SUV fordern Kompromisse – das war zumindest früher mal so. Und heute? Siehe BMW X3 und Mercedes GLC: über 4,70 Meter lang, rund zwei Tonnen schwer und mit der Fähigkeit versehen, weitere 2,5 Tonnen an den Haken zu nehmen.
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Dazu Verbräuche von gut sechs Liter Diesel. Merke also: Ja, vielleicht können Kombis das nach wie vor einen Tick besser. Aber die Unterschiede sind minimal.

BMW-Innenraum wirkt etwas steril

Die Preise hingegen? Gar nicht minimal. Dafür bekommt man aber auch eine Menge. Im X3 betrifft das insbesondere den aufgeräumten, vielleicht etwas steril wirkenden Innenraum mit zwei großen Bildschirmen, iDrive-Controller (gäbe es hier Emojis, wir hätten einen Handschlag eingefügt) und einer imposanten Ambiente-Beleuchtung.
BMW X3 20d xDrive
Nüchtern eingerichteter X3-Arbeitsplatz, dessen Bedienung über den nach wie vor vorhandenen iDrive-Drücker erleichtert wird.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Dazu beziehen die Bayern viele Oberflächen mit einer Art Stoff und haben die Lüftungssteuerung teilweise in die Türen ausgelagert. Das Platzangebot fällt in beiden großzügig aus, auch hinten sitzt man kommod, der Benz hat in beiden Reihen etwas die Nase vorn.

Fahrzeugdaten

Fahrzeugdaten
Motor Bauart/Zylinder 
Vierzylinder, Turbo, Mildhybrid 
Vierzylinder, Turbo, Mildhybrid 
Einbaulage 
vorn längs 
vorn längs 
Ventile/Nockenwellen 
4 pro Zylinder/2 
4 pro Zylinder/2 
Nockenwellenantrieb 
Kette 
Kette 
Hubraum 
1995 cm³ 
1940 cm³ 
kW (PS) bei 1/min
145 + 8 (197 + 11)/4000 
145 + 17 (197 + 23)/3600 
Nm bei 1/min
400/1500 
440/1800 
Vmax
215 km/h 
219 km/h 
Getriebe 
Achtstufenautomatik 
Neunstufenautomatik 
Antrieb 
Allradantrieb 
Allradantrieb 
Bremsen vorn/hinten 
Scheiben/Scheiben 
Scheiben/Scheiben 
Testwagenbereifung 
v. 255/45 R 20, h. 285/40 R 20 Y XL 
v. 235/55 R 19, h. 255/50 R 19 Y XL 
Reifentyp 
Continental SportContact 7 
Bridgestone Turanza T005 Enliten MO-S 
Radgröße 
v. 9 x 20", h. 10,5 x 20" 
v. 8 x 19", h. 9 x 19" 
Abgas CO2 
157 g/km 
147 g/km 
Verbrauch* 
6,0 l/100 km 
5,6 l/100 km 
Tankinhalt 
60 l 
62 l 
Kraftstoffsorte 
Diesel 
Diesel 
SCR-Kat/AdBlue-Tankinhalt 
S/k. A. 
S/24 l 
Vorbeifahrgeräusch 
65 dB(A) 
68 dB(A) 
Anhängelast gebr./ungebr. 
2500/750 kg 
2500/750 kg 
Stützlast 
100 kg 
100 kg 
Kofferraumvolumen 
570–1700 l 
620–1680 l 
Länge/Breite/Höhe 
4755/1920–2132**/1660 mm 
4716/1890–2075**/1640 mm 
Radstand 
2865 mm 
2888 mm 
Grundpreis
61.900 Euro
62.773 Euro
Testwagenpreis (wird gewertet)
69.730 Euro
79.354 Euro
Allerdings ist besonders der BMW mit 1,92 Metern ohne Spiegel sehr breit (Mercedes: 1,89 Meter) – was beim Aussteigen, etwa in engen Parkhäusern, unpraktisch sein kann. Gefallen hat uns dagegen das ausgesprochen geringe Geräuschniveau. Auf dem Papier herrscht hier zwar Gleichstand, aber der BMW-Selbstzünder läuft ruhiger und macht so in der Regel weniger auf sich aufmerksam.

