Eine Toilette braucht Wasser, Chemie und einen Anschluss an die Kanalisation? Beim Camping schon lange nicht mehr. Trocken-Trenntoiletten gehören zu den einfachsten Möglichkeiten, im Reisemobil, Campervan oder Offroader unabhängig von Sanitäranlagen unterwegs zu sein. Ihr Prinzip ist erstaunlich simpel: Flüssiges und Festes werden bereits beim Toilettengang voneinander getrennt.
Der Urin landet in einem separaten Kanister, die festen Hinterlassenschaften in einem mit einer Tüte ausgekleideten Behälter. Der große Vorteil: Eine Trenntoilette benötigt weder Wasser noch Strom oder Chemiezusätze. Ein Einbau ist bei vielen Modellen ebenfalls nicht erforderlich. Toilette ins Fahrzeug stellen, Beutel einsetzen – fertig.
Gerade für kompakte Camper, Selbstausbauten und Fahrzeuge, die möglichst lange autark unterwegs sein sollen, ist das interessant. Hinzu kommt der Preis: Einfache Trenntoiletten sind im Vergleich zu fest installierten Sanitärlösungen verhältnismäßig günstig.

Einfaches Prinzip, große Wirkung

Ganz ohne Aufwand funktioniert das Geschäft allerdings nicht. Der Urinkanister muss regelmäßig geleert und gereinigt werden. Und auch der Feststoffbehälter verschwindet natürlich nicht von allein. Nach der Benutzung soll dessen Inhalt möglichst schnell trocknen. Einige Hersteller empfehlen dafür Streu, andere setzen auf Papier oder lassen den Inhalt ohne weitere Zugabe trocknen.
Toilettenvergleich
AUTO BILD Reisemobil hat verschiedene Trenntoiletten für Camper getestet.
Bild: Axel Telzerow
Ein einfacher Praxistrick besteht darin, die Hinterlassenschaften mit einem Stück saugfähigem Papier abzudecken – beispielsweise von einer großen Werkstattrolle. Entscheidend ist immer dasselbe: möglichst wenig Feuchtigkeit im Feststoffbehälter. Denn die oft gehörte Behauptung, eine Trenntoilette sei grundsätzlich geruchlos, stimmt so nicht. Durch die Trennung lässt sich die Geruchsbildung zwar deutlich reduzieren, vollständig verhindern lässt sie sich nicht immer.
Besonders bei höheren Temperaturen können sich Gerüche entwickeln. Wie stark, hängt unter anderem von Konstruktion, Nutzung, Entleerungsintervallen und Belüftung ab.

Ganz ohne Arbeit geht es nicht

Auch das Entleeren gehört zum Alltag. Einen gefüllten Urinkanister durch das Fahrzeug zu tragen und anschließend auszuspülen, muss man mögen.
Und hier zeigen sich zwischen den Modellen doch erstaunlich große Unterschiede: Ein Behälter kann auf dem Datenblatt praktisch wirken und sich bei der Anwendung unter einem Wasserhahn trotzdem als ziemlich unhandlich erweisen. Gleiches gilt für die Reinigung. Glatte Flächen sind schnell abgewischt, während sich in Rippen, Kanten und Vertiefungen Schmutz hartnäckig festsetzen kann.

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Der Unterschied sitzt auf der Toilette Genau deshalb haben wir uns für diesen Vergleich nicht auf technische Daten verlassen. Vier unterschiedliche Trocken-Trenntoiletten von Boxio, KoMa.land, Trelino und Trobolo mussten im echten Campingalltag ran. Wir haben darauf gesessen, sie benutzt, getragen, geleert, zerlegt und gereinigt. Besonders wichtig war uns dabei der Mann-Frau-Vergleich.
Denn Körperbau und Anatomie spielen bei einer Trenntoilette eine größere Rolle, als man zunächst vermuten würde. Eine kleine Sitzfläche, die für den einen Tester problemlos funktioniert, kann für eine andere Person durchaus unbequem sein. Vor allem Frauen sind darauf angewiesen, dass die vordere Urinschale groß und sinnvoll positioniert ist – bewusstes "Zielen" sollte auf einer guten Toilette nicht notwendig sein.

Trelino Evo L

Die Trelino ist die größte Toilette im Vergleich, überzeugte dafür aber beide Tester mit einer angenehm großen Sitzfläche. Besonders unsere Testerin konnte entspannt sitzen und urinieren, ohne bewusst auf die Position achten zu müssen. Auch im Männer-Test funktionierte die Urinführung sauber und ohne Spritzer auf innenliegende Flächen.
Trelino Evo L
Trelino Evo L: Die breite Sitzfläche überzeugte im Mann-Frau-Test mit gutem Sitzkomfort.
Bild: Axel Telzerow
Ganz perfekt arbeitet die Trennung allerdings nicht: Bei unserer Testerin landeten beim großen Geschäft einzelne Feststoffe in der vorderen Urinschale. Gut gefallen die großen Behälter und der zusätzliche Deckel, mit dem sich der Urinkanister für Transport oder Zwischenlagerung sicher verschließen lässt.
Die stabile Deckel-Sitzschalen-Einheit ist zunächst etwas gewöhnungsbedürftig, außerdem fehlen dem großen, glatten Gehäuse vernünftige Griff möglichkeiten. Dafür ist genau diese cleane Bauform beim Putzen ein großer Vorteil: Keine Rippen und kaum Ecken oder Kanten machen die Trelino zur am einfachsten von außen zu reinigenden Toilette im Vergleich. Insgesamt unser stimmigstes Gesamtkonzept.
Preis: 578,90 Euro
Stärken: gute, breite Sitzfläche; saubere Urinführung; große Behälter; zusätzlicher Kanisterdeckel; sehr pflegeleicht
Schwächen: sperrig und schlecht zu greifen; Sitzschale schwierig zu handhaben; Feststoff landete im Frauentest teilweise im Urinbereich
Testnote: 1,67
Urteil: 4,5 von 5 Sternen

