Carthago c-tourer I 145 RB LE superior: Fahrbericht
Dieser Integrierte der 3,5-Tonnen-Klasse punktet mit Fahrdynamik

Bild: Sven Krieger
Das Thema Leichtbau treibt die Caravaningbranche nicht erst seit gestern um. Schon in den 1950er- und 1960er-Jahren, als zunächst Wohnwagen langsam massentauglich wurden, sollten diese möglichst leicht sein. Beispielsweise aus dem einfachen Grund, dass die durchschnittliche Leistung der Zugfahrzeuge zu jener Zeit deutlich unter der heutigen lag. Auch die Effizienz im Umgang mit Kraftstoffen spielt seit jeher eine Rolle.

In der kuscheligen L-Sitzgruppe mit verstellbarem Tisch findet jeder seinen Logenplatz.
Bild: Sven Krieger
Mit Einführung der 3,5-Tonnen-Grenze beim Autoführerschein der Klasse B ist jedoch ein Faktor hinzugekommen, der sich angesichts des demografischen Wandels am allerwenigsten kompensieren lässt. Wenn wir also davon ausgehen, dass die Lust am Erwerb der Fahrerlaubnisklasse C1 (bis 7,5 Tonnen) nicht noch schneller steigt als das Reisemobil-Interesse der jüngeren Generationen, dürfte der Markt für leichte Reisemobile immer größer werden. Und dabei erfahrungsgemäß besonders für solche, die beim Komfort keine Leichtgewichte sind.
Wohnmobil 3,5 Tonnen: Leichtbau spielt entscheidende Rolle
Hier kommt unser Testwagen ins Spiel. Er stammt von Carthago, der Ideenschmiede aus Aulendorf (BW), die ihre Wurzeln in raumoptimierten Ausbauten für VW-Busse hat. Von Anfang an spielte auch Leichtbau eine Rolle, denn die Bullis aus den 1980er-Jahren hatten ja teilweise nur magere 50 PS. Mittlerweile hat der stärkste Carthago über viermal so viel – und bei der Gewichtsoptimierung hat sich noch mehr getan. Entscheidenden Anteil daran hat die Karosseriekonstruktion, die auf stabilisierende Tragholme aus Aluminium und damit komplett verklebte Wandflächen setzt.

Die Bewegungsfreiheit in Küche und Bad ist überdurchschnittlich.
Bild: Sven Krieger
Diese bestehen außen wie innen ebenfalls aus Alu und sind mit festem, extrudiertem Polystyrol (RTM) isoliert. Um die Verwindungssteifigkeit noch zu erhöhen, ist die Verbindung von Wänden und Dach (außen GFK) abgerundet. Beim Möbelbau und auch im Zwischenboden wird, wo möglich, beispielsweise durch Ausfräsungen in der Fläche Gewicht gespart. Bei unserem Testwagen war zudem (wie bei fast allen Carthago) das AL-KO-Tiefrahmenchassis verbaut, das unter anderem durch den Einsatz hochfester Stähle sehr leicht ist.
Exklusives Reisemobil: Carthago "superior"-Modelle
Seine Leichtfüßigkeit vermittelt der Carthago c-tourer I 145 RB LE superior auf jedem Meter, und im Stand gibt er sich beim Komfort großzügig. Besonders die bequeme L-Dinette mit Seitensitz direkt rechts der Aufbautür fühlt sich wie aus einer Klasse darüber an. Ihre Polster sind passend ausgeformt, und der angenehme Bezugsstoff hat eine für die "superior"-Modelle exklusive Farbe und Steppung.

Tolle Küche mit reichlich Ablagen und Stauraum.
Bild: Sven Krieger
Die 3680 Euro fürs Echtleder sind daher besser in der vorzüglichen Neunstufen-Wandlerautomatik (3990 Euro) aufgehoben. Eine weitere tolle Option ist für Leute, die nur sehr selten Schlafbesuch bekommen, der "Entfall Hubbett" (690 Euro). Dafür gibt es dann Dachschränke rundum – und den Bettumbau der Sitzgruppe für 590 Euro.
Interieur Carthago c-Tourer: pfiffig konstruiert und "Wohn-Komfort-Paket"
Den Übergang zur geschwungenen Küche, aus der wirklich jedes Eckchen an Stauraum und Arbeitsfläche rausgeholt ist, bildet ein praktischer Tresen. Gegenüber steht die Kühl-Gefrier-Kombi. In diesem Bereich fallen weitere Features, die es aktuell nur beim superior gibt, besonders auf: die trendig-lamellenartige Seitenverkleidung, die anthrazitfarbenen Akzente an den Wänden und das geradlinigere Mobiliar mit grifflosen Schrankklappen.

Im Wohn-Komfort-Paket für 690 Euro lässt sich hier auch eine Liegewiese bauen.
Bild: Sven Krieger
Pfiffig konstruiert ist auch die Duschkabine. Um mehr Raum zu bieten, lässt sich ihre Abtrennung am Fußende des linken Betts ein Stück weit in den Flur ziehen. Die Einlage im Design des Laufbodens ist mit diesem auf einer Ebene und wasserfest. Wird die Tür des WC-Raums nach vorn geschlossen, entsteht hier ein prima Ankleidebereich. Wer will, kann für 410 Euro noch eine Schiebetür vor den Betten bekommen. Deren Fußenden sind federgestützt aufklappbar, um dort aufgehängte Kleidung gut erreichen zu können. Als besonders praktisch erweist sich das, wenn das "Wohn-Komfort-Paket" (690 Euro) geordert wird. Dann lässt sich die Betttreppe vorziehen, um eine Liegewiese aufbauen zu können, wodurch aber die normalen Schranktüren blockiert werden.
Carthago c-Tourer: exklusive Ausstattung und viele Extras
Eine dem hohen Grundpreis angemessene Ausstattung ist auch an Bord. Dazu gehören auch die tellergefederten, sehr bequemen Betten mit aufstellbarem Kopfteil. Der beheizte Heckstauraum darunter fällt großzügig aus, hat zwei Türen und Zurrschienen. Leider ist hier die Antirutschbeschichtung des Bodens so rau, dass wir uns beim Ausfegen einen Finger daran aufgerissen haben.

Die Technik ist in der großen Heckgarage untergebracht.
Bild: Sven Krieger
Zu mäkeln gäbe es zudem, dass wir im hier sauber installierten Schaltschrank nur dann einen Ladebooster finden, wenn das "Basis-Plus-Paket" (mit vielen weiteren Extras 5450 Euro) geordert ist. Und dass der Serien-Bordakku mit 80 Ah doch arg mager ausfällt.
So fährt das integrierte Wohnmobil von Carthago
Der Carthago c-Tourer ist viel wendiger und flinker, als er aussieht. Und das sogar mit dem 140-PS-Basis-Diesel. Die Übersicht ist sehr gut, nur die dicken Säulen schränken sie zur Seite oder bei der Einfahrt in einen Kreisverkehr ein. Komfortabel ist das Fahrwerk abgestimmt, noch besser aber die Geräuschdämmung. Vom Diesel ist kaum etwas zu hören, auch Windgeräusche halten sich in Grenzen.
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