Bei Mercedes wird sehr viel getoucht

Im GLC herrscht noch etwas mehr Bling-Bling. Die Ambiente-Beleuchtung lässt sich mehrfarbig und zonenweise genau einstellen, was Spielkram sein mag, aber in dieser Klasse geht's eben auch um Prestige. Dazu setzt Mercedes allgemein mehr auf glänzende Oberflächen. Die touchlastige Bedienung mag Anfänger überfordern, wer sich in der Daimler-Welt bereits auskennt, findet sich aber schnell zurecht.
Mercedes GLC 220 d 4Matic
Im GLC blitzt und funkelt es mehr als im X3, was teilweise zulasten der Bedienung geht – siehe Touch-Tasten am Lenkrad.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Zudem fühlt sich der Benz kompakter an, was auch mit seiner Allradlenkung zu tun hat. Gegenüber dem BMW spart er sich so rund einen Meter Wendekreis. Beide bieten kompetente Sprachsteuerungen und einigermaßen ausstaffierte App Stores. Im Benz lässt sich etwa Zoom herunterladen, im BMW zum Beispiel X (ehemals Twitter). Auch diverse Spiele befinden sich im Programm. Im Kofferraum hat mit aufrechter Bank der Mercedes, mit flacher Bank der BMW leicht die Nase vorn.

BMW-Diesel geht leiser zu Werke

Die Kernkompetenzen dieser beiden liegen aber sicherlich weiterhin auf der Straße. Trotz der lediglich zwei Liter großen Dieselmotoren kommt man sich in keinem von beiden untermotorisiert vor. Subjektiv wirkt der Antrieb des BMW noch etwas drehfreudiger, arbeitet zudem wie erwähnt leiser.
BMW X3 20d xDrive
Leisetreter: Der Zweiliter-Diesel im X3 ist gut gedämmt und schön leise, und wirkt zudem etwas drehfreudiger als das Mercedes-Pendent.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Der Mercedes schaltet öfter, seine Wandlerautomatik stellt mit neun Stufen noch eine Fahrstufe mehr zur Verfügung als jene des BMW. Wobei in diesem – wie schon in anderen Modellen – immer noch die Fahrmodi irritieren. Die Bayern haben hier die Anzeigen auf den Displays, die Ambientebeleuchtung und die Fahreigenschaften in einen Topf geschmissen und einmal kräftig umgerührt. So erschließt sich nicht, warum ein "Personal" genannter Fahrmodus sich nicht individualisieren lässt, man dafür den Sport-Modus anpassen kann.

Messwerte

Messwerte
Beschleunigung
0–50 km/h
2,4 s 
2,6 s 
0–100 km/h 
7,4 s 
7,9 s 
0–130 km/h 
12,7 s 
13,2 s 
0–160 km/h 
21,6 s 
21,5 s 
0–180 km/h 
31,1 s 
30,9 s 
Zwischenspurt
60–100 km/h
4,2 s 
4,6 s 
80–120 km/h 
5,8 s 
5,7 s 
Leergewicht/Zuladung 
1923/612 kg 
2000/550 kg 
Gewichtsverteilung v./h. 
50/50 % 
53/47 % 
Wendekreis links/rechts 
11,8/12,0 m 
11,1/10,9 m 
Sitzhöhe 
700 mm 
690 mm 
Bremsweg
aus 100 km/h kalt
35,4 m 
35,4 m 
aus 100 km/h warm 
34,2 m 
34,6 m 
Innengeräusch
bei 50 km/h
56 dB(A) 
56 dB(A) 
bei 100 km/h 
63 dB(A) 
63 dB(A) 
bei 130 km/h 
67 dB(A) 
67 dB(A) 
Verbrauch
Sparverbrauch 
4,5 l D/100 km 
4,8 l D/100 km 
Testverbrauch Durchschnitt der 155-km-Testrunde
(Abweichung zur WLTP-Angabe)
6,3 l D/100 km
(+5 %)
6,2 l D/100 km
(+11 %)
Sportverbrauch 
9,4 l D/100 km 
8,8 l D/100 km 
CO2 (Testverbrauch) 
167 g/km 
164 g/km 
Reichweite (Testverbrauch) 
952 km 
1030 km 
Objektiv macht der BMW dafür eine Menge richtig gut: Er beschleunigt mit seinen 197 PS schneller auf Tempo 100, bietet mit 612 Kilogramm die üppigere Zuladung, wirkt karosserieseitig enorm steif und animiert viel eher zum dynamischen Fahren als der Benz.

