Im Jahr 1978 stellte die BMW Motorsport GmbH, kurz M GmbH, ihr erstes eigenes Auto vor: den M1. Der bayrische Lamborghini mit längs eingebautem Mittelmotor ist heute noch eine Legende. Nicht nur, dass der Bolide seinerzeit mit mindestens 100.000 D-Mark eines der teuersten Autos war, er gilt an Stammtischen bis jetzt als einer der besten Straßensportwagen, die es je gegeben hat.
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Zugegeben, AUTO BILD hat das nicht nur einmal widerlegt. "Gemessen an heutigen Maßstäben sind 277 PS des Reihensechszylinders angesichts von 1430 Kilogramm Leergewicht relativ wenig. Subjektiv ist der Schub sogar ein bisschen enttäuschend, irgendwie fehlt der Nachbrenner-Effekt. Auch beim Handling wirkt der M1 trotz Mittelmotor-Konzepts einen Tick zu schwerfällig", hieß es in einem Test. 

Der zweite Streich der M GmbH

50 Jahre später hat die M GmbH nun das zweite eigene Auto an den Start gebracht. Dem Zeitgeist entsprechend ist es kein Sportwagen mehr, sondern ein SUV. Das darf natürlich nicht nur mächtig auf der Straße stehen, es muss auch nachhaltig sein. Na zumindest in Teilen. Deshalb wird das 5,11 Meter lange Power-SUV auch von einem Synchron-Elektromotor mit 197 PS sowie einem klassischen und 489 PS starken V8 mit vier Litern Hubraum angetrieben. 
BMW XM
Aus den vierfachen Endrohren des BMW XM tönt es nicht so, wie die hexagonalen Vierfachverblendungen vermuten lassen.
Bild: Olaf Ittrich / AUTO BILD

Nimmt man die Kraft beider Antriebe zusammen, entsteht eine Systemleistung von 653 PS. Und bei Bedarf wird ein maximales Drehmoment von 800 Newtonmeter bedarfsgerecht an alle vier Räder gereicht. Aber nicht nur bei der Leistung überflügelt der XM seinen Ahnen um mehr als das Doppelte. Auch beim Gewicht. Hier stehen 2,7 Tonnen auf der Straße.

Fahrzeugdaten

Fahrzeugdaten
Motor
V8, Biturbo, vorn längs + E-Motor
Hubraum
4398 cm³
Leistung Verbrennungsmotor
360 kW (489 PS) bei 5400/min
Spitzenleistung Elektromotor
145 kW (197 PS)
Systemleistung
480 kW (653 PS)
Systemdrehmoment
800 Nm
Vmax
250/270 km/h (optional)
Getriebe
Achtstufenautomatik
Antrieb
Allrad
Bremsen vorn/hinten
Scheiben/Scheiben
Testwagenbereifung
275/40–315/35 R 22 Y
Reifentyp
Pirelli P Zero
Radgröße
10–11 x 22"
Abgas CO2*
35 g/km
Verbrauch*
1,5 l SP/32,5 kWh
Tankinhalt
69 l
Batteriekapazität
25,7 kWh
Tankdeckel/Ladeanschluss
hinten rechts/vorn links
Kraftstoffsorte
Super Plus
Ladeleistung
7,4 kW
Vorbeifahrgeräusch
70 dB(A)
Anhängelast gebr./ungebr.
2700/750 kg
Stützlast
140 kg
Kofferraumvolumen
527–1820 l
Länge/Breite/Höhe
5110/2005–2235**/1755 mm
Radstand
3105 mm
Grundpreis
178.000 Euro
Testwagenpreis (wird gewertet)
182.210 Euro

Nun wird der aufmerksame Leser anmerken, dass es sich bei den zwei Fahrzeugen ja auch um ganz unterschiedliche Konzepte handelt. Während der M1 seinerzeit den Beweis antreten wollte, dass die GmbH in der Lage ist, mit Ikonen wie Ferrari, Lamborghini oder Porsche mithalten zu können, geht es beim XM um ein neues Selbstverständnis und natürlich auch um Umsatz. Und der wäre mit einem Sportwagen heutzutage nicht zu erzielen.

Mit dem BMW XM lässt sich Geld machen

Durchaus aber mit einem polarisierenden, bärenstarken, luxuriösen und gleichsam sportlichen SUV. Denn natürlich hat man bei der M GmbH darauf geachtet, dass dieses blechgewordene Monster nicht nur eine Mutation oder gar die Reinkarnation des M1 ist, sondern ein eigenständiges Sport-SUV. Und so böllert sich der XM zwar tonal etwas verhalten, aber nicht minder schnell als sein Urahne in 4,1 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100. Nur zum Vergleich: Der M1 brauchte seinerzeit für den Standardsprint 5,6 Sekunden. 
BMW XM
Das Cockpit des BMW XM ist schick und sportlich zugleich.
Bild: Olaf Ittrich / AUTO BILD

Richtig beeindrucken kann der mächtige Bayer aber im Zwischensprint. Ob der im Normal- oder Sportmodus absolviert wird ist dabei völlig egal. Der Schub nach vorn ist von uns in Zeit gemessen, vom Fahrer durch den Druck in die Sitze und einer Spitzengeschwindigkeit von 278 km/h spürbar.

