BMW X3 20d xDrive, Mercedes GLC 220 d 4Matic: SUV im Test
Duell der edlen Diesel-SUV: Kann der neue X3 den GLC schlagen?

Teuer, aber verdammt angenehm: Wer BMW X3 oder Mercedes GLC kauft, fährt ab sofort Business-Class. Kann der gerade frisch aufgelegte Bayer die Krone ergattern?
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
SUV fordern Kompromisse – das war zumindest früher mal so. Und heute? Siehe BMW X3 und Mercedes GLC: über 4,70 Meter lang, rund zwei Tonnen schwer und mit der Fähigkeit versehen, weitere 2,5 Tonnen an den Haken zu nehmen.
Dazu Verbräuche von gut sechs Liter Diesel. Merke also: Ja, vielleicht können Kombis das nach wie vor einen Tick besser. Aber die Unterschiede sind minimal.
BMW-Innenraum wirkt etwas steril
Die Preise hingegen? Gar nicht minimal. Dafür bekommt man aber auch eine Menge. Im X3 betrifft das insbesondere den aufgeräumten, vielleicht etwas steril wirkenden Innenraum mit zwei großen Bildschirmen, iDrive-Controller (gäbe es hier Emojis, wir hätten einen Handschlag eingefügt) und einer imposanten Ambiente-Beleuchtung.

Nüchtern eingerichteter X3-Arbeitsplatz, dessen Bedienung über den nach wie vor vorhandenen iDrive-Drücker erleichtert wird.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Dazu beziehen die Bayern viele Oberflächen mit einer Art Stoff und haben die Lüftungssteuerung teilweise in die Türen ausgelagert. Das Platzangebot fällt in beiden großzügig aus, auch hinten sitzt man kommod, der Benz hat in beiden Reihen etwas die Nase vorn.
Fahrzeugdaten
Modell | BMW X3 20d xDrive | Mercedes GLC 220 d 4Matic |
|---|---|---|
Motor Bauart/Zylinder | Vierzylinder, Turbo, Mildhybrid | Vierzylinder, Turbo, Mildhybrid |
Einbaulage | vorn längs | vorn längs |
Ventile/Nockenwellen | 4 pro Zylinder/2 | 4 pro Zylinder/2 |
Nockenwellenantrieb | Kette | Kette |
Hubraum | 1995 cm³ | 1940 cm³ |
kW (PS) bei 1/min | 145 + 8 (197 + 11)/4000 | 145 + 17 (197 + 23)/3600 |
Nm bei 1/min | 400/1500 | 440/1800 |
Vmax | 215 km/h | 219 km/h |
Getriebe | Achtstufenautomatik | Neunstufenautomatik |
Antrieb | Allradantrieb | Allradantrieb |
Bremsen vorn/hinten | Scheiben/Scheiben | Scheiben/Scheiben |
Testwagenbereifung | v. 255/45 R 20, h. 285/40 R 20 Y XL | v. 235/55 R 19, h. 255/50 R 19 Y XL |
Reifentyp | Continental SportContact 7 | Bridgestone Turanza T005 Enliten MO-S |
Radgröße | v. 9 x 20", h. 10,5 x 20" | v. 8 x 19", h. 9 x 19" |
Abgas CO2 | 157 g/km | 147 g/km |
Verbrauch* | 6,0 l/100 km | 5,6 l/100 km |
Tankinhalt | 60 l | 62 l |
Kraftstoffsorte | Diesel | Diesel |
SCR-Kat/AdBlue-Tankinhalt | S/k. A. | S/24 l |
Vorbeifahrgeräusch | 65 dB(A) | 68 dB(A) |
Anhängelast gebr./ungebr. | 2500/750 kg | 2500/750 kg |
Stützlast | 100 kg | 100 kg |
Kofferraumvolumen | 570–1700 l | 620–1680 l |
Länge/Breite/Höhe | 4755/1920–2132**/1660 mm | 4716/1890–2075**/1640 mm |
Radstand | 2865 mm | 2888 mm |
Grundpreis | 61.900 Euro | 62.773 Euro |
Testwagenpreis (wird gewertet) | 69.730 Euro | 79.354 Euro |
Allerdings ist besonders der BMW mit 1,92 Metern ohne Spiegel sehr breit (Mercedes: 1,89 Meter) – was beim Aussteigen, etwa in engen Parkhäusern, unpraktisch sein kann. Gefallen hat uns dagegen das ausgesprochen geringe Geräuschniveau. Auf dem Papier herrscht hier zwar Gleichstand, aber der BMW-Selbstzünder läuft ruhiger und macht so in der Regel weniger auf sich aufmerksam.
Bei Mercedes wird sehr viel getoucht
Im GLC herrscht noch etwas mehr Bling-Bling. Die Ambiente-Beleuchtung lässt sich mehrfarbig und zonenweise genau einstellen, was Spielkram sein mag, aber in dieser Klasse geht's eben auch um Prestige. Dazu setzt Mercedes allgemein mehr auf glänzende Oberflächen. Die touchlastige Bedienung mag Anfänger überfordern, wer sich in der Daimler-Welt bereits auskennt, findet sich aber schnell zurecht.

