So viele Tage gab es in diesem Jahr noch nicht, an denen sich der Sommer in ganzer Pracht und brennender Herrlichkeit gezeigt hat. Doch wie abgesprochen feuerte "die gelbe Sau" (Peter Licht – Lied gegen die Schwerkraft) mit heftigsten Strahlen jenseits der 30 Grad, als wir mit BMW Z4 35is, Mercedes-AMG SLC 43 und Porsche 718 Boxster S auf die Suche nach kurvigen Strecken gingen. Und während wir sonst auf Rundenzeiten und Querdynamik abzielen, geht es bei diesen drei überaus kraftvollen Sonnenanbetern auch mal um ein bisschen Wellness.

Die größte motorische Veränderung steckt im Porsche

Porsche 718 Boxster
Sechszylinder adé: Der neue Porsche Boxster wird von einem per Turbo aufgeladenen Vierzylinder befeuert.
Während BMW und Mercedes auf sechs Zylinder setzen, muss der brandneue 718 Boxster S mit vier Brennräumen auskommen. Allen gemein ist, dass sie Produkte des Downsizing-Gedankens sind und statt auf viel Hubraum auf den Einsatz von zwei, im Fall des Vierzylinders im Boxster auf einen Turbolader setzen. Bei Mercedes und Porsche kompensiert die Aufladung jeweils die zwei fehlenden Zylinder der Vorgänger. Im schon ein wenig angejahrten BMW sitzt ein Reihensechszylinder unter der langen Haube, und auch er hat weniger Hubraum als sein sportlichster (M-) Vorgänger. Im Ergebnis wirken zwischen 340 (BMW) und 367 PS (Mercedes-AMG) auf die Hinterachse, der Porsche liegt mit 350 PS genau dazwischen. Jede Menge Stoff also, um zur sportlichen Spielart des Offenfahrens einzuladen, bei der der Wind ein wichtiger Bestandteil des Lustgewinns ist, sein Rauschen irgendwann jeden Motorsound übertönt und man keine Musikanlage mehr braucht, weil man völlig von einer tosenden Sound-Wolke eingehüllt ist.
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Mercedes gibt dem SLC 43 die Extraportion Cabrio-Luxus

Mercedes-AMG SLC 43
Großer Roadster-Genuss: Wer will, kann sich im SLC 43 den Nacken mit warmer Luft fönen lassen.
Doch zurück zum Wellness-Faktor, der die drei Testkandidaten bei aller Potenz eint. Da wäre zum einen die Tatsache, dass für den Übergang vom geschlossenen zum geöffneten Dach ein Tastendruck oder -zug ausreicht, um sowohl die Blechhelme von AMG und Z4 als auch die Stoffmütze des Porsche zu versenken. Dazu gehört die Möglichkeit, über Windschotts einen bei zumindest moderaten Tempi annähernd zugfreien Innenraum her- zustellen. Dazu gesellen sich klangstarke Soundsysteme, Sitzheizungen, im SLC gar ein Airscarf genannter Nackenwärmer, bequeme Sportsitze wie in Z4 und SLC oder betont sportliche, dabei aber nicht minder bequeme und mit perfektem Seitenhalt gesegnete (optionale) Schalen wie im 718 Boxster S. Der BMW Z4 sDrive 35is vertraut auf ein adaptives, zehn Millimeter absenkendes Serienfahrwerk, das selbst in der Sport-Plus-Stellung des "Fahrlerlebnisschalters" nicht zu hart ist. Es macht den Z4 zum alltagstauglichen Genussroadster mit einer leicht sportlichen Note – ideal, um sich entlang der Altmühl vom sonoren Sound des Reihensechsers verwöhnen zu lassen und ab und an das Gaspedal gen Bodenblech zu drücken.Auch im SLC 43 ist ein adaptives Fahrwerk an Bord, das vom optionalen Fahrdynamik-Paket inklusive Tieferlegung um zehn Millimeter ergänzt wird. Der Fahrerlebnisschalter heißt hier Dynamic Select und wirkt wie beim BMW neben der Fahrwerksauslegung auch auf Motorcharakteristik und Lenkung. Auch der AMG kann soft und ist für eine entspannte Cruising-Tour immer zu haben, doch wirkt das Fahrwerk in Sport oder Sport Plus viel verbindlicher und straffer, vor allem aber leidet der AMG nicht unter Karosserieneigungen und -einknicken, was man im BMW vor allem bei schnellen Wechselkurven spürt.
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Beim Kurvenräubern zeigt sich der BMW Z4 unharmonisch

BMW Z4
Verbesserungswürdig: Die Z4-Lenkung macht es schwer, auf Anhieb den richtigen Einschlag zu finden.
Unharmonisch fühlt sich auch die Lenkung des Z4 mit dem wurstdicken Lenkrad an, die sich zwischen Gefühllosigkeit und Einlenken nur ungenügend einschätzen lässt und es schwer macht, auf Anhieb den richtigen Einschlag zu finden, um dann sauber und ohne zumindest kleine Korrektur eine Kurve zu durchfahren. Daneben tragen auch die etwas weniger gripstarken Bridgestone Potenza dazu bei, dass im Z4 die ESP-Leuchte schon flackert, wo die beiden Konkurrenten noch stur neutral ums Eck gehen. Bei unseren Ausflügen in die höheren, kurvigen Regionen rund um Kinding sitzt man im SLC definitiv im agileren Auto und ist mit mehr Spaß dabei, die scharfen Ecken und teilweise weitgezogenen Kurven zu durcheilen. Zwar ist auch seine Lenkung entfernt von der traumwandlerischen Exaktheit, mit der das Einlenken beim 718 Boxster passiert. Doch ist sie sehr harmonisch bei gleichmäßiger Kraftübertragung. Noch eine ganze Spur straffer geht der 718 Boxster S die Sache an, zeigt keinerlei Karosseriebewegungen und federt im Sport-Plus-Modus knochentrocken.
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Aber auch er beherrscht bei aller Grundsportlichkeit eine kommode Gangart. Beim freudigen Wedeln über enge Straßen, beim reinen Fahrspaß im Zusammenspiel aller Komponenten ist der Porsche 718 Boxster S das Gerät der Wahl. Und er ist derjenige im Vergleich, mit dem man am liebtsten auf einen Rundkurs gehen würde, um die Grenzen auszuloten.
Weitere Details zu Boxster, SLC und Z4 finden Sie in der Bildergalerie. Den kompletten Artikel mit allen technischen Daten und Tabellen gibt es als Download im Online-Heftarchiv.

Fazit

Um ein Haar hätte den Porsche 718 Boxster S sein hoher Preis den Sieg gekostet. Doch fahrdynamisch ist gegen den 718 hier kein Kraut gewachsen. Vor allem der BMW wirkt fahrwerkstechnisch etwas angejahrt. Überraschend gut in jeder Beziehung schlägt sich der SLC 43. Er ist der heimliche Sieger dieses Vergleichs und der beste Allrounder zwischen Sport und Wellness.