Tatort Duisburg, Landschaftspark, ein stillgelegtes Stahlwerk. Und doch bollert und dröhnt es lautstark – die alten Hütten scheinen wieder aktiv zu sein. Nur Arbeiter sind weit und breit keine zu sehen. Was ist hier los? Die Auflösung naht – kein Arbeitertrupp, kein Lkw, eine schwarze Limousine ist es. Eine mit einem dicken "B" im Kühlergrill. Der Viertürer grollt unter den Stahlgerüsten hindurch, der Boden beginnt zu beben. Und wer steigt aus? Nicht der Brigadier, sondern Sven Gramm, seines Zeichens Pressesprecher bei Brabus: "Ich habe mit den Verantwortlichen hier gesprochen, es ist heute niemand da, du kannst mit dem Auto Spaß haben. Aber bitte: Mach nicht auf Ken Block, wir brauchen das Ding noch!"

Mit klassischem Chiptuning wird die C-Klasse gedopt

Brabus C 600
Mit 510 PS PS hätte der Biturbo von Haus aus schon genug Dampf – Brabus packt noch 90 Pferdchen drauf.
Das Auto oder, wie Gramm es nennt, das Ding, ist der Brabus 600 auf Basis des neuen AMG C 63 S. Name und Zahl bilden eine unmissverständliche Ansage: 600 steht für die Leistung von 600 PS und Brabus, klar, für das beste Mercedes-Tuning auf diesem Planeten. Bevor wir nun durchs Gelände toben, ein paar Worte zum 600er-Umbau. Die Bottroper schwören zwar auf ihre Hubraum-Kits, mit der neuen 63er-Motorengeneration haben sie aber noch leichteres Spiel, die Kunden mit Leistung zu befriedigen. Der Vierliter-Biturbo-V8 entwickelt von Haus aus maximal 510 PS und hält noch genügend Reserven vor, um ohne Hubraum-Plus und tiefergehende Eingriffe Zusatzpower zu generieren. Bei der C-Klasse geht das klassisch via Steuergerät, das Ladedruck und Spritzufuhr erhöht. 600 PS und 800 Newtonmeter Drehmoment (Serie 700 Nm) sind das Resultat. Etwa 3,8 Sekunden gibt Gramm für den Sprint auf Tempo 100 (Serie 4,0 s) an; das werden wir dann mal "in der Hütte" checken. Die ab Werk maximal möglichen 250 km/h hebt das 7021 Euro teure Leistungskit auf 300 km/h an. Das werden wir hier nicht ganz schaffen.

Die Optik wird von Brabus nur dezent nachgeschärft

Brabus C 600
Fast dezent: Wie gewohnt verzichtet Brabus auch beim C 600 auf fettes Flügel- und Spoilerwerk.
Auch die komplette Sportauspuffanlage zählt zu den Tuningmaßnahmen; das Klangbild lässt sich per Tastendruck regulieren. Wie das klingt, dazu gleich mehr. In Sachen Fahrwerk belässt es Brabus derzeit noch beim schon ab Werk sportlichen Feder-Dämpfer-Gespann und tauscht lediglich die Räder; es kommen nun 20 Zoll messende Monoblock F-Felgen zum Einsatz. Ebenfalls brandneu sind die aufgezogenen Conti SportContact 6 in den Dimensionen 255 vorn und 265 hinten. Wie von Brabus gewohnt, sucht man dickes Spoilerwerk vergeblich. Die Bottroper schärfen stattdessen die sportlichen Werkslinien mit dezenten Lippen, einem Diffusor und etwas Carbon nach. Das Interieur befand sich zu diesem Zeitpunkt noch im Originalzustand; in der Zwischenzeit hat das volle Brabus- Programm mit zweifarbigem, gestepptem Leder und weiteren Extras Einzug gehalten. Genug geredet, der Fotograf hat alle Details im Kasten, ab geht’s. Alle Parameter auf Sport Plus, Auspufftaste auf laut, Feuer!

Mit dem Sportauspuff spielt der C 600 ein großes V8-Konzert

Brabus C 600
Unglaubliche Klangkulisse: Der vierflutige Auspuff donnert drinnen wie draußen äußerst heftig.
Unglaublich, wie "das Ding" ballert. Wer dachte, dass die modernen V8 nicht so fett klingen wie einst, der irrt. Diese Auspuffanlage donnert drinnen wie draußen heftigst. Vollgas unter den maroden Stahltürmen und Gerüsten? Bei diesem Getöse trauen wir uns das nicht. Für den Soundcheck müssen wir raus aus dem Gelände. Einmal links, einmal rechts, rauf auf die Autobahn gen Bottrop. Die 90 PS Mehrleistung sind gleich spürbar. Beeindruckend, wie der 600er abgeht. Kein Turboloch, der Biturbo dreht linear gen 7000 Touren. Die 3,8 Sekunden auf 100 glauben wir sofort. Tempo 200 ist mit einem Fingerschnipp geschafft. Wo ab Werk bei 250 respektive 270 Sachen Schluss ist, geht die Brabus-Limo locker bis zur elektronischen Schranke bei 300 km/h. Erstaunlich auch, wie gut die neuen Conti Sport-Contact 6-Reifen mit dem schwarzen Biest harmonieren. Trotz mehrerer Ampelstarts hat die schwarze C-Klasse immer mehr als genug Traktion auf der Kette.

Fazit

AMGs veredeln wird bei der gebotenen Performance immer schwieriger. Vor allem, wenn es sich um Kaliber wie den neuen C 63 S handelt. Schön, dass Brabus trotzdem noch Potenzial entdeckt hat. Der V8-Biturbo erstarkt auf 600 PS, die Fahrleistungen sind sensationell. Wer es dennoch bei der Serienleistung belassen möchte, der sollte sich wenigstens den Auspuff gönnen. Das Klanginstrument kann seriös, auf Tastendruck aber auch ganz Ballermann sein.