Camping-Kolumne "Frisos Lagerfeuer": Folge 3
Warum große Wohnmobile oft falsch eingeschätzt werden

XXL-Liner spalten die Campingwelt. Friso Richter erklärt, warum Vorurteile oft nichts über die Menschen darin verraten.
Bild: F. Richter
- Friso Richter
Herzlich willkommen zu meiner Camping-Kolumne hier exklusiv in AUTO BILD REISEMOBIL. Jetzt stellt euch vor: Ihr liegt völlig entspannt und dösig in eurem Klappstuhl auf dem Campingplatz, und plötzlich verdunkelt sich der Himmel! Die Sonne verschwindet, und ein kühler, bedrohlicher Schatten legt sich auf euren nackten Bauch. Ist es der dunkle Herrscher Sauron aus "Herr der Ringe", der dich in einen Bann ziehen möchte?
Nein, die neuen Camping-Nachbarn sind angekommen. Noch kannst du sie nicht sehen, denn sie thronen hoch oben in ihrem XXL-Liner. Über elf Meter lang, 2,50 Meter breit und so hoch wie eine Betonmauer im Hochsicherheitsgefängnis. Einfach ein aus Kunststoff und Blech wahr gewordener … ja, was denn jetzt? Traum oder Albtraum?
Hat das noch etwas mit Camping zu tun?
Die meisten Menschen, die ich treffe, sagen: "Das hat doch nichts mehr mit Camping zu tun!" Und ich muss ihnen irgendwo recht geben. Denn wenn mich jemand fragt, was für mich Camping ist, sage ich: Freiheit und das Gefühl zu wissen, dass man auch mit weniger auskommt und glücklich ist.

XXL-Liner auf dem Campingplatz: Die rollenden Luxuswohnungen sorgen oft für Diskussionen – und viele Vorurteile.
Bild: Christoph Boerries
Gut, jetzt wissen wir natürlich nicht, worauf XXL-Wohnmobil-Besitzer alles bei ihrer Tour verzichten müssen. Immerhin müssen der Swimmingpool, der hauseigene Golfplatz und der Ferrari zu Hause bleiben – da bleibt nur Platz für einen popeligen Smart in der Heckgarage. Und Bums sind wir mittendrin: Wir sind voller Vorurteile!
Die Menschen hinter den XXL-Linern
Ich habe sehr viele dieser Menschen getroffen, und sie waren durch die Bank weg alle total nett! Entweder war es ein altes Ehepaar, das immer schon davon geträumt hat, mit so einem Geschoss zu reisen, oder ein Pilot, der damit genau zwischen zwei Flughäfen stand, um unter anderem die Bundesregierung zu fliegen, oder auch Menschen mit einer unheilbaren Krankheit, die alles verkauft haben, um jetzt ihre letzte Reise anzutreten. Was ich euch damit sagen will: Nur weil das Teil so groß ist, ist es nicht gleich ein rollender Schwanzvergleich. Redet mit den Menschen, denn es lohnt sich.
Wir sind alle Camper, und Neid sollte da einfach keine Rolle spielen.
Ob ich so ein Elf-Meter-Geschoss haben möchte? Ich glaube nicht zum Campen, denn ich habe schon gehört, dass es gar nicht so leicht ist, mit den Camping-Elefanten überall hinzukommen. Außerdem bin ich nicht so ein Fan von Marmor, Chrom, weißen Ledersitzen und Bling-Bling. Aber ich könnte mir vorstellen, in so ein Teil einzuziehen, um darin mal zu wohnen. Es müsste halt eine große Heckgarage haben, denn klar: Ohne mein Oldtimer-Wohnmobil Pamela geht es für mich nirgendwo hin – euer Friso.
Camping-Checker und Podcaster Friso Richter
Mit der Sendung "Camping-Check" erreichen Friso Richter und sein Kollege Lukas Lowack ein Millionenpublikum im öffentlich-rechtlichen Fernsehen. Inzwischen gibt es in der ARD-Mediathek mehr als 40 Folgen des beliebten Formats. Darin sucht Friso nach neuen Trends und kuriosen Geschichten aus der bunten Welt des Campings. Dabei spricht der gebürtige Münsterländer mit interessanten Menschen und besucht spannende Orte. Neuausstrahlungen laufen zur begehrten Sendezeit um 20.15 Uhr im Hessischen Rundfunk. Außerdem produziert Friso mit seinen Radio-Kollegen Melli Ebeling und Martin Putz den Podcast "Natural Born Campers". Darin sprechen die drei auch über vermeintliche Tabus und beackern auf charmante und unterhaltsame Art sämtliche Camping-Themen.
www.frisorichter.de
E-Mails: redaktion@autobild-reisemobil.com
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