Alpinski am großen Arber, Langlauf am Bretterschachten, Rodeln im Lamer Winkel: Der Bayerische Wald zählt zu Deutschlands Top-Wintersport-Destinationen. Kenner des Mittelgebirges wissen, dass es abseits der Loipen und Pisten so einige Urlaubs-Extras gibt: einen A 319 mitten im Wald zum Beispiel, kettensägenfreie Zonen, einen notorisch schlecht gelaunten Schreitroboter, in "Brettl“ geschnitzte Erinnerungen an Verblichene oder eine tolle Ergänzung zur Truma-Heizung. Willkommen im Land, wo Bär- und Blutwurz fließen!

Drachenmuseum – Furth im Wald

Nein, im Further Drachenmuseum geht es nicht um die Art von Drachen, die, an einer dünnen Schnur gehalten, im Wind segeln. Es geht um die bösen, feuerspeienden Kreaturen, zu denen Furth ein ganz besonderes Verhältnis hat. Denn einmal im Jahr führen die Further ihren "Drachenstich" auf, Deutschlands ältestes Volksschauspiel. Darin spielt ein übel gelaunter Drache die Hauptrolle, bis ihm ein unerschrockener Further Jüngling mit einem einzigen Stich den Garaus macht. Jeden Sommer geht das so, seit mehr als 500 Jahren! Das Drachenmuseum ist eine sehr viel jüngere Erfindung.
Hier geht es zu den passenden Stellplätzen im Bayerischen Wald!
Es existiert erst seit 2010 und klärt uns über die Hintergründe der Dauerfehde "Furth versus Drache", die Bedeutung der fantastischen Drachenstich-Geschichte und die darin vorkommenden Figuren auf. Natürlich ist der imposante Further Drache, der weltweit größte vierbeinige Schreitroboter, im Museum zu sehen, wenn er nicht gerade im Festspieleinsatz ist und in der Stadt für Angst und Schrecken sorgt. In anderen Kulturen steht der Drache übrigens nicht für Chaos und Zerstörung, sondern für Stärke, Glück und Weisheit. Warum und wo der Drache verehrt wird, erfahren Besucher in Furth. Ein kurioses und kurzweiliges Museum, das sich mit einem Untier beschäftigt, das es gar nicht gibt.
Schlossplatz 4, 93437 Furth im Wald
Tel. 0 99 73-5 09 80
www.landestormuseum.de
Öffnungszeiten s. Internet
Preise: 4 Euro (Erw.), 3,50 Euro (erm.), 11,50 Euro (Familien)

Konzerthaus – Blaibach

Das beschauliche Blaibach (2000 Einwohner) hat sich anno 2014 ein sehr ungewöhnliches Gebäude zugelegt: ein Konzerthaus, in dessen Zuschauerraum zehn Prozent aller Blaibacher und bis zu 60 Musiker Platz finden. Der Kulturtempel selbst weicht – vorsichtig formuliert – architektonisch ganz erheblich von der herkömmlichen Gebäudegestaltung im Bayerischen Wald ab: Architekt Peter Haimerl, geboren 1961 in Eben bei Viechtach, hat in Blaibach einen kantig-schroffen Bau aus Beton und Granit erschaffen.
Weitere Wohnmobil-Stellplätze finden Sie auf pincamp.de
Ein supermodernes Statement, das die Blaibacher zum Schnäppchenpreis bekommen haben. Ihr Konzerthaus gab's für "nur“ drei Millionen Euro. Der Klang im Saal ist laut Ohrenzeugen phänomenal, was dem futuristischen Gebäude den Beinamen "Wunder von Blaibach“ eingebracht hat. Die Heiligsprechnung der "Blaibacher Elphi" dürfte kurz bevorstehen.
Kirchplatz 4, 93476 Blaibach
Tel. 0 99 41- 9 49 50 65
www.kulturgranit.de

Rodeln im Lamer Winkel – Lam

In der Gegend um das 2700-Seelen-Dorf Lam ist das ganze Jahr über Urlaubssaison. Im Sommer kommen die Wanderer und Radfahrer, um das sanfte Hügelland zu erkunden. In der kalten Jahreszeit sind die Winter- und Schneeschuhwanderer dran. Vor allem aber ist der Lamer Winkel ein Paradies für Rodler, denn hier gibt es nicht weniger als neun (!) Rodelbahnen! Die beiden kürzesten in Arrach und direkt in Lam sind 200 Meter kurz und kinderfreundlich flach. Die beiden längsten messen 1200 Meter (Sonnenhang) und 3,5 Kilometer (Schareben), sind jeweils mit einem Ski-Bus erreichbar und erfordern recht robuste Hardware unterm Hintern.
Denn je nach Mut des Rodlers und Schneeverhältnissen geht's hier mit Tempo 30 oder schneller abwärts. Passende Schlitten gibt’s beim Verleiher, ein Kissen fürs Steißbein sollten Rodler selbst mitbringen. Schon wegen der Bodenwellen, die bei festgefahrenem Schnee auch mal "fies" werden können. Wer mehr Wert auf Fahrkomfort als auf Geschwindigkeit legt, rodelt am besten naturgefedert bei Neuschnee.
Infos zu Rodelbahnen im Lamer Winkel
unter www.bayerischer-wald.org
Lamer Winkel anklicken

