Wer alles auf den Kopf stellen will, kann nicht so weitermachen wie bisher. Dann sind auch harte Schnitte nötig. Die gab es bei Bürstner. Sie waren radikal, wie Hubert Brandl erzählt. Das Ergebnis zeigt sich in einem extrem gestrafften Modellprogramm mit nur drei Baureihen: Papillon, Habiton und Signature. Oder vier, denn der B66 existiert als (sehr erfolgreiches) Sondermodell auf Basis des bewährten Lyseo TD munter weiter, ein Survivor.
Wer sich heute für Bürstner interessiert, hat von diesem harten Bruch vermutlich gehört. Immerhin: Die Marke gibt es noch. Und Hubert Brandl, der bereits seit 20 Jahren Boss des Premiumherstellers Niesmann+Bischoff ist, setzt bei Bürstner alles daran, die Marke wieder auf Erfolgskurs zu trimmen. Einmal Tabula rasa, bitte, aber ohne Pause.

Straffes Programm, klare Strategie

Das geht nur, wenn es eine bewährte Trickkiste gibt, also greifbare Ideen, wie ein Fahrzeug schick und funktional ausfällt, sich aber dennoch mit schlankem Aufwand bauen lässt. Seit Brandl das Steuer übernommen hat, ist Verzetteln verboten. Bürstner schärft sein Profil. Das gilt auch für den Signature: Er steht für Premium-Economy mit variablem Raumkonzept. Das klingt ein wenig nach Lufthansa, funktioniert aber auch am Boden.
Bürstner Signature SFT 7.1
Dank der Sitzbank auf der Beifahrerseite lässt es sich bequem gegenübersitzen.
Bild: Christian Herb
Das ist er: Bürstner rangiert den Signature in das Segment der gehobenen Teilintegrierten, setzt ihn ab knapp 7,20 Meter Außenlänge an und verspricht im Inneren durch clevere, sogar patentierte Lösungen ein Maximum an Flexibilität.
Unser Testwagen, ein SFT 7.1, brachte zwei hintere Einzelbetten plus ein Hubbett über der Sitzgruppe mit. Eine Variante mit Queensbett führt Bürstner ebenfalls im Programm, dann wächst die Außenlänge auf immerhin 7,49 Meter. Beide Versionen sind auch ohne Hubbett erhältlich und lassen sich zudem sehr individuell ausstatten.

TOP-ANGEBOT

Kennzeichnung für einen externen LinkSaily-Logo

Saily Reise-eSIM

Zum Anbieter

Prinzipiell überrascht der Blick auf den Grundriss nicht. Im Heck sind zwei Einzelbetten montiert, die sich verbinden lassen. Die Schränke finden sich unter den hochklappbaren Fußenden, in der Mitte des Fahrzeugs sind Küche (rechts) und Bad (links) platziert, davor die Sitzgruppe, auf der sich vis-à-vis sitzen lässt. Nichts also, was grundlegend neu wäre. Doch es lohnt sich ein näherer Blick.

Wohnfühlen neu interpretiert

Das hat er: Wer sich ein wenig mit der Innenarchitektur verschiedener Hersteller auskennt, merkt es sofort: Der Signature atmet Niesmann+Bischoff durch und durch. Die geraden Linien, das bewusst eingesetzte Holz, betont moderne Stoffe, fein akzentuiertes Licht: Hier dreht sich alles um das, was Bürstner einst Wohnfühlen nannte, ein Begriff, der heute passé ist.
Bürstner Signature SFT 7.1
Im Heck gibt's zwei Einzelbetten – mit Steckdosen.
Bild: Christian Herb
Und er ist clever, der Signature. Das beweist er zum Beispiel mit seinem patentierten Drehkonzept der Sitzgruppe (plus 1640 Euro). Aus der Fahrtstellung entsteht mit wenigen Handgriffen eine bequeme Längssitzbank, die gemeinsam mit dem verschiebbaren Tisch nicht nur zum Essen eine angenehme Sitzoption im Loungestil bietet.
Speziell fällt auch die Küche aus. Wer das Küchenpaket Premium (2570 Euro) bucht, erhält nicht nur eine praktische Kompressorkühlschublade, sondern auch eine Mineralstoff-Arbeitsplatte, einen großen Auszug, der die Arbeitsfläche deutlich erweitert, und vor allem ein Regal, das per Motor bis nach oben unter die Decke fährt. Der Effekt: Gemeinsam mit einer Schiebetür entsteht so auf Wunsch ein abgetrenntes Schlafzimmer mit Privatsphäre.
Ebenfalls elektrisch surrt das Hubbett auf und ab, und erstaunlich ist, wie unsichtbar es tagsüber unter der Dachhaube verschwindet. Selbst Oberschränke gibt es.
Bürstner Signature SFT 7.1
Der Fußbereich der Betten lässt sich nach oben klappen und öffnet so den Zugang zu einem Schrank.
Bild: Christian Herb
Einen näheren Blick hat auch das Bad verdient, in dem eine ebenfalls patentierte Schiebewand aus dem Bad eine Duschkabine zaubert. Das geht schnell und einfach, keine Vorhänge nerven. Allerdings muss man, das bleibt als Manko, zum Umbau das Bad kurz verlassen.
Motorisierung 
Fiat MultiJet 3 (Euro 6e/6e-bis) 
Leistung 
103 kW (140 PS) bei 3500/min 
Hubraum 
2184 ccm
Drehmoment 
350 Nm bei 1500–2750/min 
Höchstgeschwindigkeit 
k. A. 
Getriebe/Antrieb 
Achtstufenautomatik/ Vorderrad 
Tankinhalt/Kraftstoffsorte 
60 l/Diesel + 19 l AdBlue 
Länge/Breite/Höhe 
7170/2300/2860 mm 
Radstand/Bereifung 
4310 mm/235/75 R 16 
Masse fahrbereit/Zuladung 
ca. 2980/520 kg 
Anhängelast (gebr./ungebr.) 
2000/750 kg 
Außenmaterial Wand/Dach/Boden
GFK/GFK/GFK 
Stärke Wand/Dach/Boden 
30/40/30 mm 
Isoliermaterial Wand/Dach/Boden
XPS/XPS/XPS 
Liegefläche Hubbett L x B 
1930/1300 mm 
Liegefläche Heck L x B 
1970/2040 x 730 mm 
Innenhöhe/-breite max. 
1970/2060 mm 
Kühlschrank/Eisfach 
90/11 l 
Herd 
Gas, 2 Flammen 
Bordbatterie 
1x Lithium, 12 V/150 Ah 
Frisch-/Abwassertank 
200/130 l 
Gasvorrat/Heizung 
2x 11 kg/Truma Combi 6 
Grundpreis/Testwagenpreis 
81.999/112.581 Euro
Von Haus aus stattet Bürstner den Signature überlegt aus. So bietet der AL-KO-Tiefrahmen einen Doppelboden, einen stufenlosen Boden sowie serienmäßig einen isolierten und beheizten Abwassertank. Auch sonst knausert Bürstner nicht: Selbst die Basisversion kann 200 Liter Frischwasser fassen, bietet eine 150-Ah-Lithium-Batterie (zwei weitere sind bestellbar) sowie die 6-kW-Version der Truma Combi.

