Das kann ja was werden im Cruiser- und Touring-Segment. BMW Motorrad schickt ab September 2021 die neuen Modelle R 18 Transcontinental und R 18 B auf die Reise. Batwing-Verkleidung, stromlinienförmige Koffer, Sitzlandschaft, riesiger Tank (24 l), vollflächiges Cockpit mit tabletgroßem Display (10,25 Zoll). Wie das Sechszylinder-Duo BMW K 1600 Grand America und K 1600 B zielen beide in erster Linie auf den US-Markt.

Keine BMW ist länger oder schwerer

BMW R 18 Transcontinental
Big, bigger, BMW: Die R 18 Transcontinental streckt sich auf 2,64 Meter – 20 Zentimeter mehr als die R 18.
Dort lieben sie diese richtig dicken Dinger. Und das sind die neuen R-18-Modelle in jeder Hinsicht – im Vergleich mit dem Wettbewerb und auch hausintern. Nehmen wir nur mal die bloßen Abmessungen: Keine BMW ist länger oder schwerer. Selbst die Wettbewerbs-Dickschiffe von Harley-Davidson oder Indian kommen hier nicht hinterher. Einzig die Indian Roadmaster überragt auf dem Papier die Transcontinental um 16 Millimeter. Geschenkt. Das bayerische Flaggschiff streckt sich auf 2,64 Meter – 20 Zentimeter mehr als die R 18. Die Bagger misst 2,56 Meter. Durch die steiler stehende Gabel verkürzt sich der Radstand gegenüber der R 18 von 1731 auf 1695 mm. "Unser Ziel war es, den bestmöglichen Kompromiss zu finden zwischen Fahrstabilität und Handlichkeit", erklärt Josef Miritsch, Leiter Baureihe Boxer (Luft).
"Wir haben unter anderem den Versatz der Gabelbeine zum Lenkkopf negativ gewählt, dadurch verlängert sich der Nachlauf." Und zahlt in die Fahrstabilität ein. Bei Bagger und Transcontinental beträgt er 183,5 mm (R 18: 150 mm), der Lenkkopfwinkel erhöht sich auf 62,7° (R 18: 57,3°). Der Gabelrohrdurchmesser bleibt gleich (49 mm). Den oberen Teil der Gabelhülsen schenkt sich BMW Motorrad. "Den Bereich verdeckt die Verkleidung", sagt Miritsch.

Sicherer Stand trotz 110-Kilo-Motor

BMW R 18 B
Altbewährtes und Neues: die R 18 B mit 91 PS starkem "Big Boxer"-Motor und Vollintegral-ABS.
Noch ein paar Zahlen: Das 16-Zoll-Hinterrad bekommt 30 mm mehr Federweg, macht jetzt hinten wie vorn 120 mm. Die Sitzhöhe beträgt segmenttypisch moderate 740 mm bei der Transcontinental und 720 mm bei der R 18 B. Zum Vergleich: Die R 18 lässt ihren Fahrer auf 690 mm durch Raum und Zeit gleiten, die Classic auf 710 mm. Sicherer Stand ist also garantiert – und bitter nötig bei der Masse an Motorrad. Mehr als 110 Kilo wiegt allein der Motor.

"Big Boxer" sorgt weiter für Durchzug

Der bekannte "Big Boxer" leistet unverändert 91 PS und reicht mächtige 158 Nm an die glanzvernickelte Kardanwelle weiter. Von 2000 bis 4000 Touren liegen jederzeit mehr als 150 Nm Drehmoment an. Das verspricht laut BMW Motorrad "urwüchsige Durchzugskraft und geht einher mit sattem Sound". 95 dB(A) Standgeräusch und 80 dB(A) Fahrgeräusch liegen voll im Rahmen. Die sonor boxelnden Geschwister machen es vor. Im Gegensatz zu denen bekommen Transcontinental und R 18 B ein Vollintegral-ABS. Bedeutet: Egal ob nur die Vorder- oder die Hinterradbremse betätigt wird, die Bremszangen greifen sich immer alle drei 300er-Bremsscheiben. Das zahlt in Sicherheit, Komfort und die "Easy Handling"-Maxime der R-18-Familie ein. Gleiches gilt für den automatischen Beladungsausgleich hinten per Stellmotor und Hydraulik.