Messwerte

Messwerte
Beschleunigung
0–50 km/h
1,6 s
0–100 km/h
4,1 s
0–130 km/h
6,1 s
0–160 km/h
8,8
0–180 km/h
11,1 s
0–200 km/h
13,8 s
0–250 km/h
24,2 s
Zwischenspurt
60–100 km/h
2,0 s
80–120 km/h
2,4 s
Leergewicht/Zuladung
2715/585 kg
Gewichtsverteilung v./h.
48/52 %
Wendekreis links/rechts
12,7/12,6 m
Sitzhöhe
740 mm
Bremsweg
aus 100 km/h
kalt 35,2 m
aus 100 km/h
warm 34,2 m
Innengeräusch
bei 50 km/h
55 dB(A)
bei 100 km/h
61 dB(A)
bei 130 km/h
66 dB(A)
bei 160 km/h
71 dB(A)
Verbauch
Stromverbrauch (hochgerechnet)
34,2 kWh/100 km
Testverbrauch (60 % Hybrid-, 40 % E-Anteil)
7,1 l SP + 13,7 kWh/100 km
Verbrauch mit leerer Batterie
11,9 l SP/100 km
CO2 (Testverbrauch)
168 g/km
Reichweite
579 km + 87 km elektrisch

Anders als beim M1 wird das Umschalten zwischen den Fahrprogrammen im XM natürlich elektronisch unterstützt. Im Sportmodus straffen sich die Lenkung und das adaptive M-Fahrwerk. Die Motorkennlinie wird spitzer, und der Riese lässt sich dank einer nahezu perfekt arbeitenden Wankstabilisierung mit 48-Volt-Elektromotoren und Active Roll Control und M Sportdifferenzial mit Dynamic Stability Control (DSC) überraschend Vehement um die schärfsten Ecken werfen. 

Das Power-SUV ist recht straff unterwegs

Das hat aber zwei Nachteile: Zum einen poltert das Sportfahrwerk selbst im Normalmodus überraschend hart über Querfugen und andere Aufwerfungen auf den Straßen. Zum anderen entkoppelt all die Elektronik den Fahrer vom Auto. 
BMW XM
Der skulpturale Himmel im BMW XM ist einzigartig, die M-Taste am Lenkrad zur individuellen Fahrkomponentenabstimmung, Roter Start-Stopp-Knopf, Klappensteuerung und Fahrprogramme auf Knopfdruck, brillantes 14,9-Zoll-Zentraldisplay.
Bild: Olaf Ittrich / AUTO BILD

Um das zu untermauern, sei der Kollege, der seinerzeit den M1 testete erneut zitiert: "Je höher er dreht, desto mehr gleicht sein Klang dem einer Turbine, während sich der Fahrer bemüht, mit dem Schalten nachzukommen. Denn die fünf Vorwärtsgänge sind zwar perfekt abgestuft, wollen aber mit Nachdruck eingelegt werden. Auch die Zahnstangenlenkung erfordert kräftiges Zupacken. Da sich die Cockpit-Höhle zu allem Überfluss aufheizt wie ein Backofen, sind Schweißausbrüche programmiert."
Nichts von dem ist im XM zu hören oder zu spüren. Der ballert wie an der Schnur gezogen über die Piste. Die Lenkung reagiert präzise, aber etwas spitz auf die Befehle des Fahrers. Und die Schaltung übernimmt ein achtstufiges Sportgetriebe mit blitzschnellen Schaltzeiten, dass sich auf der Autobahn manchmal nicht zwischen Stufe fünf für den brachialen Vortrieb oder stufe sieben für den Langlauf entscheiden kann. Aber von Arbeit ist hier für den Fahrer keine Spur. 

