Das ist er: Ein stattlicher Kerl, gut siebeneinhalb Meter lang und vier Tonnen schwer. Ein Wohnmobil eher für ältere Camper, deren Führerschein sich nicht auf 3,5 Tonnen zulässige Gesamtmasse beschränkt. Und einer, der vom neuzeitlichen Wirtschaftswunder jener Generation profitiert, die noch in Mark rechnet und dabei nicht so genau auf den Euro achten muss. Denn, da sind wir uns einig, bei einem Startpreis von gut 72.500 Euro fängt der Spaß natürlich erst an. Für dieses kleine Vermögen bekommt man ein üppiges Reisemobil mit geräumigem, hochwertigem Interieur und gehobener Ausstattung (u.a. Busspiegel, Rückfahrkamera, Zentralverriegelung für Fahrerhaus- und Aufbautür, winterfester Abwassertank).

Beim Ausweichtest wirkt der Aviano schwerfällig

Bürstner Aviano i 727
Sicher: Die Wankbewegungen unseres Testwagens halten sich in Grenzen.
So fährt er: Als Basis dient der Fiat Ducato mit Tiefrahmenchassis. Damit liegt der Aviano satt und sicher auf der Straße. Nur beim Ausweichtest wirkt er ein wenig schwerfällig. Wankbewegungen bleiben aber im Rahmen. Lastwechsel nimmt der Aviano ruhig und unauffällig, zeigt keine Ausbruchsversuche. Kompromissbereitschaft erfordert dagegen das automatisierte Schaltgetriebe, weil Motor und Getriebe nicht optimal aufeinander abgestimmt sind. Der dicke Ducato-Diesel mit 177 PS (im Testwagen noch mit 3,0 statt 2,3 Liter Hubraum) hat ab 3500 Umdrehungen wenig Kraft, das Getriebe lässt ihn aber bis 4000 jubeln. Und wo wir schon beim Soundcheck sind: Ganz klapperfrei ist der Aufbau nicht.

Der Tisch besitzt eine verschiebbare Platte

Das hat er: Gaaanz viel Platz. Dazu ein luftiges Raumgefühl und eine freundliche Einrichtung mit unterschiedlich hellen Holztönen. Möbelklappen in glänzendem Schleiflack-Look und helle Polster bilden einen Kontrast, wie es gerade en vogue ist. Zur Raumaufteilung: L-förmige Sitzgruppe mit gegenüberliegendem Einzelplatz und die beiden Pilotensitze ermöglichen eine gemütliche Runde. Die stabile Tischplatte kann nach Bedarf verschoben werden. Das große graue Kissen der Zweierbank sieht zwar fluffig aus, drückt den Passagieren aber ins Kreuz. Im Obergeschoss wartet noch ein bequemes Hubbett auf seinen Einsatz. Es wird während der Fahrt mit zwei Gurten unter der Decke gesichert. Nicht so schön: die Stolperfalle in Form einer Stufe zwischen Fahrerhaus und Wohnraum.
Überblick: Alles zum Thema Wohnmobile
Bürstner Aviano i 727
Behaglich: Das Heck-Schlafzimmer bietet ein Queensbett, kleine Kleiderschränke rechts und links sowie Stauschränke oben.
An die Sitzgruppe schließt sich eine ebenfalls L-förmig angeordnete Küchenzeile an, die sogar mit einem Backofen ausgestattet ist. Die Staumöglichkeiten fallen dafür etwas geringer aus als üblich, reichen aber. Hübsch anzuschauen und praxisgerecht dimensioniert sind der Dreiflammenkocher und die runde Edelstahlspüle. Ein 142-Liter-Kühlschrank mit 15-Liter-Tiefkühlfach dient als großzügige Vorratskammer für verderbliche Lebensmittel. Im Heck wartet eine besondere Schlaf-/Sanitärlösung. Die Tür des in Fahrtrichtung rechts eingebauten Toilettenraums kann auch am äußeren Rand der gegenüberliegenden Dusche einrasten und den hinteren Bereich separieren. Optisch unterstützt übrigens von einer weiteren Fußangel, Verzeihung: Stufe. An der Einrichtung gibt es aber im Wesentlichen nichts auszusetzen – abgesehen vom gespart wirkenden Waschbecken aus braunem Plastik und der durchsichtigen Dusche. Da dürfte das Schlafzimmer eher den aktuellen Einrichtungstrend treffen: Dort gibt es ein Queensbett mit kleinen Kleiderschränken rechts und links, dazu Stauschränke oben. Das Bett hat einen Aufstellmechanismus, sodass ein Teil des Stauraums von innen nutzbar ist. Der hintere Teil gehört zur Heckgarage. Die fällt recht niedrig aus. Ja, in dieser Klasse jammert es sich auf hohem Niveau.

Fazit

Groß, geräumig, hell und freundlich – der Aviano ist ein Dickschiff mit Charme. Und ein umgängliches, denn auch sein Fahrverhalten ist ohne Fehl und Tadel. Nur ein paar Kleinigkeiten nerven: zwei Stolperstufen im Innenraum, eine Plastikwanne als Waschbecken im WC – und die Klappergeräusche. Urteil: vier von fünf Punkten.