Dieser Lamborghini war ein Bugatti-Testwagen
Warum VW den W16-Motor ausgerechnet im Diablo erprobte

Ein Lamborghini Diablo mit Bugatti-Motor? Klang lange nach Fantasie, war aber Realität. Ende der 90er-Jahre nutzte Volkswagen den Supersportler als geheimen Testträger für ein Aggregat, das später Automobilgeschichte schreiben sollte: den W16.
Bild: Autostadt GmbH
Auf den ersten Blick ist es ein typischer Diablo. Flach, breit, laut – ein Supersportler seiner Zeit. Doch dieses Exemplar ist anders. Kein Showcar, kein Messe-Gag, sondern ein Auto mit einer Geschichte, die man ihm von außen nicht ansieht. Denn im Heck arbeitete ein Motor, der eigentlich nicht zu Lamborghini gehörte – und erst Jahre später zeigen sollte, wozu er wirklich fähig war.
Piëchs Lust an großen Motoren
Der ungewöhnliche Umbau entstand in einer Phase, in der Volkswagen unter Konzernchef Ferdinand Piëch mit extremen Motorenkonzepten experimentierte. Lange bevor der Bugatti Veyron auf die Straße kam, lief sein Antrieb bereits in einem Lamborghini.
Piëch war keiner, der halbe Sachen machte. In der Autoindustrie hinterließ er Spuren wie nur wenige vor ihm – von Ikonen wie dem Audi Quattro oder dem Porsche 917 bis zu Projekten wie Passat W8 und Phaeton W12. Vor allem bei Motoren kannte er kaum Grenzen. Volkswagen verbaute zeitweise einen V12-Diesel im Audi R8, brachte einen Zwölfzylinder im Audi Q7 auf die Straße und verkaufte den Touareg als V10 TDI. Nicht alles davon wurde ein Erfolg, doch jedes Projekt stand für den kompromisslosen technischen Anspruch jener Zeit.

Vier Turbolader, 16 Zylinder: Der Bugatti-W16 war das technische Herz des Veyron. Zuvor diente er im Lamborghini als Erprobungsaggregat.
Bild: Bugatti Automobiles
Über allem schwebte jedoch ein Aggregat, das selbst diese Experimente übertraf: der W16. Zunächst dachte Bugatti sogar noch größer. Auf der IAA 1999 sorgte der 18/3 Chiron mit einem 6,2-Liter-W18 für Aufsehen. Am Ende fiel die Entscheidung jedoch auf einen 8,0-Liter-W16 mit vier Turboladern – den späteren Antrieb des Bugatti Veyron.
Testfahrt im Diablo
Bevor die ersten Veyron-Prototypen entstanden, musste der neue Motor zunächst in einem anderen Fahrzeug laufen. Nachdem sich Volkswagen 1998 die Rechte an Lamborghini gesichert hatte, fiel die Wahl auf den Diablo. Sein V12 wurde ausgebaut, um Platz für den noch in Entwicklung befindlichen W16 zu schaffen.

Der Lamborghini Diablo, den VW als Erprobungsträger für den W16 nutzte.
Bild: Autostadt GmbH
Basis war ein überarbeiteter Diablo SV ohne Klappscheinwerfer. Von außen wirkte der Wagen weitgehend seriennah, doch zusätzliche Ausschnitte im hinteren Karosseriebereich verrieten den deutlich erhöhten Kühlbedarf. Technisch blieb der Diablo mit W16 jedoch ein absolutes Einzelstück.

Breites Heck, vier Endrohre: Von außen wirkt der Diablo SV seriennah. Die Technik dahinter war es nicht.
Bild: Autostadt GmbH
Ein Motor, viele Studien
Der W16 kam später ausschließlich im Bugatti Veyron zum Einsatz. Innerhalb des VW-Konzerns entstanden jedoch weitere Konzeptfahrzeuge mit derselben Zylinderzahl, darunter der Bentley Hunaudières von 1999 und der Audi Rosemeyer von 2000. Parallel zeigte Volkswagen mit dem W12 Nardo eine eigene Supersportwagen-Studie.

Ein Bugatti-Veyron-Prototyp bei Erprobungsfahrten unter Extrembedingungen.
Bild: Bugatti Automobiles
2024 verabschiedete sich der W12 endgültig mit dem letzten Bentley Batur. Auch der W16 steht vor dem Aus, sobald Bugatti den finalen Mistral Roadster ausliefert. Beim neuen Bugatti Tourbillon lebt die Idee weiter – allerdings als V16. Lamborghini hingegen bleibt seiner V12-Tradition treu, zuletzt im Revuelto.
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