Mercedes ist schneller und sparsamer

Der lässt sich so leicht nicht in die Parade fahren. So liegt auch der Mercedes in vielen Disziplinen knapp vorn: Er läuft mit 219 km/h noch vier km/h schneller, holt bei höheren Tempi (0–180 km/h) den BMW schließlich ein. Dazu verbraucht er noch ein Zehntel weniger. Im Alltag sicher nicht von überragender Relevanz, am Stammtisch aber hilfreich. Und wie dicht beide zusammenliegen, zeigt, wie nah beide an der Grenze des technisch Machbaren fahren.
Mercedes GLC 220 d 4Matic
Auch wenn der GLC im Standardsprint noch knapp unterliegt, oben heraus schlägt er den X3. Und er verbraucht weniger als der BMW.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Ein deutlicherer Unterschied ist in der Fahrwerksauslegung des GLC zu finden. Trotz einer gewissen Verstellbarkeit, welche die Luftfederung des Benz bietet – die Grundauslegung erfolgte deutlich weicher als im X3. So schwingt der GLC im komfortabelsten Modus ordentlich nach, wirkt auch im gestrafften Sport-Modus noch etwas taumeliger als der Bayer.

Platzierung

Platzierung
Punkte*
576
556
Platz
1
2
Fazit
Solider Einstand mit tollem Motor und guter Vernetzung auf Niveau des Benz. Wuchtbrumme.
Wirkt kompakter und in der Stadt agiler, geht mehr auf Komfort. Gewinnt das Eigenschaftskapitel, verliert über den Preis.
Dazu wurde die ESP-Abstimmung etwas konservativer gestaltet. Durch die Allradlenkung lässt sich auch das Ansprechen der Mercedes-Lenkung etwas verändern. Die Hinterräder lenken dann bereits etwas früher oder erst etwas später mit – ein Trick, den nur der Benz beherrscht. Beim Bremsen aus 100 km/h herrscht wieder annähernd Gleichstand: Werte von 34,2 bis 35,4 Metern dürfen im wahrsten Sinne des Wortes als standfest gelten.

Sein Preis kostet den GLC den Sieg

Thema Kosten: Wer diese zwei kauft, sollte nicht auf den Cent achten, so viel ist klar. Liegen GLC und X3 bei den Startpreisen noch beinahe gleichauf (X3: 61.900 Euro, GLC: 62.773 Euro), rollte der Mercedes mit AMG-Line-Premium-Paket zum Test, das viele Extras beinhaltet, allerdings auch über 9000 Euro Aufpreis kostet. Diese zusätzlichen Kosten sind es am Ende, die ihm die Bilanz verhageln. Auch muss er im Gegensatz zum BMW jährlich zur Wartung. In der Eigenschaftswertung noch drei Punkte vorn, muss er den Gesamtsieg so an den X3 abtreten.

Bildergalerie

BMW X3 20d xDrive Mercedes GLC 220 d 4Matic
BMW X3 20d xDrive
Mercedes GLC 220 d 4Matic
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BMW X3 und Mercedes GLC im Test

Fazit

Am Ende verliert der GLC über den höheren Preis: Stolze 10.000 Euro kostet er im Test-Trimm mehr. In der Eigenschaftswertung geht es beinahe gleich aus. Der BMW fährt sich noch minimal spritziger und leiser, der Benz bleibt einen Hauch sparsamer. Ein Duell auf Top-Niveau.