Totenbretter – Arnbruck

Einst wurden Verstorbene im Bayerischen Wald bis zu ihrer Beisetzung auf eigens für sie angefertigten Totenbrettern aufgebahrt, damit die Familie, Freunde und oft das gesamte Dorf Abschied nehmen konnten. Nach der Bestattung wurden die "Brettl" am Friedhof aufgestellt und dienten der Erinnerung an den Verblichenen. Noch heute stehen sie zu Hunderten im Bayerischen Wald, so zum Beispiel in Lusen, Bodenmais oder Arnbruck. Das Erinnern fiel nicht immer schmeichelhaft für den Seligen aus. Üblicherweise gaben ihm die Hinterbliebenen noch ein paar persönliche Worte in Form einer Totenbrett-Inschrift mit auf den letzten Weg.
Die Botschaften ins Jenseits waren bisweilen ziemlich derb, aber doch irgendwie liebevoll. Wie im Fall einer Frau, die im Sommer 1854 im Alter von nur 25 Jahren von uns ging: "Hier ruht Theres Gschwendtner, sie wog zweieinhalb Zentner. Gott gebe ihr in der Ewigkeit nach ihrem G’wicht Glückseligkeit." Solche "Nachrufe“ erzählen uns heute davon, wie gelassen und selbstverständlich die Menschen früher mit dem Thema Tod umgegangen sind. Selbst der Tragödie des Todes konnten sie noch Amüsantes abgewinnen: "Durch einen Ochsenstoß kam er in Gottes Schoß. Er fand die ewige Ruh, durch dich, oh Rindviech, du!" Herzhafter, tröstender Humor. Mehr davon gibt es neben der Liebfrauenkapelle in Arnbruck, wo die längste Totenbrettergalerie im Bayerischen Wald zu sehen ist.
Zellertalstraße 30, 93471 Arnbruck

Winterwanderung – Böbrach

Eine der reizvollsten Winterwanderungen im Bayerischen Wald führt rund 20 Kilometer von Böbrach nach Viechtach. Die Strecke verläuft in Teilen über den jahrhundertealten Pilgerweg St. Wolfgang und ist wie geschaffen für eine winterliche Tour. Denn die Wanderer folgen streckenweise den sanften Schwüngen des Schwarzen Regen, dessen mildes Rauschen die Spaziergänger auf Schritt und Tritt begleitet – falls der Frost den Fluss nicht zum Schweigen gebracht hat.
Das kann in Kälteperioden durchaus vorkommen, vor allem dort, wo der Schwarze Regen nur langsam fließt. Dann verwandelt sich die Landschaft in eine winterliche Traumwelt. Keine Angst übrigens vor der 20 Kilometer langen Strecke. Sie ist recht flach und läuft sich kinderleicht – falls nicht über Nacht ein Meter Neuschnee gefallen ist.
Auskünfte: Tourist-Info
Stadtplatz 1, 94234 Viechtach
Tel. 0 99 42-80 82 50
Streckeninfos unter https://wandern.arberland-bayerischer-wald.de Pilgerwege und St. Wolfgang anklicken

Langlauf auf den Bretterschachten – Großer Arber

Im Schatten des höchsten Berges im Bayerischen Wald, dem Großen Arber (1456 Meter), liegt das Langlaufzentrum Bretterschachten. Von hier aus schlängeln sich 114 Kilometer Loipen für klassische Langläufer und Skater durch die unvergleichliche Winterlandschaft.
Die kürzeste Runde führt einmal ums Langlaufstadion, die längste ist rund 18 Kilometer lang und verläuft teilweise an den Flanken des Großen Arber. Wem selbst das noch zu kurz ist: Die Loipen lassen sich bestens zu einem Langlauf-Marathon verbinden. Schließlich zählt die Region zu den zehn größten Langlaufgebieten in Deutschland. Dank der günstigen Höhenlage zwischen 1100 und 1300 Metern dauert die Saison hier locker von Dezember bis Anfang April, wenn weiter unten, in Bodenmais, schon Haselnuss und Schlehe blühen.
Arberseestraße, 94249 Bodenmais
Tel. 0 99 24-77 81 35
www.bodenmais.de/langlaufen

Urwald-Erlebnisweg – Zwieslerwaldhaus

Der Hans-Watzlik-Hain nahe der abgelegenen Siedlung Zwies lerwaldhaus ist voller Leichen – und trotzdem kein Fall für den Bestatter oder gar die Kripo. Die 38 Hektar große Waldfläche wird seit den 1930er-Jahren sich selbst überlassen und ist voll mit Totholz. Nachwachsenden Bäumchen bieten die verrottenden Baumleichen Schutz und Nährstoffe. Über allem spannen sich mächtige Kronen von bis zu 500 Jahre alten, teils mehr als 50 Meter hohen Baumriesen: Buchen, Bergahornen und Tannen. Eine davon, die "dicke Tanne", ist die vermutlich stämmigste im gesamten Bayerischen Wald. Mitten durch die kettensägenfreie Wildnis führt der Urwald-Erlebnisweg "Hans-Watzlik- Hain", ein etwa sieben Kilometer langer Rundpfad. Sehr romantisch! Übrigens: Ein weiteres, herrlich düsteres Urwaldgebiet ist bei Lindberg zu sehen: die Höllbachgspreng.
Nationalparkzentrum Falkenstein, 94227 Lindberg
Tel. 0 99 22-5 00 20
www.nationalpark-bayerischer-wald.bayern.de
Startpunkt für die Urwaldwanderung: Zwieslerwaldhaus 28, 94227 Lindberg

