Sein Crash hat für Aufsehen gesorgt: Ein sündhaft teurer Bugatti Chiron brettert beim Gumball 3000 auf der Autobahn über eine Leiter. Fahrer Omid Mouazzen ist geschockt, hat aber Glück im Unglück: Eine neue Front am Bugatti kostet schnell mal 300.000 Euro, der Schaden an seinem Hypersportwagen ist aber nicht so teuer wie angenommen.
Als Besitzer des Automobilzentrums Rhein-Neckar kennt sich Mouazzen mit teuren Autos aus, macht sich zudem gerade einen Namen als Youtuber. Die Publicity durch den Crash kann da nicht schaden. War der Unfall mit der Leiter am Ende also sogar ein Glückfall, Herr Mouazzen?
"Hätte ich die Wahl, würde ich die Leiter sicher kein zweites Mal mitnehmen", erklärt der 36-Jährige im Gespräch mit AUTO BILD. "Der Schock, der Stress und die Sorge ums Auto: Egal wie medienwirksam es ist, aber selbst eine Million Klicks auf Youtube bringt dir keine zehntausend Euro. Deswegen steht es in keinem Verhältnis", hat Mouazzen eine klare Meinung.

Versicherung zahlt nicht für kuriosen Crash

Denn obwohl der Crash glimpflich ausgeht, muss er eine stattliche Summe hinblättern: "Die kaputte Lippe kostet 8500 Euro netto. Das Teil ist bestellt, muss aber noch lackiert werden. Dann muss die alte Lippe abmontiert werden, wofür auch der Unterboden runter muss. Alles in allem werden wir bei zirka 15.000 Euro landen", schätzt Mouazzen und verrät, dass die Versicherung in so einem Fall nicht greift: "Das Auto kostet in der Versicherung 30.000 Euro im Jahr. Ich habe aber eine Selbstbeteiligung von 150.000 Euro, das bedeutet die ersten 150.000 Euro gehen immer auf mich beim Schaden."
Bugatti Chiron Crash Gumball 3000
"Nur" 15.000 Euro Schaden: Die Leiter hat ein Loch in die Lippe geschlagen, aus ihr wird nun ein Kunstwerk.
Bild: Omid Mouazzen / YouTube

Trotzdem: Würde die Schadenssumme für Otto Normalverbraucher ein kleines Vermögen bedeuten, ist sie für den Selfmade-Millionär schon eher zu verschmerzen. Nicht nur deshalb findet der dreifache Familienvater: "Gott sei Dank ist es uns passiert. Denn hätte es jemand anderen erwischt, wäre es für eine Familie vielleicht schlimmer ausgegangen." Auch, weil der Crash bei rund 100 km/h beileibe nicht ungefährlich war.

Chiron vs. Leiter: So lief der Unfall ab

An den Ablauf des Unfalls, der sich gut 50 Kilometer vor der deutschen Grenze auf einer holländischen Autobahn ereignet, kann sich Mouazzen noch genau erinnern: "Ich war auf der linken Spur, es war Mittagszeit und die Sonne stand im Zenit: Die chromfarbene Leiter hat auf dem grauen Asphalt ordentlich gespiegelt", erklärt er. "Ich habe dann etwas gesehen, aber nicht gewusst, was es ist. In dem Moment, wo ich verstanden habe, dass ich auf ein Hindernis zufahre, habe ich festgestellt: Ich werde nicht ausweichen können. Denn wir waren umgeben von Autos und Verkehr."
Schock auf der Autobahn: Eine verlorene Leiter hat sich unter dem vier Millionen Euro teuren Bugatti verkeilt.
Bild: Omid Mouazzen

Dennoch reagiert Mouazzen geistesgegenwärtig: "Ich wollte vermeiden mit meinen Rädern drüber zu fahren, also habe ich es gemacht, wie man es in der Fahrschule lernt: Beide Hände ans Lenkrad, bremsen und drüber." Der Bugatti-Fahrer erinnert sich: "In letzter Sekunde habe ich es optisch noch als ein Art Plane wahrgenommen, die hoffentlich einfach unterm Auto durchrutschen wird. Es kam die ersten ein bis zwei Sekunden auch kein Geräusch, weshalb ich angenommen habe, dass wir es überstanden haben."
Doch dann wird es laut und kratzt ordentlich am Unterboden: "Ich bin sofort rechts rangefahren, ausgestiegen und habe entsetzt festgestellt, dass da eine Leiter unter meinem Auto klemmt", sagt Mouazzen. In seinem Youtube-Video ist zu sehen, wie der Autohausbesitzer ausflippt und sich auch kaum beruhigt hat, als die wenig hilfreiche holländische Polizei anrückt. "Ich war im ersten Moment weniger wegen des Schadens entsetzt als wegen der Angst, dass wir aufgeben müssen und die Tour nicht weiterfahren können. Wir haben uns ja monatelang darauf vorbereitet", erklärt Mouazzen.

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Weil der Schaden aber nicht so groß ist, können er und sein Team die Gumball-Rallye fortsetzen - und wie: Nach fast 5000 Kilometern quer durch Europa "sind wir mit der deutschen Crew als bestes Team ausgezeichnet worden", sagt Mouazzen voller Stolz: "Dass wir nach dem Crash nicht gleich aufgegeben und das Auto haben abholen lassen, sondern es getapt haben und weitergefahren sind, hat dabei sicher nicht geschadet."

Aus kaputter Bugatti-Lippe wird Kunstwerk

Als Erinnerung an den Erfolg, aber auch den kuriosen Crash, hat sich Mouazzen etwas einfallen lassen: "Wir wollen aus der kaputten Lippe ein Kunstwerk machen: Eine Tafel in den Gumball-Farben und mit dem Logo, da kommt dann die Lippe drauf - genauso wie sie ist, dreckig und beschädigt. Das kommt dann zu uns ins Autohaus", verrät er gegenüber AUTO BILD.
Umringt von Leuten: Das Interesse an den Gumball-Autos ist groß - vor allem in den osteuropäischen Ländern.
Bild: Omid Mouazzen

Für den Auto-Narr, der neben dem Bugatti Chiron auch noch einen Mercedes SLS AMG GT Final Edition, einen Rollys Royce Cullinan Black Badge und einen Lamborghini Urus Performante - sowie als Alltagsautos einen Tesla Model X und einen Abarth 695 Rivale - besitzt, ist aber nicht der Sieg beim Gumball, sondern etwas ganz anderes die größte Belohnung:

In Deutschland gehatet, im Ausland gefeiert

"Das Feedback bei der Rallye war sensationell. In Deutschland wirst du für so ein Auto gehatet, in anderen Ländern danken sie dir aber dafür, dass du damit ankommst", verrät Mouazzen. "In Slowenien oder Ungarn stehen da zehntausende Menschen, die dir sagen: 'Vielen Dank, dass du dieses Auto hierhergebracht hast, wir hätten sonst unseren Lebtag keinen Bugatti zu sehen bekommen.' Wenn sie dir dann noch erzählen, dass sie seit zehn Stunden an der Strecke stehen und warten, dann weißt du auch, warum du das alles machst."