(dpa/sb) Der Streit um die Verträglichkeit von E10 wurde ausgerechnet durch die Aussagen eines BMW-Ingenieurs angeheizt. Die WELT am SONNTAG (6. März 2011) zitierte Thomas Brüner, den Chef der BMW-Mechanikentwicklung: Brüner halte es für möglich, dass der höhere Ethanolgehalt des E10-Sprits häufigere Ölwechsel nötig machen könnte. Doch BMW ruderte rasch zurück – Brüner habe sich grundsätzlich über die Spritqualität vor allem außerhalb Europas geäußert. Der Einsatz von E10 in Deutschland sei dagegen völlig unbedenklich, betonte ein Sprecher des Konzerns. Grundsätzlich sei in allen BMW-Pkw-Modellen sämtlicher Baujahre der unbedenkliche Einsatz von E10-Kraftstoffen möglich. Einige wenige ältere BMW-Fahrzeuge benötigten aus Gründen der Klopffestigkeit den Kraftstoff Super Plus ROZ 98. Diese eigneten sich daher unabhängig vom Ethanolgehalt nicht für Superkraftstoff. Eine entsprechende Aufstellung habe der ADAC am 1. März veröffentlicht.

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Angesichts der Verwirrung um die Verträglichkeit des neuen Bio-Kraftstoffs E10 fordert die Mineralölwirtschaft unterdessen die Abschaffung der Strafzahlung bei Nichterfüllung der Bio-Quote. "Niemand darf dafür bestraft werden, dass Autos kein E10 vertragen und deshalb die Bio-Quote einfach nicht erfüllt werden kann", sagte Klaus Picard, Chef des Mineralölwirtschaftsverbandes, der BILD-Zeitung am Montag (7. März 2010). Die FDP plädiert für die Verschiebung der E10-Einführung um einige Monate. Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) hält dagegen an der Tauglichkeit des Bio-Sprits fest. "Fast alle Autos vertragen das neue Benzin", sagte er der "Saarbrücker Zeitung". Außerdem habe die Bundesregierung dafür gesorgt, "dass die rund sieben Prozent älteren Modelle, die es nicht vertragen, unbefristet weiter das alte E5 tanken können", betonte Röttgen. Beim Benzin-Gipfel am Dienstag (8. März 2011) gehe es darum, "die Verunsicherung beim Verbraucher gemeinsam abzubauen".

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Auch nach Ansicht des FDP-Verkehrspolitikers Patrick Döring müssen die Verbraucher beim Thema E10 zunächst "Klarheit und Sicherheit bekommen". Er sprach sich im Berliner "Tagesspiegel" deshalb dafür aus, die Einführung des Kraftstoffs um einige Monate zu verschieben. Dann würden die Menschen den neuen Kraftstoff auch kaufen. "Auf ein paar Monate mehr oder weniger" komme es beim Verkaufsstart des mit zehn Prozent Ethanol aus Weizen, Zuckerrüben und Mais versetzten Biosprits nicht an, argumentierte Döring. Die Grünen forderten Röttgen auf, Konsequenzen zu ziehen: "Es geht nicht nur um eine katastrophale Informationspanne der Bundesregierung, sondern es geht auch darum, dass das E-10-Konzept der Bundesregierung gescheitert ist", sagte Grünen-Parteichef Cem Özdemir der "Rheinischen Post" am Montag. Er bedauerte, dass der nötige Beitrag des Verkehrs zum Klimaschutz nun ausfalle. E10 sei eine unausgegorene Antwort gewesen.