Weißwurst-Diplom – Bodenmais

Der amtierende bayerische Weißwurst-Botschafter heißt Albert (Bertl) Fritz. Es ist sein (ehrenamtlicher) Job, Urlaubern die Weißwurst schmackhaft zu machen und ihnen in praktischen Übungen beizubringen, wie sie gegessen wird. Um es gleich vorwegzunehmen: "Zuzln" ist nicht (mehr) die feine bayerische Art. Heutzutage ist mindestens der präzise Längsschnitt angesagt, noch übertroffen von der Königsdisziplin in der Weißwurst-Zerlegung, dem König-Ludwig-Schnitt. Dabei wird die Wurst stückweise von einem Ende zum anderen im 45-Grad-Winkel seziert, sodass ein Rautenmuster entsteht. Die abgezogene Pelle erinnert an die Flagge des Freistaats Bayern.
Über die Technik klärt "Weißwurst-Chirurg" Bertl geduldig auf. Trost für alle Grobmotoriker: konventionell gezuzlt und mit einem Humpen Weißbier schmeckt die Wurst genauso gut. Wer aber scharf auf das Weißwurst- Diplom ist, muss durch die humorvoll-witzige Weißwurstschule gehen. Zum Glück nimmt es der Bertl mit der Abschlussprüfung nicht gar so genau. Tipp zum Nachspülen: Der "Schnapsladen", Bergknappenstraße 17, bietet mehr als 50 verschiedene Sorten Hochprozentiges feil, darunter selbstverständlich die Klassiker des Bayerischen Waldes: Bärwurz und Blutwurz. Beide sind übrigens vegan, auch wenn die Namen anderes vermuten lassen.
Buchungsanfragen unter Tel. 01 70- 3 46 90 68
www.weisswurstbayern.de
Seminare rund um die Weißwurst finden in der Metzgerei Einsle statt

Herrgottschnitzer – Bodenmais

Das Handwerk des Herrgottschnitzers hat eine jahrhundertelange Tradition im Bayerischen Wald. Seinen Ursprung hat es in der religiösen Kultur der "Waidler", wie sich die Einwohner des Mittelgebirges oft selbst nennen. Der Herrgottschnitzer fertigte Gegenstände an, die den gottesfürchtigen Menschen wichtig waren: Kruzifixe, Heiligen- und Madonnenfiguren und andere christliche Darstellungen. Bis ins 19. Jahrhundert war der Berufsstand eine wichtige Säule der Wirtschaft in der Region.
Heute zieht es vor allem Touristen in die verbliebenen Schnitzer-Werkstätten, zum Beispiel in die von Sebastian von Zülow. Er stellt Gebrauchsgegenstände wie Laternen, kleine Kunstwerke für Wand oder Vitrine, aber auch große Schnitzfiguren her. Selbstverständlich hat der Meister auch traditionelle Kruzifixe im Programm, schließlich ist er ja Herrgottschnitzer. Jedes Kreuz ist ein filigran von Hand geschnitztes Unikat und Schmuckstück für zu Hause oder fürs Reisemobil. Wer möchte, kann von Zülow in seiner Werkstatt dabei zusehen, wie er ein Stück Lindenholz in ein Kruzifix verwandelt. Magisch
Dreifaltigkeitsplatz 11, 94249 Bodenmais
Tel. 0 99 24-3 93
www.herrgottschnitzer.de
Öffnungszeiten: Mo.-Fr. 10-12 und 14-17 Uhr, Sa. 10-12 Uhr

Glasparadies Joska – Bodenmais

Die Glaskunstwerkstatt am westlichen Rand von Bodenmais ist im Wortsinn eine gläserne Werkstatt. Hier wird Glas geblasen, geschliffen und graviert, und zwar vor den Augen der Besucher, die sich auch selbst in der Glasbläserkunst versuchen und mit der Glasmacherpfeife eine Glaskugel zum Mitnehmen formen können. Natürlich geschieht all dies unter fachkundiger Anleitung und Aufsicht eines erfahrenen Glasmachermeisters, schließlich schmelzen die Glaszutaten je nach genauer Zusammensetzung erst bei einer Temperatur zwischen 500 und 1600 Grad.
Darum: immer schön Abstand halten zum Glasposten, wie Fachleute die glühend heiße, zähflüssige Rohmasse nennen. Wenn die Glasbläserarbeit erledigt ist, geht es bei Bedarf ins angeschlossene Restaurant, in dem das Personal regionale Schmankerl serviert. Souvenirjäger werden im Joska-Glasshop fündig. Schließlich ist es ja durchaus möglich, dass die selbst geblasene Glaskugel irgendwie komisch aussieht und sich am besten im Altglascontainer macht.
Am Moosbach 1, 94249 Bodenmais
Tel. 0 99 24-77 90
www.joska.com
Öffnungszeiten: tägl. ab 9.30 bzw. 10 Uhr (So.) bis 18 Uhr, an Wochenenden bis 17 Uhr