So fährt der Signature

Er ist und bleibt, auch als Signature, ein Fiat Ducato. Bürstner gönnt allerdings auch der Basisversion bereits agile 140 PS und das Achtstufen-Automatikgetriebe. Auf dieser Basis lässt er sich mit 3,5 Tonnen konfigurieren, auch wenn das je nach Ausstattung und Nutzungsprofil eine knappe Nummer werden kann.
Bürstner Signature SFT 7.1
Was im Wohnbereich so individuell ausfällt, relativiert sich am Ducato-Steuer.
Bild: Christian Herb
Eine Erhöhung auf 3650 Kilogramm bietet Bürstner für 260 Euro Aufpreis an. Wahlweise gibt es den Signature auch als 4,5-Tonnen-Version mit dem 180-PS-Motor (plus 6600 Euro). Damit sind Signature-Nutzer alle Gewichtssorgen los, müssen allerdings die Folgen akzeptieren, etwa Anforderungen an den Führerschein, Tempo 100, höhere Autobahnmaut im Ausland oder Fahrverbote auf diversen Routen.
Mit seinen 7,17 Metern Außenlänge und 4,31 Metern Radstand bleibt der Signature durchschnittlich handlich. Mehr als nur auf Augenhöhe mit dem Wettbewerb ist allerdings die Akustik im Inneren. Die mit speziellem Textil bespannten Wände minimieren Lärm, und Details wie das aus Glas gefertigte Panoramafenster in der Dachhaube mindern Windgeräusche in einer Weise, dass sich der Signature tatsächlich auch in diesem Hinblick ein Stück luxuriöser anfühlt als viele andere.
Bürstner Signature SFT 7.1
Wer bislang nicht glaubte, dass ein 7,20-Meter-Teilintegrierter sportlich aussehen kann: Der Signature punktet mit seinem Auftritt.
Bild: Christian Herb
Interessant wird eine Neuerung sein, die Bürstner zum Caravan Salon vorstellt: Dort wird der Signature auch auf Basis des Mercedes-Benz Sprinter stehen. Mit Stern starten die Preise dann bei 93.999 Euro (damit stehen mit Zubehör vermutlich ungefähr 130.000 Euro auf der Rechnung), und auch die Vielfalt nimmt bei Bürstner schon wieder zu. Dennoch wird dieses Paket sicher wunderbar harmonieren, auch wenn die Außenlänge wegen des anderen Chassis um rund 17 Zentimeter steigen wird.

Bald auch mit Stern

Das Angebot wächst also. Ob allerdings der mit schwäbischer Stern-Basis dann spürbar gesuperte Signature noch als Premium-Economy zu verstehen sein wird, steht auf einem anderen Blatt.

Fazit

Der Signature ist ein Wohnmobil voller Innovationen und einem sehr zeitgenössischen Stil. Bürstner profitiert von der sprühenden Ideenvielfalt seines Chefs, der Probleme am liebsten schnell löst statt ewig bespricht. Das Ergebnis ist – trotz seiner Ducato-Basis – einzigartig.