Im GLC blitzt und funkelt es mehr als im X3, was teilweise zulasten der Bedienung geht – siehe Touch-Tasten am Lenkrad.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Zudem fühlt sich der Benz kompakter an, was auch mit seiner Allradlenkung zu tun hat. Gegenüber dem BMW spart er sich so rund einen Meter Wendekreis. Beide bieten kompetente Sprachsteuerungen und einigermaßen ausstaffierte App Stores. Im Benz lässt sich etwa Zoom herunterladen, im BMW zum Beispiel X (ehemals Twitter). Auch diverse Spiele befinden sich im Programm. Im Kofferraum hat mit aufrechter Bank der Mercedes, mit flacher Bank der BMW leicht die Nase vorn.
BMW-Diesel geht leiser zu Werke
Die Kernkompetenzen dieser beiden liegen aber sicherlich weiterhin auf der Straße. Trotz der lediglich zwei Liter großen Dieselmotoren kommt man sich in keinem von beiden untermotorisiert vor. Subjektiv wirkt der Antrieb des BMW noch etwas drehfreudiger, arbeitet zudem wie erwähnt leiser.

Leisetreter: Der Zweiliter-Diesel im X3 ist gut gedämmt und schön leise, und wirkt zudem etwas drehfreudiger als das Mercedes-Pendent.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Der Mercedes schaltet öfter, seine Wandlerautomatik stellt mit neun Stufen noch eine Fahrstufe mehr zur Verfügung als jene des BMW. Wobei in diesem – wie schon in anderen Modellen – immer noch die Fahrmodi irritieren. Die Bayern haben hier die Anzeigen auf den Displays, die Ambientebeleuchtung und die Fahreigenschaften in einen Topf geschmissen und einmal kräftig umgerührt. So erschließt sich nicht, warum ein "Personal" genannter Fahrmodus sich nicht individualisieren lässt, man dafür den Sport-Modus anpassen kann.
Messwerte
Modell | BMW X3 20d xDrive | Mercedes GLC 220 d 4Matic |
|---|---|---|
Beschleunigung | ||
0–50 km/h | 2,4 s | 2,6 s |
0–100 km/h | 7,4 s | 7,9 s |
0–130 km/h | 12,7 s | 13,2 s |
0–160 km/h | 21,6 s | 21,5 s |
0–180 km/h | 31,1 s | 30,9 s |
Zwischenspurt | ||
60–100 km/h | 4,2 s | 4,6 s |
80–120 km/h | 5,8 s | 5,7 s |
Leergewicht/Zuladung | 1923/612 kg | 2000/550 kg |
Gewichtsverteilung v./h. | 50/50 % | 53/47 % |
Wendekreis links/rechts | 11,8/12,0 m | 11,1/10,9 m |
Sitzhöhe | 700 mm | 690 mm |
Bremsweg | ||
aus 100 km/h kalt | 35,4 m | 35,4 m |
aus 100 km/h warm | 34,2 m | 34,6 m |
Innengeräusch | ||
bei 50 km/h | 56 dB(A) | 56 dB(A) |
bei 100 km/h | 63 dB(A) | 63 dB(A) |
bei 130 km/h | 67 dB(A) | 67 dB(A) |
Verbrauch | ||
Sparverbrauch | 4,5 l D/100 km | 4,8 l D/100 km |
Testverbrauch Durchschnitt der 155-km-Testrunde (Abweichung zur WLTP-Angabe) | 6,3 l D/100 km (+5 %) | 6,2 l D/100 km (+11 %) |
Sportverbrauch | 9,4 l D/100 km | 8,8 l D/100 km |
CO2 (Testverbrauch) | 167 g/km | 164 g/km |
Reichweite (Testverbrauch) | 952 km | 1030 km |
Objektiv macht der BMW dafür eine Menge richtig gut: Er beschleunigt mit seinen 197 PS schneller auf Tempo 100, bietet mit 612 Kilogramm die üppigere Zuladung, wirkt karosserieseitig enorm steif und animiert viel eher zum dynamischen Fahren als der Benz.
Mercedes ist schneller und sparsamer
Der lässt sich so leicht nicht in die Parade fahren. So liegt auch der Mercedes in vielen Disziplinen knapp vorn: Er läuft mit 219 km/h noch vier km/h schneller, holt bei höheren Tempi (0–180 km/h) den BMW schließlich ein. Dazu verbraucht er noch ein Zehntel weniger. Im Alltag sicher nicht von überragender Relevanz, am Stammtisch aber hilfreich. Und wie dicht beide zusammenliegen, zeigt, wie nah beide an der Grenze des technisch Machbaren fahren.