Gläserne Scheune – Viechtach

Die Gläserne Scheune ist ein Traum, und zwar der Traum des Künstlers Rudolf Schmid! Anno 1980 begann er gemeinsam mit seiner Familie, eine Scheune in ein außergewöhnliches Gesamtkunstwerk zu verwandeln. Markenzeichen des heute 86-Jährigen sind monumentale, beleuchtete Glasmalereien, die Geschichten aus dem Bayerischen Wald erzählen. Zum Beispiel die des Propheten Mühlhiasl, einer mystischen Gestalt, die sich im 18. Jahrhundert in allerlei nebulösen Weissagungen erging. Eine davon trat tatsächlich ein: "Der Wald wird so licht werden wie des Bettelmanns Rock."
Ganz klar, damit meint der Mühlhiasl die große Borkenkäferplage, die in den 1990ern Teile des Bayerischen Waldes heimsuchte. Schmid hat dem "Propheten" eine 7 x 10 Meter große Glasmotivwand gewidmet. Etwas kleiner fallen die gläsernen Reminiszenzen an den Mitte des 19. Jahrhunderts im Wald gefürchteten Räuber Heigl, an Franz von Assisi oder einen Glasscheifer namens Austen aus. Hinzu kommen typische regionale Motive, wie eine gläserne Darstellung der mystischen Raunächte. Neben Glaskunst sind in Schmids Scheune auch überdimensionale Holzschnitzereien zu sehen. Ein im Wortsinn großartiges Langzeit-Kunstprojekt, Rudolf Schmids künstlerisches Lebenswerk.
Rauhbühl 3, 94234 Viechtach
Tel. 0 99 42- 81 47
https://glaeserne-scheune.de
Winterpause endet am 18. April 2025

Alpinski – St. Englmar

Wie eine Spinne sitzt der kleine Bergort St. Englmar (1600 Einwohner) im engmaschigen alpinen Pistennetz von Predigtstuhl, Pröller, Hirschenstein, Klinglbachkopf und Kogl, allesamt mehr als 1000 Meter hoch. Dank der großen Auswahl an Bergen, Liften und Pisten stehen sich Alpinsportler nicht gegenseitig auf den Brettern, sondern können recht entspannt und ungestört durch den Winter gleiten. Das gilt gleichermaßen für klassische Langläufer und Skater, für die in der Region mehr als 100 Loipenkilometer gespurt sind. Da kann jeder beim Laufen abschalten und seinen Gedanken nachhängen.
Deutlich wilder geht es dagegen auf den diversen Rodelhängen und in den Fun-Parks für Snowboarder und Kinder zu. Wer die Gegend einmal ohne Bretter unter den Füßen erkunden möchte, kann die stille Natur des Bayerischen Waldes während einer Wanderung genießen. Rund 50 Wege sind vom Schnee geräumt. Bei der Tourplanung die Einkehrmöglichkeiten nicht vergessen! Eine Liste mit Berggasthöfen gibt es im Internet unter www. skilifte-st-englmar.de/gaststaetten.
Tourist-Info, Rathausstraße 6, 94379 Sankt Englmar
Tel. 0 99 65-84 03 20
www.urlaubsregion-sankt-englmar.de
Schnee-Tel. 0 99 65-1 97 50
Preisbeispiel Tageskarte Predigtstuhl: 23 Euro (Erwachsene), 18 Euro (Kinder)

Waldwipfelweg – Maibrunn

Der spiralförmige Aussichtsturm und der angrenzende, 370 Meter lange Waldwipfelweg ist nur eine von vielen Attraktionen in Maibrunn. So führt der Holzweg durch die Baumkronen geradewegs in einen ausrangierten echten Airbus A319! Bis zu 69 Personen finden in dem umgebauten Flieger Platz. Drinnen erwartet Besucher ein besonderes Flugabenteuer, das zum Glück ungefährlich ist. Das Flugzeug bleibt am Boden, so viel sei an dieser Stelle schon verraten. Ebenfalls sehr beliebt: eine 25 Meter über dem Boden schwingende Hängebrücke und die Höhle der Illusionen. Was sich dahinter verbirgt? Muss man selbst erleben.
Maibrunn 9a, 94379 St. Englmar
Tel. 0 99 65-8 00 87
www.waldwipfelweg.de
Öffnungszeiten im Winter: tägl. 9-17 Uhr, von November bis Februar Di. u. Mi geschlossen
Preise: 12 Euro (Erw.), 6 Euro (Kinder), 30 Euro (Familien)

Bayerwald-Brennerei – Haibach

Die meisten von uns würden sicher zögern, in eine Frucht namens Lederapfel hineinzubeißen. Klingt doch reichlich zäh. In flüssiger Form lässt sich der Lederapfel aber sehr gut konsumieren, wie der gleichnamige Edelbrand der Familie Weindl aus Haibach beweist. Er ist mild, fruchtig und ein Tropfen, den Kenner etwa so langsam genießen wie einen guten Whisky: Die Delikatesse wird im Mund mit der Zunge hin- und hergerollt, damit sie all ihre Fruchtaromen freigeben kann.
Das gilt auch für die anderen acht Edelbrände aus dem Hause Weindl. Sie alle werden ohne Farb-, Geschmacks- oder Konservierungsstoffe und wie in alten Zeiten im Zweifach-Brennverfahren hergestellt und wärmen wunderbar von innen. Für Wintercamper eine Super-Ergänzung zur Truma-Heizung. Liköre haben die Weindls auch im Programm – für die etwas milderen Wintertage.
Vornwald 5, 94353 Haibach
Tel. 01 60- 7 21 21 68
www.bayerwald-brennerei.de

