei der Bedienung geht jetzt nicht mehr alles glatt

BMW M850i
Das iDrive bleibt, aber die Menüs sind verschachtelter, der Drehzahlmesser ist unpraktisch gezeichnet.
Bei der Bedienung gehörte BMW immer zu den Schnellsten. Der dicke Dreh-Drück-Knubbel ist wieder da, aber mit mehr Menüs und Unterpunkten. BMW nennt es Stand 7.0. Simpler wurde das System nicht. So verdeckt die Hand jetzt die Fahrstufen-Anzeige, die früher auf dem Wählhebel leuchtete. Und dass der eckige Drehzahlmesser gegen den Uhrzeigersinn läuft, macht das Ablesen sperriger. Man sieht schon schlecht genug aus der tiefen Coupé-Höhle, Parkhäuser sind ein Schrecken. Werbung für jedes SUV. Denen will der BMW dynamisch davonziehen. Das gelingt ihm mühelos. Allrad und die tolle Automatik bringen mächtige 750 Nm Drehmoment (fast) verlustfrei auf den Asphalt. Die DSC-Leuchte blinkt trotzdem manchmal. Der M850i verfügt serienmäßig über Sportdifferenzial, 20-Zoll-Räder mit eigens entwickelten Bridgestone-Reifen und adaptives Fahrwerk, das dem ganzen Pfeffer noch genug Komfort-Zucker beimischt. Ein klassisches Reiseauto, ganz GT. Bravo!

Die Lenkung zeigt markenuntypische Präzisionsschwächen

BMW M850i
Integrallenkung plus Wankstabilisierung lassen in schnellen Kurven keinen sauberen Strich gelingen.
Dass die Integral-Lenkung in langsamen Kehren das Heck herumwirft und auf der Autobahn stabilisieren soll – praktisch, aber nicht nötig. Doch dann kommt im Testwagen die Wankstabilisierung (kostet 2650 Euro) dazu. Und schon klingen im Technik-Orchester erste Misstöne an. In schnellen Kurven schaffst du keinen sauberen Strich, immer wieder müssen die Hände den Kurs korrigieren. Auch auf der Autobahn, wo das Dickschiff gern aus dem Ruder läuft, als führte das Auto unter dir ein störrisches Eigenleben. Hey, BMW: Die glasklare, präzise Lenkung gehört doch zu eurer Marken-DNA. Und zu einem Sportwagen. So spielt der M850i entweder den schickeren Bruder des praktischen M5 oder den Overkill-Kreuzer zwischen dem komfortablen Mercedes S 560 Coupé (131.929 Euro) und dem sportlicheren Porsche 911 GTS (137.303 Euro). Ob es diese Nische wirklich gibt?

Fazit

von

Joachim Staat
Beeindrucken kann der 850i mit dem Motor und einer Fülle an Technik, die das Fahrvergnügen steigert. Das Coupé will Luxuskunden auf der ganzen Welt gefallen - dabei ging der Glamour eines echten Traumwagens verloren.

Von

Berend Sanders
Joachim Staat