Auch wenn der GLC im Standardsprint noch knapp unterliegt, oben heraus schlägt er den X3. Und er verbraucht weniger als der BMW.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Ein deutlicherer Unterschied ist in der Fahrwerksauslegung des GLC zu finden. Trotz einer gewissen Verstellbarkeit, welche die Luftfederung des Benz bietet – die Grundauslegung erfolgte deutlich weicher als im X3. So schwingt der GLC im komfortabelsten Modus ordentlich nach, wirkt auch im gestrafften Sport-Modus noch etwas taumeliger als der Bayer.
Platzierung
Modell | BMW X3 20d xDrive | Mercedes GLC 220 d 4Matic |
|---|---|---|
Punkte* | 576 | 556 |
Platz | 1 | 2 |
Fazit | Solider Einstand mit tollem Motor und guter Vernetzung auf Niveau des Benz. Wuchtbrumme. | Wirkt kompakter und in der Stadt agiler, geht mehr auf Komfort. Gewinnt das Eigenschaftskapitel, verliert über den Preis. |
Dazu wurde die ESP-Abstimmung etwas konservativer gestaltet. Durch die Allradlenkung lässt sich auch das Ansprechen der Mercedes-Lenkung etwas verändern. Die Hinterräder lenken dann bereits etwas früher oder erst etwas später mit – ein Trick, den nur der Benz beherrscht. Beim Bremsen aus 100 km/h herrscht wieder annähernd Gleichstand: Werte von 34,2 bis 35,4 Metern dürfen im wahrsten Sinne des Wortes als standfest gelten.
Sein Preis kostet den GLC den Sieg
Thema Kosten: Wer diese zwei kauft, sollte nicht auf den Cent achten, so viel ist klar. Liegen GLC und X3 bei den Startpreisen noch beinahe gleichauf (X3: 61.900 Euro, GLC: 62.773 Euro), rollte der Mercedes mit AMG-Line-Premium-Paket zum Test, das viele Extras beinhaltet, allerdings auch über 9000 Euro Aufpreis kostet. Diese zusätzlichen Kosten sind es am Ende, die ihm die Bilanz verhageln. Auch muss er im Gegensatz zum BMW jährlich zur Wartung. In der Eigenschaftswertung noch drei Punkte vorn, muss er den Gesamtsieg so an den X3 abtreten.
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