Skigebiet Geißkopf – Bischofsmais

Geißkopf (1097 Meter) und Einödriegel (1121 Meter) bilden zusammen ein besonders bei Familien und Einsteigern beliebtes Ski- und Snowboardgebiet. Alpinsportler haben die Wahl zwischen neun breiten, sehr abwechslungsreichen Abfahrten. Hinauf geht's mit der neuen 6er-Sesselbahn oder einem der Schlepp- und Anfängerlifte.
Ein Geheimtipp ist die zwei Kilometer lange, per Sessellift erreichbare Naturrodelbahn. Sie kann mit eigenem Schlitten befahren werden, falls dieser der Sicherheitsnorm entspricht. Denn die Bahn ist nicht so ganz "ohne". Für Snowboarder und Freestyler sind zwei Funparks eingerichtet, Kids trainieren erste Abfahrtschwünge im Geißleinpark. Abseits der Pisten locken mehrere Schneebars: Auch in der Wintersportdisziplin Après-Ski ist der Bayerische Wald weit vorn mit dabei.
Geißkopfbahn, Unterbreitenau 3, 94253 Bischofsmais
Schneetelefon: 0 99 20-4 85
https://geisskopf.de/winter
Preise Tagesticket: 42 Euro (Erw.), 32 Euro (erm.), 23 Euro (Kinder)

Eisstockschießen – Regen

Die Winter im Bayerischen Wald können lang sein. Sehr lang. Wegen der Höhenlage und des kontinental beeinflussten Klimas setzt kaltes Wetter häufig schon im November ein und endet irgendwann im April, wenn anderswo schon die Obstbäume blühen. Sechs Wintermonate, da wird es manchem "Waidler" dann doch etwas langweilig. Darum zieht es viele hinaus in die Kälte zum Eisstockschießen, das sich irgendwann im 16. Jahrhundert zu einer Art Winter- Volkssport im Bayerischen Wald entwickelt hat. Ob auf zugefrorenen Weihern, Bächen oder extra präparierten Eisbahnen: Fast in jedem Dorf geht's im Winter um den "Stock" und darum, ihn so nah wie möglich an der
Daube, dem runden Zielmal auf dem Eis, zu platzieren. Auf der 1800 Quadratmeter großen Eisfläche der Eishalle Regen kann jeder von Oktober bis März seine Geschicklichkeit im Eisstockschießen testen. Der gesellige Sport hat etwas von "Mensch ärgere Dich nicht". Denn der Gegner kann die Stöcke der anderen Partei, ähnlich wie beim Boule, jederzeit von der Daube wegschießen. Überraschend für Eisstock-Novizen: Wegen der ständigen Bückbewegung geht der Wintersport ordentlich auf den "Musculus gluteus maximus", zu Deutsch: auf den Hintern. Das merken Untrainierte aber meist erst, wenn es zu spät ist, nämlich an den Tagen nach dem Wettkampf. Bei manchen wird der Gesäßmuskelkater auch noch durch eine Verspannung der vorderen Oberschenkelmuskulatur ergänzt. Doch nach dem Muskelschmerz kommt die Freude am wohlgeformten Po.
Eishalle, Poschetsrieder Straße 45, 94209 Regen
Tel. 0 99 21-96 05 41 40
www.eishalle-regen.de
Öffnungszeiten siehe Internet

Schott-Glas Werksverkauf – Zwiesel

Was hat der Werksverkauf von Schott mit dem Pariser Louvre zu tun? Streng genommen nichts. Mit ein wenig Fantasie lässt sich dennoch eine Parallele ziehen: Vor seinem Werksverkaufsgebäude ließ der Kristallglashersteller 2007 eine Pyramide aus 93.665 Weingläsern errichten. Den Job mussten natürlich die Schott-Azubis erledigen, wer auch sonst? Die Pyramide ist 8,06 Meter oder 65 Weinglas-Etagen hoch, 11,6 Tonnen schwer und durch eine übergestülpte Glaspyramide geschützt. Mit dieser "Verkleidung" erinnert sie an die gläserne Pyramide vor dem Louvre. Vielleicht ist sie deshalb eines der beliebtesten Fotomotive in der Glasbläserstadt.
Ein Schott-Besuch lohnt sich aber nicht nur, um ein ausgefallenes Urlaubsfoto zu schießen, sondern auch für einen Bummel durch den Werksverkauf. Dort gibt es Glasprodukte der Marken "Zwiesel 1872“, "Schott-Zwiesel" und "Jenaer Glas" zu Vorzugspreisen. Eine gute Gelegenheit, um sich mit den nötigen Baustoffen für eine eigene Weinglas-Pyramide im Garten einzudecken. Falls Sie gerade keine Azubis haben: Es müssen ja nicht gleich 93.665 Gläser sein. Eine Pyramide lässt sich schon aus drei Gläsern bauen.
Dr.-Schott-Straße 35, 94227 Zwiesel
Tel. 0 99 22-9 82 49
www.zwiesel-glas.com
Öffnungszeiten: Mo.–Sa. 9–18 Uhr

