Die 180 sind rucki-zucki erreicht. Ich gebe Vollgas – und nach kurzer Zeit ist das Rührei in meiner Pfanne  auch schon fertig. Campen beim 24-Stunden-Rennen am Nürburgring – während unten auf der Rennstrecke die Autos an mir vorbeizischen, sitze ich neben meinem Marco Polo, tanke Kaffee und esse eine Rennsemmel.
Es ist Frühstückszeit, und mit meiner metallicgrauen Höhle stehe ich direkt an der grünen Hölle, näher dran geht einfach nicht. Ich bin großer Rennsportfan. Aber die 24 Stunden in der Eifel kannte ich bislang nur aus dem Fernsehen.
Seit 1984 gibt es das Rennen, Tag und Nacht geht es mit Vollgas auf einer exakt 25,378 Kilometer langen Piste entlang, die beides umfasst, Grand-Prix-Strecke und Nordschleife.
Camping 24h Nürburgring
Schon bei der Anfahrt zum Nürburgring müssen Pilot und Fahrzeug kurvenfest sein.
Bild: Mercedes-Benz AG

Ich selbst bin eher gemächlich angereist, auf Mercedes. Das Popometer empfand die Ledersitze als sehr bequem. Über kurvige, teils enge Straßen ging es durch die Eifel. (So stellt sich Mercedes die elektrische Zukunft des Reisemobils vor)

Poleposition am Zaun

Für den Marco Polo kein Problem, er wuppt mit seinem Turbo-Diesel alle Steigungen und nimmt jede Links mit links. Um dann rechtzeitig vorm "Bedarfscampingplatz", wie das am Nürburgring heißt, in die Eisen zu gehen.
Renn-Camping ist ein ganz spezielles Erlebnis. Wer Glück hat, bekommt den Stellplatz nicht irgendwo fernab auf dem Parkplatz, sondern hat die Poleposition am Zaun.
Camping 24h Nürburgring
Eine gute Stärkung für den Tag ist wichtig und im Marco Polo einfach zuzubereiten.
Bild: AUTO BILD

Reservieren kann man nicht, das Rennen um den besten Platz macht der, der in der Startaufstellung weit vorne liegt. Sprich: Früh kommen sichert gute Sicht.
Die Plätze heißen hier "Schwalbenschwanz" oder "Brünnchen", genau wie die Abschnitte der Rennstrecke. Das Start- beziehungsweise Parkgeld beträgt 17 Euro für eine Übernachtung pro Person.

Im Van campen ab 10 Euro pro Tag

Bei zwei Übernachtungen sind es 27 Euro, bei drei 37. Und so weiter. Hinzu kommt die Parkpauschale fürs "Sonderfahrzeug". Denn als solche werden Reisemobile hier einsortiert. Macht noch einmal
Camping 24h Nürburgring
Kurze Pause und ein Kaffee an der Strecke.
Bild: AUTO BILD

35 Euro für drei Tage. Ich habe Glück, mein Marco Polo gilt als Van, kostet nur 10 Euro am Tag. Und dann benötigt man noch das eigentliche Ticket fürs Rennen – ab 34 Euro ist man dabei. Alles in allem kein billiger Spaß, aber ein großer.
Ich brauche einen Boxenstopp. Da mein Camper kein Klo an Bord hat, begebe ich mich auf die Suche nach einer offiziellen Auslaufzone. Neben den blauen Mobil-Häuschen gibt es sogar Duschmöglichkeiten und wassergespülte Toiletten gegen Gebühr.

Ein Rennabenteuer kann so entspannend sein

Alternativ kann man nicht weit entfernt auf dem Campingplatz am Nürburgring übernachten. Auf den 1200 Stellplätzen dort sei alles erlaubt, was woanders verboten sei, verspricht der Betreiber: Lagerfeuer mit Gitarrenmusik etwa.
Camping 24h Nürburgring
Reichlich Platz für zwei Personen, bei vier Menschen könnte es kuschelig werden.
Bild: AUTO BILD

Egal, für mich sind auch Motorengeräusche Musik. Es wird Abend, ich klettere aus dem Cockpit ins Aufstelldach, falle mit reichlich Anpressdruck auf die Matratze – und bringe mich auf Ideallinie.
Während nachts die Autos an mir vorbeiheizen, wärmt bei mir die Standheizung. Und während unten die Fahrer ihre Runden drehen, drehe ich mich nur manchmal von der einen auf die andere Seite. Ein Rennabenteuer kann ja so entspannend sein.