Elektronisches Superhirn IMU

BMW R 18 Transcontinental
Boxer-Topping: schwer verchromte Stiefelablage für Cruiser-Haxen.
Alle anfallenden sensorischen Informationen verwaltet eine sechsachsige Messeinheit (IMU). Das elektronische Superhirn koordiniert unter anderem beim Fahren mit Sozius die automatische Anpassung des Voll-LED-Scheinwerfers und orchestriert das Zusammenspiel der Assistenzsysteme. Serienmäßig an Bord sind die automatische Stabilitätskontrolle ASC und die so klangvollen wie bereits bekannten Fahrmodi Rain, Rock und Roll. Die Motor-Schleppmoment-Regelung (MSR) verhindert das Rutschen des Hinterrads durch abruptes Gaswegnehmen oder Zurückschalten.

Boxen-Lieferant Marshall passt zu Fahrmodi

Fürs Hochschalten hat die R 18 Trancontinental serienmäßig eine stufenlos einstellbare Schaltwippe, die oberhalb des linken Trittbretts sitzt. Gegen Aufpreis gibt es beides auch für den Bagger. Das gilt auch für die Sitzheizung. Heizgriffe haben beide ab Werk Berlin an Bord, ebenso Keyless Ride für schlüsselloses Starten, Tempomat (Regelbereich 15 bis 180 km/h) und zwei 25-Watt-Boxen von Gitarrenspezialist Marshall. "Die Marke passt perfekt zu unseren Fahrmodi Rock und Roll", scherzt Miritsch.

Top-Sound und reichlich Zuladung

BMW R 18 Transcontinental
Schaltzentrale: vier Rundinstrumente und das TFT-Farbdisplay mit gehärtetem Deckglas.
BMW Motorrad verspricht "ein begeisterndes Klangerlebnis", im Falle der beiden optionalen Soundsysteme sogar ein "besonders intensives". Mit der Marshall Gold Serie Stage 1 gibt es zusätzlich zwei 90-Watt-Subwoofer im vorderen Teil der Seitenkoffer und einen Verstärker mit 180 Watt. Stage 2 mit den Boxen 5 und 6 in der Rückenlehne bleibt der Transcontinental vorbehalten. 48 Liter Gepäck (47 l mit Boxen) schluckt das Topcase. Die demontierbaren Koffer fassen 27 Liter (26,5 l). 203 Kilo respektive 232 Kilo (R 18 B) beträgt die maximale Zuladung. Zu den technischen Highlights neben dem aus der BMW R 1250 RT bekannten Abstandsradarsystem ACC (30 bis 160 km/h) zählt das adaptive Kurvenlicht mit Schwenkmodul. Bis zur maximalen Schräglage von 35 Grad (R 18: 31 Grad) soll es die Kurve besonders breit und homogen ausleuchten. Beste Sicht auf Navigationshinweise verspricht das TFT-Farbdisplay mit Full-HD-Auflösung (1920 x 720 Pixel). Es sitzt direkt unterhalb der analogen (!) Rundinstrumente. Die "Full Screen"-Ansicht zeigt bildschirmfüllend die Navikarte. "Split Screen" lässt daneben noch Platz für Tempo, Drehzahl, Grundfunktionen und Menü.

Abgeregelte 180 km/h und 6-Sekunden-Sprint

Titel AUTO BILD Motorrad 02-2021
AUTO BILD Motorrad 2, ab 30. Juli 2021 im Handel
Bleiben die Fahrleistungen. Bei 180 km/h regeln Transcontinental und R 18 B elektronisch ab – ganz dem "American Way of Driving" folgend. Hinter den unterschiedlich großen Verkleidungen soll es dabei sehr windgeschützt zugehen. Von 0 auf 100 km/h beschleunigen die Bikes im Streamlining-Stil laut Hersteller in 6,0 und 5,5 Sekunden (R 18 B). Aber mal ehrlich: Spielt das hier eine Rolle? (Diese und andere spannende Bikes finden Sie in der neuen AUTO BILD MOTORRAD, ab 30. Juli 2021 im Handel; direkt zur Bestellung)

Fazit

von

Ralf Bielefeldt
Da weiß man, was man hat. Alte Werbe-Binse, klar, trifft hier aber voll zu. Der BMW Big Boxer ist ein faszinierender Motor. Und passt wie diese beiden Maschinen perfekt in die Schwergewichtsklasse der Reise- und Poserbikes.

Von

Ralf Bielefeldt