Bayernwald-Sauna – Zwiesel

So romantisch der tief verschneite Bayerische Wald im Winter auch ist: Die wettermäßig lausigsten Tage verbringen Urlauber am besten im Warmen. Im Bayerischen Wald bedeutet dies: ab in die nächste Glashütte – oder in die Bayernwald-Sauna. In Letzterer geht es zu jeder vollen Stunde besonders heiß her, denn dann ist Aufgusszeit im größten Saunadorf des Mittelgebirges. Die "Schwitzsiedlung" besteht aus mehreren Dampfbädern und finnischen Saunen sowie einer Kräuter- und einer Bärwurz-Sauna.
Hier wird zwar die alkoholfreie Variante der traditionellen Spirituose aufgegossen, doch die typisch erdig-würzigen Bärwurz- Aromen sind nicht zu überschnüffeln. Eine tolle Sauna mit regionalem Bouquet. Zum Abkühlen geht's zur Quellwasser-Sprühnebelarkade oder in den Saunagarten. Alternativ oder ergänzend zum schweißtreibenden Programm gibt es in Zwiesel ein Sole-Thermalbecken und ein Gradierwerk. Gut für die Bronchien – und gut für all die vielen Pechvögel, die sich jeden Winter eine dicke Nasennebenhöhlenentzündung einfangen. Der salzige Nebel im Gradierwerk verspricht Linderung. Tief einatmen!
Badstraße 6, 94227 Zwiesel
Tel. 0 99 22-50 10 40
Öffnungszeiten: Di.–So. 12–22 Uhr, Donnerstag Damensauna
Preis Tageskarte: 18 Euro

Glasmuseum – Frauenau

Seit 700 Jahren ist der Bayerische Wald für seine hochwertigen Glaserzeugnisse bekannt. Den Ruf als Hochburg des Glasbläserhandwerks verdankt er seinen üppigen Quarzvorkommen – und dem dichten Wald. Denn der lieferte über Jahrhunderte den Brennstoff Holz, mit dessen Hilfe Quarzsand, Soda und Kalk auf bis zu 1600 Grad erhitzt und zu einer homogenen Glasmasse verschmolzen wurden. Wie genau all das geschieht und wo und wie die Geschichte des Glases vor 5000 Jahren begann, erzählt das Frauenauer Glasmuseum.
Zum Beispiel anhand kunstvoll gefertigter Gebrauchsgegenstände wie Schnupftabakgläsern, von denen manche einen Marktwert von 100.000 Dollar und mehr haben! Und weil dabei sein alles ist, empfiehlt sich nach dem Museumsbesuch ein Abstecher zur nur 700 Meter entfernten Glasmanufaktur Freiherr von Poschinger (www.poschinger.de), Moosauhütte 14. Hier wird jedes einzelne Glas von Mund geblasen, von Hand geformt und veredelt. Touristen können sich die einzelnen Schritte der Glasherstellung vom Schmelzen im Ofen bis zum veredelten Stück ansehen und sogar selbst Glas blasen. Eine hitzige Angelegenheit, die einen Besuch in der Bayernwald-Sauna (Ziel 18) überflüssig macht.
Am Museumspark 1, 94258 Frauenau
Tel. 0 99 26-94 10 20
https://glasmuseum-frauenau.de
Öffnungszeiten: Di.-So. 9-17 Uhr
Preise: 5 Euro (Erw.), 4 Euro (erm.), 1 Euro (sonntags), Jugendliche bis 18 J. frei

Winterwandern – Großer Rachel

Was für eine himmlische Ruhe! Wer im Winter durch den Schnee auf den Großen Rachel (1452 Meter) und um den waldumsäumten, zugefrorenen Rachelsee stapft, kann ganz den eigenen Gedanken nachhängen und tief Bergluft holen. Ein guter Startpunkt für die leichte, 14 Kilometer lange Rundtour ist Frauenau. Der romantische, verschneite Weg führt teils durch unberührten Urwald. Unterwegs ist ein Abstecher zum verfallenen "Märchenschloss" Oberfrauenau möglich und trotz seines Zustandes sehr zu empfehlen. Der Bau, in den 1950ern größtenteils abgerissen, galt einst als kleine Schwester von Neuschwanstein. Nur eine Kapelle entging damals der Abrissbirne. Ein herrlicher Winterwanderweg, an sonnigen Wintertagen mit Romantikfaktor 10 von 10.
Infos: Tourist-Büro, Am Museumspark 1, 94258 Frauenau
Tel. 0 99 26-7 97 90 01
www.frauenau.de

Braunbär-Freigehege – Lusen

Bei der Winterwanderung auf den Großen Rachel (Ziel 20) sind Begegnungen mit Braunbären zum Glück ausgeschlossen. Ganz anders im Lusener Tierfreigelände: Hier sind sie sogar ausdrücklich erwünscht! In Lusen leben rund 40 verschiedene Wildtierarten in großen naturnahen und natürlich gut gesicherten Gehegen. Besucher können sich gefahrlos bis auf wenige Armlängen Bären, Wölfen, Luchsen und anderen gefährdeten Tierarten nähern.
Darunter sind auch Wisente, Fischotter und das stark vom Aussterben bedrohte Auerhuhn. Das große Federvieh war noch bis in die 1960er-Jahre im Bayerischen Wald weit verbreitet, bis sich sein Lebensraum durch Wald-und Forstwirtschaft immer weiter verkleinerte. Angesichts des Urwaldprojekts Bayerischer Wald haben die großen Vögel nun wieder eine etwas größere Überlebenschance.
Böhmstraße 35, 94556 Neuschönau
Tel. 0 85 58-9 61 50
www.nationalpark-bayerischer-wald.bayern.de
Rund um die Uhr geöffnet