Fast perfekte Echtzeitnavigation

Und natürlich heizt sich so eine XM im Innenraum nicht auf. Wie auch. Sorgt doch eine Klimaautomatik, auf Wunsch durch den Ruf "Hey BMW, mir ist warm!" für angenehmste Temperaturen. Natürlich können auch die mit feinstem Nappa bespannten Sitze und die Armauflagen beheizt werden. Der Weg lässt sich durch eine fast perfekte Echtzeitnavigation finden, und das Ambientelicht beleuchtet in dutzenden unterschiedlichen Farben nicht nur den Fußraum, die Armatur oder die Türen, es umrahmt auch einen skulpturalen Dachhimmel mit Prismenstruktur
BMW XM
Sehr straffe Sportsitze mit ausgezeichnetem Seitenhalt, viel Platz in der zweiten Reihe des BMW XM.
Bild: Olaf Ittrich / AUTO BILD

Insofern ist in einem XM von der sagenhaft schlechten Verarbeitung eines M1 nichts mehr zu spüren. Die Rede war in einem AUTO BILD-Test von einer "ziemlich lieblosen Verarbeitung. Schief eingesetzte Schaltern, billig wirkendes Plastik, grob verklebten Teppichen". All das lässt sich vom XM nicht sagen. Hier gibt es kein billiges Plastik, keine irgendwie verklebten Teppiche oder gar schief eingesetzte Schalter. 
Die Schalter und Drehregler, die es gibt, haben feine Raster- und Druckpunkte. Und ansonsten wird ohnehin alles per Touch oder durch Dreh-Steller in der Mittelkonsole über das messerscharfe 14,9 Zoll große Control Display gesteuert. So auch, ob der XM im Hybrid-, Electric- oder eControl-Modus fährt. Im erstgenannten steht die volle Systemleistung permanent bereit. Rein elektrisch geht es nach unseren Messungen 87 Kilometer. Und wer eControl einstellt, hat die Möglichkeit, den Ladezustand des 25,7 kW (netto) leistenden Akkus zu halten und durch Rekuperation aufzuladen.

Wertung

Wertung
Karosserie
Sehr breit, 2,7 Tonnen Anhängelast, klasse Verarbeitung, üppiger Platz im Fond, wenig variabel.
3,5/5 Punkten
Antrieb
Tolle Beschleunigung beim Zwischenspurt, Getriebe manchmal unentschlossen, unbändige Kraft.
4/5 Punkten
Fahrdynamik
Gute Kurvenstabilität, spitze Lenkung, standfeste Bremsen, gute Traktion, Fahrspaß garantiert.
4/5 Punkten
Connected Car
Umfängliches App-Angebot, kabellose Smartphone-Anbindung, gute Sprachsteuerung.
4,5/5 Punkten
Umwelt
E-Reichweite überschaubar, Gewicht und Verbrauch hoch. Wer viel elektrisch fährt, kann sparen.
2/5 Punkten
Komfort
Ziemlich straffe Sitze, sportliches Fahrwerk, reichlich Assistenzsysteme, recht hoher Einstieg.
4/5 Punkten
Kosten
Extrem teuer bei Anschaffung und Wartung, zudem kostspielige Versicherungseinstufung.
1,5/5 Punkten
AUTO BILD-Testnote
3+

Wer die Batterie an der Ladestation auf Stand bringen will, der macht das mit 7,4 kW und braucht für eine hundertprozentige Füllung knapp viereinhalb Stunden. Werfen wir noch einen Blick auf den 69 Liter fassenden Tank. Aus dem verschwinden nach unseren Messungen im Durchschnitt 11,9 Liter ohne E-Unterstützung über 100 Kilometer. Beim M1 hat den Verbrauch damals kein Mensch interessiert, aber BMW gab ihn mit 19,6 Liter an. 
BMW XM
Der Kofferraum ist für die Größe des BMW XM mit 527 bis 1820 Litern schmal bemessen.
Bild: Olaf Ittrich / AUTO BILD

Was auch keinen interessierte, war, wie es den Fond-Mitreisenden ging, denn die gab es in dem Zweisitzer nicht. Dafür aber im XM. Der bietet üppig Platz in der zweiten Reihe, könnte sogar als Chaufferswagen durchgehen. Der Kofferraum ist für die Größe des SUV allerdings mit 527 bis 1820 Litern recht knapp bemessen. 

Das üppigste ist am Ende der Preis

Das ist aber auch das Einzige, was in diesem Ausnahmeauto knapp bemessen ist. Das üppigste ist am Ende der Preis. Mit 182.560 Euro steht unser Testwagen dann auch wieder ganz in der Tradition des M1. Kaum jemand kann ihn sich leisten. Ob es der XM am Ende zu einer Ikone schafft, wird die Zeit zeigen. Außergewöhnlich ist er auf seine ganz eigene Art schon.
Zum 50. Geburtstag durfte die M GmbH alles geben und stellt mit dem XM ein sehr eigenwilliges Auto auf die Räder. Das extrovertierte Design macht den SUV-Boliden zum Hingucker und polarisiert. Der gebotene Luxus, die Systemleistung und der Fahrspaß machen ihn begehrenswert. Der Preis aber macht ihn für die Mehrzahl unerschwinglich.