Wer hat an der Uhr gedreht? Paulchen Panther war es nicht, sondern in der Regel ein krimineller Autoverkäufer, der illegal den Preis eines gebrauchten Autos in die Höhe drücken will. Nicht selten auf dem Gebrauchtwagenmarkt. Im Schnitt steigert ein nach unten manipulierter Kilometerstand den Wert eines Gebrauchten nämlich um rund 3000 Euro. Der Schaden beläuft sich laut Expertenschätzung auf sechs bis sieben Milliarden Euro. Pro Jahr!
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Opfer von Tachomanipulationen sind meist private Gebrauchtwagenkäufer

Abhilfe gegen das kriminelle Handeln verspricht CarCert. Das Start-up bietet einen digitalen Autolebenslauf an und ist im November 2021 auf dem deutschen Markt gestartet. Die Dienstleistung klingt so einfach wie genial: eine lückenlose Dokumentation über die Geschichte eines Autos. Denn Opfer von Tachomanipulationen sind in der Regel private Gebrauchtwagenkäufer.
 
Tachotrickser austricksen
Tipp gegen Tachotrickser: Bei Werkstattarbeiten wird der Kilometerstand hinterlegt. Im Zweifel die Werkstatt anrufen.
Dabei drohen nicht nur ein überhöhter Kaufpreis, sondern auch teure Folgeschäden. Wird ein niedrigerer Kilometerstand vorgegaukelt, können wichtige Wechselintervalle, wie etwa der Austausch des Zahnriemens, verpasst werden. Reißt dieser, kommt es oft zu kapitalen Motorschäden, und die Reparatur kostet viele Tausend Euro.

Daten-Quellen sind Prüforganisationen, ADAC und Deutsche Automobil Treuhand

Das Start-up CarCert verspricht deshalb einen transparenten Lebenslauf für gebrauchte Autos ab drei Jahren. Der volldigitale Prozess soll fälschungssicher und komplett datenschutzkonform sein. Ziel: ein fairer Preis beim Autoverkauf. Im Lebenslauf bestätigt der Onlinedienst angegebene Kilometerstände, durchgeführte Hauptuntersuchungen (HU), Rückrufe für das Modell sowie den ursprünglichen Neupreis inklusive Fahrzeugdetails wie Serienausstattung und Extras. 
Dabei greift CarCert auf die folgenden Datenquellen zu: Die Kilometerstände aus der HU kommen von den Prüforganisationen (DEKRA, GTÜ, KÜS und TÜV). Infos über Rückrufe liefert der ADAC, die Referenzwerte zu Fahrleistungen und Kosten des Autos stellt die Deutsche Automobil Treuhand (DAT) zur Verfügung.
Tachotrickser austricksen
Tipp 2: Prüfen Sie die HU-­Berichte. Hier steht immer der Tachostand drin. Das gilt auch für das Serviceheft. So können größere Lücken erkannt werden.
Um den Dienst besonders zuverlässig zu machen, verhandelt CarCert aktuell mit Autoherstellern, Werkstätten und Versicherern. CarCert gibt an, momentan bereits für vier von fünf Gebrauchtwagen die entsprechenden Informationen bereitstellen zu können. Die Daten reichen bis 2012 zurück. Zu diesem Zeitpunkt wurde die HU digitalisiert. Daneben gibt es auch Lebensläufe für Zweiräder und Lastwagen.

Es gibt auch kritische Stimmen zum Onlinedienst CarCert

Vorbilder für den digitalen Lebenslauf sind Carfax aus den USA und der in Belgien 2006 eingeführte Car-Pass. Dort ist das Dokument zu jedem Gebrauchten mittlerweile sogar Pflicht. Wie belgische Zeitungen berichteten, ist seit der Einführung die Zahl der tachogedrehten Gebrauchten stark zurückgegangen. Es empfiehlt sich dennoch, die Kilometerstände vor dem Verkauf selber zu kontrollieren. Alles bestens also? Nicht ganz. 
Tachotrickser austricksen
Tipp 3: Mit der Carly­App und dem fahrzeugspezifischen OBD­2­-Adapter lassen sich gespeicherte Kilometerstände auch von Laien auslesen.
Zumindest ADAC und freie Kfz-Händler sehen den Onlinedienst CarCert kritisch. "Als Hilfe zur Aufdeckung von manipulierten Kilometerständen sieht der ADAC das Zertifikat kritisch. Wir halten kommerziell betriebene Datenbanken für keine gute Lösung, da sie aus unserer Sicht unsicher und lückenhaft sein können", sagt Katja Legner, ADAC-Sprecherin. Und Ansgar Klein, Geschäftsführender Vorstand Bundesverband freier Kfz-Händler, sagt: "Dienste wie CarCert bieten häufig eine trügerische Sicherheit, was nach unserer Auffassung gefährlicher ist, als sich eine gesunde Portion Misstrauen zu bewahren."

CarCert: In fünf Minuten zum Autolebenslauf

Den digitalen Lebenslauf für Ihren Gebrauchten finden Sie im Netz unter www.carcert.net. Die Anmeldung für den Onlinedienst dauert etwa fünf Minuten. Sie erhalten das CarCert-Zertifikat nach den folgenden drei Schritten: Eingabe der persönlichen Daten wie im Fahrzeugschein angegeben. Fahrzeugidentifikationsnummer (FIN) aus der Zulassungsbescheinigung Teil 1 unter Punkt E, den aktuellen Kilometerstand und ein Foto des Fahrzeugscheins hochladen. Im letzten Schritt die Zahlungsmethode auswählen. Anschließend steht das Zertifikat sofort zum Download zur Verfügung. Der Autolebenslauf kostet 29,99 Euro. Wichtig: Nur der Halter darf das CarCert beantragen.

Fazit

Mehr Transparenz beim Gebrauchtwagenhandel ist gut. Beim Verkauf kann das neue Zertifikat helfen, weil es vertrauensbildend wirkt. Ob wirklich jede Tachomanipulation aufgedeckt wird, muss sich noch zeigen.