Brabus Rocket GTS (2024): Mercedes-AMG SL Shooting Brake
Kaum zu glauben: Dieser Shooting Brake war mal ein Roadster
Bild: Jan Götze / AUTO BILD
Es war einmal ein Mercedes-AMG SL, der sehnte sich nach einem festen Dach und einem großen Kofferraum. Diesen Wunsch erhörte Brabus und konzipierte in bester Coachbuilding-Manier den Rocket GTS – einen spektakulären Shooting Brake mit 1000 PS für knapp eine Million Euro!
Dabei sind zweitürige Kombi-Coupés keine neue Erfindung. Einer der bekanntesten Vertreter ist sicherlich das BMW Z3 Coupé, das Ende der 90er-Jahre für viel Aufsehen und Diskussionsstoff sorgte, mittlerweile aber zu einem gesuchten Youngtimer gereift ist. Neben BMW probierten sich aber auch andere Hersteller an der ungewöhnlichen Karosserieform. So brachte Ferrari mit dem FF im Jahr 2011 ebenfalls einen zweitürigen Shooting Brake auf den Markt, der mit dem GTC4 Lusso sogar einen Nachfolger erhielt.
Mercedes hatte mit dem CLS Shooting Brake zwar einen edlen Kombi im Programm, der den Zusatz Shooting Brake trägt, der jedoch vom Konzept her ein klassischer Kombi ist. Ein Kombi-Coupé mit nur zwei Türen gab es bei Mercedes nie – bis jetzt!

Brabus macht das Unmögliche möglich: Einen Shooting Brake mit 1000 PS und Vollcarbon-Karosserie hat es noch nicht gegeben.
Bild: Jan Götze / AUTO BILD
Auf der jährlichen Signature Night präsentierte Brabus den Rocket GTS. Offiziell spricht der Mercedes-Spezialist von einem Hyper Gran Turismo Shooting Brake, inoffiziell ist der 2+2-Sitzer ein spektakuläres Kombi-Coupé für superreiche Petrolheads.
Shooting Brake auf Basis des Mercedes-AMG SL
Auf Basis des Mercedes-AMG SL 63 S E Performance entwickelte das Team aus Bottrop einen Shooting Brake, der nur noch an der Front an den Stoffdach-Roadster erinnert. Ab dem Fensterholm wurde die Dachlinie vollkommen neu designt. Eine Dachlinie, die in einem charakteristischen Kombiheck endet, das so formschön gelungen ist, dass es auch direkt von Mercedes stammen könnte. Als Abschluss ziert den Rocket GTS ein Dachkantenspoiler sowie ein in die Karosserie eingearbeiteter Ducktail oberhalb der serienmäßigen SL-Rückleuchten.

Aus dieser Perspektive geben lediglich die Rückleuchten Aufschluss auf die Basis des Brabus Rocket GTS.
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Erst auf den zweiten Blick fällt auf, dass die gesamte Karosserie aus Sichtcarbon besteht und nur an einigen wenigen Parts wie beispielsweise dem hinteren Teil des Dachs praktisch unbemerkt in schwarzen Lack übergeht. Die gesamte Karosserie wurden aufwendig im CAD-/CFD-Verfahren entwickelt und im Windkanal getestet.
Und während man schon mal dabei war, wurde dem Rocket GTS auch gleich ein Breitbau verpasst. An der Hinterachse misst der Shooting Brake jetzt 1,99 Meter, und auch die vorderen Kotflügel wurden amtlich verbreitert. Das schafft Platz für die Brabus Monoblock P Platinum-Räder mit Aeroblades in 21-/22-Zoll. Ein tolles Detail sind die Radhausinnenverkleidungen aus Kevlar. Für meinen Geschmack etwas drüber ist die Abgasanlage mit vier Titan-Endrohren, die in Carbon gehüllt und beleuchtet sind, aber das ist sicherlich Ansichtssache.
Das passende Gepäck liefert Brabus mit
Wie es sich für einen Shooting Brake gehört, hat der Rocket GTS auch einen gut nutzbaren Kofferraum. Die konkrete Zahl des Volumens bleibt Brabus zwar schuldig, doch hinter der elektrisch öffnenden und schließenden Klappe finden vier große maßangefertigte Taschen Platz, die selbstverständlich perfekt auf das Brabus Masterpiece Interieur in schiefergrauem Leder mit Muschelrautendesign angepasst sind.

