BMW X1 xDrive23i: Zugfahrzeugtest
Wie gut zieht der X1 als Mildhybrid?
Auch BMW hat den Spaß am Diesel verloren, verkauft ihn nur noch ungern. Ist der neue X1 als Mildhybrid 23i wirklich eine taugliche Alternative für Gespannfahrer?
Bild: AUTO BILD
- Thomas Rönnberg
Entscheidend ist, was hinten rauskommt. Dieses Zitat hatte Helmut Kohl zwar damals nicht so gemeint; aber es passt auf die gegenwärtige Zielsetzung bei der Auto-Entwicklung. Egal ob Kleinwagen, Limousine, Kombi oder SUV: An allen Fronten kämpfen die Techniker, um da und dort nochmals ein bisschen am Normverbrauch zu drehen – und damit die CO2-Menge zu reduzieren, die hinten aus dem Auspuff kommt.
Einer der Tricks: der Mildhybrid. Ein kleiner E-Motor ermöglicht, den Verbrenner häufiger stillzusetzen, wenn er nicht gebraucht wird. Das spart Sprit – auch und vor allem im WLTP-Messzyklus, der viel simulierten Stadtverkehr und damit viel Stillstandszeit enthält.
Hört sich gut an, bringt aber natürlich wenig, wenn kaum oder gar kein Stillstand auftritt: etwa auf Autobahn- oder Überlandfahrt; oder bei hohem Kraftbedarf, etwa im Anhängerbetrieb. Genau dafür haben wir den X1 xDrive23i eingesetzt, der in der Basisausstattung der günstigste Benziner mit Allradantrieb ist.

Jemand zu Hause? Ja, an Kraft fehlt es dem mildhybridisierten Benziner nicht, an Sparsamkeit bei hoher Last schon.
Bild: Erwin Fleischmann / AUTO BILD
Der vergleichbare Diesel namens xDrive23d kostet 440 Euro mehr; darunter gäbe es noch den xDrive20d mit 163 PS für 48.450 Euro, der auch zwei Tonnen ziehen darf, und kurioserweise den Plug-in-Hybrid xDrive23e, der für 49.100 Euro insgesamt 245 PS bietet, aber nur 1,7 Tonnen schleppen kann. Also ist für Diesel-Verächter der Mildhybrid-Benziner doch die bessere Wahl, wenn man etwas Reserven am Haken braucht.
Zusatzkraft hilft wenig im Anhängerbetrieb
Die 19 PS und 55 Nm des kleinen elektrischen "Flautenschiebers" spürt der sensible Fahrer im Solo-X1 in Form einer leichten Anschubhilfe; deutlicher ist der komfortsteigernde Effekt durch das geschmeidige Wiederanlaufen des Benziners, wenn er an der Ampel automatisch stillgesetzt wurde. Im Anhängerbetrieb spielt die milde Zusatzkraft keine große Rolle, hier bemerkt man dennoch einen leicht verzögerten Krafteinsatz beim Tritt aufs Pedal.
Zwar fährt das BMW-Gespann auch an Steigungen jenseits der üblichen Zwölf-Prozent-Normsteigung mit zwei Tonnen am Haken zuverlässig an, aber das fühlt sich nicht souverän, sondern eher bemüht an. Man spürt, dass sich der Motor ordentlich ins Zeug legen muss – und auch von der bisweilen ruppigen Doppelkupplungsautomatik keine optimale Unterstützung erhält.

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Die effektiven Gespann-Fahrleistungen sind freilich dennoch beachtlich: Der Erzrivale Mercedes GLB 250 mit 224 PS kann weder bei der Beschleunigung noch beim Zwischenspurt von 60 auf 80 km/h folgen.
Sparmeister ist der X1 23i nicht
Allerdings kommt die Kraft auch beim Mildhybrid aus dem Kraftstoff. Ein Sparmeister ist der X1 23i nicht. Gut 14 l/100 km nahm er sich auf unserer Gespann-Messrunde; dabei schlug vor allem der bergige erste Teil stark zu Buche – da flossen knapp 18 Liter durch die Düsen. Im zweiten Teil mit viel Konstantfahrt auf Autobahn und Bundesstraßen gab er sich mit gut elf Litern richtig genügsam.
Technische Daten | BMW X1 xDrive23i |
|---|---|
Motor Bauart/Zylinder | Vierzylinder, Turbo, Mildhybrid, vorn quer |
Hubraum | 1998 cm3 |
Leistung bei 1/min | 150 kW (204 PS) bei 5000 + 14 kW (19 PS) |
Drehmoment bei 1/min | 320 Nm bei 1500– 4000/min + 55 Nm |
Getriebe | Siebengang-Doppelkupplungsautomatik |
Allradantrieb | Allrad semiperm.; Lamellenkupplung f. HA; el. Schlupfreg. v. u. h. |
Radaufhängung | Einzelrad, Schraubenfedern v. u. h. |
Reifengröße | 225/55 R 18 |
L/B/H | 4500/1845/1642 mm |
Radstand/Bodenfreiheit | 2692 mm/205 mm |
Wendekreis | 11,7 m |
Ladevolumen | 500–1545 l |
Leergewicht/Zuladung | 1775/445 kg |
Preis | 51.360 EURO |
Das liegt auch an der Abstimmung der Siebengang-Doppelkupplungsautomatik, die BMW jetzt auch bei den Allradversionen einsetzt. Die versucht bei häufig wechselnder Last Schaltvorgänge zu sparen, indem sie gleich den kleineren Gang drin lässt. Das steigert insgesamt das Drehzahlniveau – und damit unweigerlich den Verbrauch. Auf Strecke klappt das besser; da bleiben die Drehzahlen moderat, obwohl auch auf der Autobahn kaum jemals der lange siebte Gang eingelegt wird.

Das Fahrverhalten mit Anhänger ist sicher, die Fahrleistungen sind beachtlich. Aber mit Anhänger verliert der Turbobenziner seine Sparsamkeit.
Bild: Erwin Fleischmann / AUTO BILD
Das Fahrverhalten ist sicher, das Gespann bleibt auch bei plötzlichen Ausweichmanövern stabil, ohne dass das Anhänger-ESP eingreifen müsste. Auf schlechter Fahrbahn rüttelt der Anhänger am Heck. Im Übrigen fühlt sich das hinreichend straffe Normalfahrwerk präzise an und federt durchaus komfortabel. Ein Rückschritt, mit Anhänger wie ohne, ist die umständliche Touch-Bedienung. Daran ändert auch die gerade bei der Navigationsziel-Eingabe oft erstaunlich begriffsstutzige Sprachbedienung nichts.
Markentypisch durchdacht ist die Anhängerausrüstung des BMW X1. Die elektrisch ausfahrende Anhängerkupplung ist mustergültig, Rückspiegel und Heckkamera praxisgerecht – und ungeübte Fahrer werden sich vielleicht auch über den neuen Anhänger-Rangierassistenten freuen.
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