Glaskünstler Klaus Büchler

Er stellt Glaskunstwerke und gläserne Gebrauchsgegenstände von erlesener Schönheit und Perfektion her: Seit Jahrzehnten hat der Name Klaus Büchler einen ausgezeichneten Klang, wenn es um Glaskunst aus dem Bayerischen Wald geht. Die Arbeiten des Glasschleifers sind in einem Ausstellungsraum in Spiegelau zu sehen und zu kaufen. Derweil kümmert sich der Meister ein Stockwerk darunter um den Nachschub. Wer möchte, kann Büchler auf Anfrage bei seiner filigranen Arbeit in seiner Kellerwerkstatt zusehen – und das Ergebnis als Souvenir erwerben.
Adalbert-Stifter-Straße 2, 94518 Spiegelau
Tel. 0 85 53-4 96
www.klausbuechler.de

Baumwipfelpfad – Neuschönau

Waldbaden mal anders: Vom 1300 Meter langen Baumwipfelpfad aus können Schwindelfreie dem Meer aus Tannen, Fichten und Buchen beim wilden Wogen im Winterwind zusehen. Der Perspektivwechsel ist ein tolles Erlebnis. Nur wenigen ist vor dem Aufstieg klar, dass die Waldwelt aus 44 Meter Höhe so atemberaubend anders aussieht als vom Boden. Herzstück des Waldwipfelpfads ist das "Baum-Ei", ein luftiger Aussichtsturm, durch den sich ein spiralförmiger Weg nach oben windet. Mit jedem Schritt wird der Blick spektakulärer.
Als bodenständige Ergänzung dazu bietet sich ein eher klassischer Waldspaziergang mit einem Ranger an (Termine siehe Internet). Auf zweistündigen Touren durch die Wildnis erklären Experten unter anderem das spannende Urwaldkonzept für den Bayerischen Wald: Nach der verheerenden Borkenkäfer-Plage in den frühen 1990er-Jahren wird der Wald in Teilen ganz sich selbst überlassen. Mit Erfolg: Die unberührte Natur hat sich über die Jahrzehnte prächtig erholt. Die Millionen "Baumleichen" von einst dienen dem wild sprießenden "Urwald" als Baustoff.
Böhmstraße 43, 94556 Neuschönau
Tel. 0 85 58-73 89 10
https://treetop-walks.com/bayerischer-wald
Öffnungszeiten Winter: 9.30-16 Uhr, Di. u. Mi. geschlossen
Preise: 12 Euro (Erw.), 11 Euro (erm.), 10 Euro (Jugendliche 6-14 J.), 29 Euro (Familien), Kinder unter 6 Jahren frei

Schnupftabakmuseum – Grafenau

Mit Altkanzler Helmut Schmidt († 96) ging 2015 der gefühlt letzte Tabakschnupfer Deutschlands von uns. Kettenraucher Schmidt musste im Plenarsaal des Bundestages wegen des dort geltenden Rauchverbots auf die Ersatzdroge Schnupftabak ausweichen und zog sich während der ungezählten Debatten seiner Zeit wohl Hunderte Prisen in die Nasenflügel. Das Grafenauer Museum zeichnet den Kult um den Schnupftabak, der im späten 18. Jahrhundert begann, anhand von mehr als 600 reich verzierten Tabakgläsern und -dosen aus aller Welt nach.
Einige davon sind antik. Schnupfen gehörte einst bis in die höchsten Kreise zum Leben dazu, gestandene Mannsbilder hatten stets ein kleines "Bixl" mit Schleimhaut reizendem Brasiltabak für den Nikotinkick zwischendurch dabei. Je nach Stand, Berufsgruppe und Anlass waren sehr unterschiedliche Döschen und Gläser angesagt, die Schnupfer mit sich trugen, um jederzeit ihrem Laster frönen zu können.
Zu sehen sind auch Maschinen aus der Schnupftabakfabrik Bogenstätter, die das Gold der Region herstellte: "Perlesreuter Schmalzler", ein früher sehr beliebter Nasen-Knaster. Weiteres Highlight ist das größte Schnupftabakglas der Welt, mit dessen Inhalt sich Tausende Nasen versorgen ließen. Schon ohne Inhalt wiegt es 32 Kilogramm. Total unpraktisch, sieht aber imposant aus. Wer den Nasenkitzel einmal selbst spüren möchte: nur zu! Im Museum haben Erwachsene Gelegenheit, sich mal eine kleine Prise Schmalzler in den Riechkolben zu ziehen. Taschentuch mitnehmen.
Spitalstraße 5, 94481 Grafenau
Tel. 01 75- 2 13 84 09
www.grafenau.de
Öffnungszeiten: Do. 10-13, Fr.-So. 14-17 Uhr
Preise: 2 Euro (Erw.), 1,25 Euro (Kinder ab 6 J.)

Granitzentrum – Hauzenberg

Allzu sexy klingt der Name des Steinmuseums im Süden des Bayerischen Waldes nicht – wenn man nicht gerade Steinmetz von Beruf ist. Doch schon der kantig-futuristische Museumsbau macht klar: Dieses Museum ist außergewöhnlich. Besucher erleben eine multimediale geologische Zeitreise und blicken dabei tief unter die Erdoberfläche: Sie erfahren, wie Plattentektonik und Kontinentaldrift unsere Erdoberfläche geprägt haben.
Der Standort des Museums ist kein Zufall. Hauzenberg gilt als Granitstadt mit einer langen Tradition in der Granitgewinnung und -verarbeitung. Wer mag, kann der steinigen Geschichte ein kleines Kapitel hinzufügen und sich bei gutem Wetter im Schausteinbruch auf dem Freigelände eigenhändig ein Souvenir aus dem Hauzenberger Fels herausschlagen.
Passauer Str. 11, 94051 Hauzenberg
Tel. 0 85 86-9 76 99 60
https://granitzentrum.bayern
Öffnungszeiten: Di.-So. 10-18 Uhr
Preise: ab 6 Euro