Da passt ordentlich etwas rein: Die passenden Taschen in schiefergrauem Leder liefert Brabus gleich mit.
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Zusätzlich gibt es eine Extraladung Alcantara für das Armaturenbrett, die Türtafeln und den Dachhimmel. Die Verarbeitung und Anmutung ist extrem hochwertig – so wie man es von Brabus gewohnt ist. Ein feines Detail sind die schwarzen Sicherheitsgurte mit Rocket GTS-Schriftzüge. Abzüge in der B-Note gibt es dafür, dass auf dem Navi-Bildschirm noch die Roadster-Silhouette des SL zu sehen ist. Auch wenn es sicherlich ein enormer Programmieraufwand ist, hier würde die Silhouette des Rocket GTS den hervorragenden Innenraum-Eindruck perfektionieren. Ach ja, fürs Protokoll: 2+2-Sitzer ist nicht gelogen – mit 1,83 Metern wird es auf der Rückbank für mich (zu) eng. Es mangelt in erster Linie an Beinfreiheit.
1000 PS und 1620 Nm
Woran es ganz sicher nicht mangelt, ist Leistung. Schon das Basisfahrzeug gehört mit 816 PS und 1420 Nm bereits zu den stärksten Serienmodellen, die Mercedes je gebaut hat. Doch Brabus wäre nicht Brabus, wenn sie da nicht noch einen draufsetzen würden. Beim Blick unter die lange Carbonhaube fällt als Erstes die Motorabdeckung in rot eingefärbtem Carbon auf. Der V8-Biturbo darunter wurde in Bottrop ordentlich überarbeitet und auf 4,5-Liter (streng genommen sind es allerdings nur 4407 cm³, also 4,4-Liter) aufgebohrt, mit neuem Turbolader und mehr ausgestattet. Das Ergebnis sind 796 PS und 1250 Nm (das Drehmoment wird elektronisch auf 1050 Nm begrenzt). Hinzukommt ein Elektromotor, der zusätzliche 204 PS liefert. In Summe stehen im Rocket GTS nicht weniger als 1000 PS und 1820 Nm (die elektronisch auf 1620 Nm begrenzt werden) bereit.

Der Innenraum wurde mit hochwertigen Materialien ausgestattet. Abzug in der B-Note gibt es für die SL-Animation auf dem Touchscreen – da müssen die Programmierer noch mal ran.
Bild: Jan Götze / AUTO BILD
Das Resultat sind beeindruckende Sprintwerte. Von 0 bis 100 km/h geht es laut Brabus in 2,6 Sekunden, 200 km/h sollen nach 9,5 Sekunden und 300 km/h aus dem Stand nach 23,6 Sekunden erreicht sein. Nur beim Topspeed setzt Brabus keinen drauf: Genau wie das Basisfahrzeug wird auch der Rocket GTS bei 317 km/h elektronisch eingebremst, was mit dem Elektromotor zu tun hat.
Basispreis von knapp 950.000 Euro
Anders als in der Vergangenheit will Brabus den Rocket GTS nicht auf eine festgelegte Stückzahl limitieren. Dass der Carbon-Shooting Brake dennoch ein absoluter Exot bleiben wird, wird sicherlich am Preis liegen. In der Basis soll der Hyper Gran Turismo Shooting Brake unglaubliche 944.860 Euro und somit mehr als vier Mal so viel wie das Basisfahrzeug kosten. Exklusivität hat eben ihren Preis.
Fazit
Mit dem Rocket GTS beweist Brabus einmal mehr, dass immer noch mehr geht. Einen 1000-PS-Shooting-Brake mit Vollcarbon-Karosserie hat es noch nicht gegeben. Der Preis ist hoch, der betriebene Aufwand aber noch viel größer. Ich bin froh, dass es im automobilen Einheitsbrei noch immer solche spektakulären Projekte gibt!
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