Lass uns vernünftig sein – Gespräche, die so beginnen, enden nicht selten im absoluten Gegenteil. Finanziell, emotional oder auch automobil. Das muss kein Nachteil sein. Denken Sie mal an mutige Start-ups, leidenschaftliche Affären oder auch schräge Autos. Zum Beispiel den BMW X4 M40d. Das flotte Fließheck besitzt gegenüber einem X3 eigentlich nur Nachteile – außer natürlich dem Reiz des Besonderen. Und genau der führt dann eben dazu, dass Menschen für weniger Nutzwert mehr Geld ausgeben.

Die abfallende Dachlinie raubt Platz im Fond

BMW X4 M40d
Ob der X4 schön ist, bleibt Geschmacksache, richtig praktisch ist ein SUV-Coupé aber nicht unbedingt.

Mindestens 70.900 Euro kostet so ein X4 M40d. Genauso viel wie der Benziner M40i mit 354 PS, aber 2200 Euro mehr als die vergleichbaren X3. Ob der X4 durch seinen coupéhaften Dachabgang nun an Attraktivität gewinnt, überlassen wir dabei gern jedem selbst. Fest steht, dass die geduckte Karosserie neben weniger Platz im Fond und einem geringeren Kofferraumvolumen vor allem einen deutlich höheren Aufmerksamkeitswert bietet. Die Menschen drehen sich um und gucken. Das passiert dir beim X3 eher mal gar nicht. Richtig spektakulär wird es aber in diesem BMW erst, wenn wir fahren. Mit sonorem Brummen erwacht der Dreiliter-Reihensechser zum Leben und dreht die Regler sofort bis zum Anschlag auf. Statt Anfahrschwäche und Automatikruckeln kennt der M40d nur Alarmstart: In 4,6 Sekunden holzt der Bayern-Brenner die 100-km/h-Marke weg, 20 Sekunden glatt reichen für das doppelte Tempo – übermütige GTI sollten sich also nicht in den Weg stellen.

Der Bulle im Bug sorgt für Dampf in allen Lebenslagen

BMW X4 M40d
Schubstark: Der Dreiliter-Biturbo im Bug drückt den X4 M40d mit satten 680 Nm vehement nach vorne.
Dabei beeindruckt neben den Spurt-Talenten vor allem die Kraftentfaltung des Sechszylinders, der eben nicht nur 326 PS raushaut, sondern – noch wichtiger – schon bei 1750 Umdrehungen fette 680 Nm Drehmoment auf seine vier Räder loslässt. So schiebt der X4 einfach immer und überall unwiderstehlich an, lässt kein Leistungsloch erkennen, erledigt Überholen meist ohne Kickdown. Wer es doch mal braucht (oder einfach nur will), findet in der Hallo-wach-Automatik einen perfekten Partner. Blitzschnell drei Stufen runter, dann butterweich wieder rauf und zwischendurch immer mal entspannt gesegelt – ein besseres Räderwerk findest du nicht. Auch das Federwerk des Zwei-Tonnen-SUV gehört zum besten am Markt. Wegen der straffen Abstimmung des Sportfahrwerks kann der X4 beim Cruisen in der Stadt zwar nicht völlig ungerührt über Kanten und Absätze drüberbügeln, seine Grundhaltung bleibt aber gelassen. Lange wie auch kurze Wellen lässt das Sport-SUV souverän abtropfen, ohne die Haltung zu verlieren.

Alles am M40d ist auf hohe Dynamik ausgelegt

BMW X4 M40d
Mit einer präzisen Lenkung, giftigen Bremsen und viel Grip gibt der BMW den SUV-Sportler.
Innen bekommen wir davon wegen der bequemen Sitze so gut wie nichts mit. Nur der Geradeauslauf bei hohem Tempo, der könnte besser sein, auf Spurrillen verläuft sich der X4 schon mal. 20-Zoll-Räder sehen nicht nur gut aus. Sie verleihen dem M40d auch ein Handling, das für SUVs nicht selbstverständlich ist. Kurven nimmt er bis an den Grenzbereich gelassen, die präzise Lenkung findet die Ideallinie fast von allein, Allradantrieb und Sportdifferenzial sorgen für gnadenlosen Grip. Und bei so viel Sportsgeist wollen die Bremsen natürlich nicht den Spielverderber geben: Der Bayern-Express mit der perfekten Gewichtsverteilung von 50:50 stoppt aus Tempo 100 in 34,5 Metern. Genug Gas und Gaga, zurück zur Frage der Vernunft. Die der X4 M40d mit der Abgasnorm Euro 6d-Temp und 7,4 l/100 km beantwortet. Was für uns jetzt so überhaupt nicht unvernünftig klingt.

Fazit

Einen X4 M40d kaufst du, weil du ein besonderes Auto suchst. Ein noch alltagstaugliches, aber keineswegs alltägliches SUV. Eines, das fast wie ein Sportwagen fährt und beim Verbrauch eher in der Kompaktklasse spielt. Eben einen sehr speziellen Typen – der leider nicht ganz billig kommt.

Von

Berend Sanders