Knarzende Kunst – Meßnerschlag

Die Skulpturen von Michael Lauss sind im Wortsinn schräg: grobe, aus größeren und kleinen farbigen Holzstücken zusammengefügte, sehr detailreiche Gebilde. Einige sind gewollt windschief und vermitteln den Eindruck, als könnten sie im nächsten Moment umkippen. Doch keine Sorge, der Holzbildhauer und Maler weiß sehr genau, was er tut und wie er seine "knarzende Kunst" richtig ausbalanciert. Zu Lauss' Werken zählen ein lebensgroßes Pferd aus Holzfragmenten, ein Hirsch, überlebensgroße Menschen und vieles mehr.
Die Einzelteile werden allein durch Holznägel zusammengehalten. Der Autodidakt ist ein Meister darin, "Zerstückeltes wieder zusammenzubauen". Den Job macht er seit mittlerweile 40 Jahren. Sein Arbeitsmaterial hat der Kettensägen-Künstler gleich vor der Tür: Holz aus dem Bayerischen Wald. Die Werke des 69-Jährigen sind regelmäßig in der Region zu sehen – oder in der "Schnitzwelt" in Wegscheid. Hier sind kleinere Arbeiten des Künstlers ausgestellt und zu kaufen: Tierfiguren, grobe, farbenfrohe Kruzifixe, Engel, Madonnen oder "Profanes" wie Statuetten von Bergsteigern, Posaunisten oder Bauern.
Schnitzerei-Werkstatt, Marktstraße 7, 94110 Wegscheid
Tel. 0 15 75-0 13 11 52
michaellauss.de
Öffnungszeiten: Di.-Sa. 9-12 Uhr

Dackelmuseum – Regensburg

Sie sind wieder da! Nach gefühlt fast drei dackelfreien Jahrzehnten erleben die Kurzbeiner in Deutschland ein Comeback. Die Dackeldichte ist deutlich sichtbar angestiegen. Zu Tausenden führen die durchsetzungsstarken Hunde wieder ihre Frau- oder Herrchen zum Gassigehen aus (nicht etwa umgekehrt). Zwei Passauer Dackelliebhaber haben dem Kulthund 2018, pünktlich zum neuen Teckel-Hype, ein ganzes Museum in Passau gewidmet.
2023 zog es das Rudel in die neue Dackel-Dependance nach Regensburg. Die Museumssammlung umfasst mittlerweile rund 30.000 Objekte, von denen etwa 5000 in der Ausstellung zu sehen sind. Besucher erfahren unter anderem, was der Dackel mit dem deutschen Adel und dem Freistaat Bayern zu tun hat, warum er so mutig und eigensinnig und manchmal auch so "giftig" ist.
Zu sehen ist auch allerlei Kurioses, darunter das Olympia-Dackel-Maskottchen "Waldi" von 1972, schräge Dackel-Weihnachtsdeko oder Fotos weltberühmter Dackelfans, etwa von Pablo Picasso, Andy Warhol oder dem deutschen Dackel-Narren Kaiser Wilhelm II. Der errichtete seinem Kurzhaarteckel Erdmann (1890-1901) nach dessen Tod ein opulentes Grabmal in Kassel. Die besondere Würdigung seines blaublütigen Herrchens hat sich Erdmann mit Loyalität und treuem Dackelblick redlich verdient. Ein kauziges Museum mit viel Augenzwinkern und Liebe – weltweit das einzige seiner Art.
Weiße-Hahnen-Gasse 3-5, 93047 Regensburg
Tel. 09 41-30 77 17 73
www.dackelmuseum.de
Öffnungszeiten: tägl. 10-17 Uhr
Preise: 6 Euro (Erw.), 4 Euro (erm.), Kinder bis 12 J. frei

Scharfrichterhaus – Passau

Im Mittelalter machten die Passauer lieber einen großen Bogen um das Scharfrichterhaus. Verständlich, denn seinen Namen verdankt das Gebäude an der Milchgasse einem seiner früheren Bewohner. Dessen Job war es, Todesurteile zu vollstrecken. Anders als damals gehen die Passauer heute sehr gern "zum Henker". Denn 1977 zogen ein Zentrum für politisches Kabarett, Kleinkunst und Musik sowie ein gemütliches Gewölbekellerlokal in das alte Bürgerhaus.
Auf der Karte stehen regionale Speisen, was für die Drei-Flüsse- und Grenzstadt Passau bedeutet, dass die böhmische, vor allem aber die österreichische Küche ins Gastro-Konzept einfließen. Auf den Teller kommt Deftiges, beispielsweise böhmischer Rahmbraten vom Wildschwein mit Knödeln und Preiselbeeren, Tauernlamm oder steirisches Backhendl auf Rahmgurken. Das gibt Kraft für den winterlichen Trip durch den Bayerischen Wald.
Milchgasse 2, 94032 Passau
Tel. 08 51-3 59 00
www.scharfrichterhaus.de
Öffnungszeiten: Di.-Sa. ab 17 Uhr
Alle Angaben ohne Gewähr. Bitte prüfen Sie vor der Abreise alle Angaben wie Öffnungszeiten und Preise.
Autor: Jens Lehmann