Koma.Land Kackbox

Die Kackbox setzt auf eine robuste Eurobox und kommt praktisch einsatzbereit ins Fahrzeug: Beutel einsetzen, fertig. Der bereits montierte Deckel sitzt ausgesprochen stabil, die gesamte Konstruktion macht einen belastbaren Eindruck. Auch die Trennung funktionierte in unserem Langzeiteinsatz zuverlässig. Unterschiedlich fällt dagegen das Urteil beim Sitzen aus.
Koma.Land Kackbox
Koma.Land Kackbox: Der Trenneinsatz arbeitete auch im Langzeiteinsatz zuverlässig – Fehltrennungen gab es keine.
Bild: Axel Telzerow
Unser männlicher Tester saß bequem, die Testerin empfand die Sitzfläche für ein breiteres Becken als deutlich zu schmal. Beim Urinieren blieb deshalb stets das Gefühl, besonders vorsichtig sitzen und pinkeln zu müssen – obwohl es tatsächlich zu keinen Fehltrennungen kam. Weniger schön: In der flachen Urinschale bleiben Tropfen zurück, und die Membrankonstruktion des Urinkanisters mit mehreren Einzelteilen ist nach dem Reinigen fummelig wieder zusammenzusetzen.
Auch die vielen Rippen und Vertiefungen der Eurobox erschweren die Außenreinigung – nach unserer Westsahara-Tour steckte selbst lange danach noch Sand in einigen Ecken.
Preis: 349 Euro
Stärken: sofort einsatzbereit, sehr stabil, zuverlässige Trennung, kompakt
Schwächen: schmale Sitzfläche, Urinschale mit wenig Gefälle, aufwendige Reinigung, fummeliger Zusammenbau des Urinkanisters
Testnote: 1,93
Urteil: 4 von 5 Sternen

Trobolo WandaGo

Die Trobolo punktet zunächst mit ihren kompakten Abmessungen und einer grundsätzlich stabilen Konstruktion. Beim Hinsetzen kippte sie bei unserem männlichen Tester allerdings überraschend nach hinten. Auch die kleine Sitzfläche überzeugte ihn nicht: Er saß so weit vorne, dass der Urinstrahl gegen den vorderen Bereich des Trenneinsatzes traf. Deutlich kritischer ist die Urinführung.
Trobolo WandaGo
Clever verstaut: Die Trobolo WandaGO nutzt den knappen Innenraum konsequent für beide Behälter.
Bild: Axel Telzerow
Nach normaler Benutzung fanden sich zahlreiche Urinspritzer rund um den Einlass zum Urinkanister auf innen liegenden Flächen. Um Ablagerungen und Gerüche zu vermeiden, muss hier entsprechend regelmäßig gereinigt werden. Der herausnehmbare Sitz-/Trenneinsatz sitzt nach korrekter Montage zwar bombenfest, lässt sich aber wenig intuitiv einsetzen und arretieren. Clever ist die zusätzliche Abdeckung des Feststoffbehälters.
Im Alltag stellt sich allerdings die Frage, wo das potenziell verschmutzte Teil während der Toilettenbenutzung hygienisch abgelegt werden soll. Kompakt und clever gedacht, im täglichen Handling aber unnötig kompliziert.
Preis: 150,42 Euro
Stärken: sehr kompakt; stabile Konstruktion; fest sitzender Trenneinsatz; Abdeckung für Feststoffbereich
Schwächen: kleine Sitzfläche; kippte beim Hinsetzen nach hinten; Urinspritzer auf innen liegenden Flächen; hoher Reinigungsbedarf; Trenneinsatz fummelig
Testnote: 2,73
Urteil: 3 von 5 Sternen

Boxio Toilet Max+

Auf den ersten Blick ähnelt die bei Campern sehr beliebte Boxio der Kackbox aus unserem Testfeld stark: Auch hier bildet eine Eurobox die Basis. Im Alltag unterscheiden sich beide jedoch erheblich. Schon vor der ersten Benutzung verlangt die Boxio mehr Eigenleistung: Teile des Toilettensystems müssen zunächst montiert werden. Auch später überzeugte das Handling nicht vollständig.
Boxio Toilet Max+
Boxio Toilet Max+: große Urinschale, aber im Frauentest funktionierte die Trennung nicht immer zuverlässig.
Bild: Axel Telzerow
Clips lösten sich wiederholt, die Sitzschale lässt sich schlecht greifen, und der große Urinkanister erwies sich besonders für kleinere Hände als ausgesprochen unhandlich. Beim Ausspülen wäre er unserer Testerin beinahe aus der Hand gerutscht. Noch schwerer wiegt die Trennfunktion: Bei einem realen Toilettengang gelangte sowohl Urin in den hinteren Behälter als auch Feststoff in die vordere Urinschale.
Anschließend war entsprechend viel Reinigung notwendig. Auch beim Sitzkomfort überzeugte die kleine Eurobox unsere Testerin nicht. Auffällig waren zudem die umfangreichen Kunststoffverpackungen einzelner Komponenten.
Preis: 229,90 Euro
Stärken: kompakte Eurobox-Abmessungen, viel Zubehör verfügbar
Schwächen: Montage erforderlich, schmale Sitzfläche, Fehltrennung im Praxistest, unhandlicher Urinkanister, Clips lösen sich, hoher Reinigungsaufwand
Testnote: 3,1
Urteil: 3 von 5 Sternen