Chausson Family & Sport Van: Fahrbericht
Ein Camping-Multitalent auf Ducato-Basis

Bild: Cindy Albrecht
Lebe lieber ungewöhnlich, so lautete der Titel einer US-Komödie aus dem Jahr 1997. Das passt auch zu unserem Chausson, auch wenn der neu ist, Modelljahr 2025. Mit ihm versuchen die Franzosen, den Kastenwagen als Camper gründlich anders zu denken als bisher.
Darin haben die Macher von Chausson (und ihrer Schwestermarke Challenger) reichlich Erfahrung – nonkonformistisch, immer erfrischend und somit das garantierte Gegenteil von langweilig. Von außen zeigt der Family & Sport das mit seiner frischen Optik: Serienmäßig tritt er im trendigen Lanzarotegrau auf, dazu gibt's ein frisches Dekor mit grünen Akzenten und ein geschickt integriertes Aufstelldach. Bei anderen Modellen verlangt Chausson dafür 5990 Euro Aufpreis.

In Lanzarotegrau und mit seinem frischen Dekor wirkt der Family & Sport nicht wie ein klassischer Reise-Van.
Bild: Cindy Albrecht
Der Sechs-Meter-Ducato dient als Basis für den Family & Sport Van. Sein Konzept bietet ein ungewöhnliches Paket: Fünf Gurtplätze plus fünf Betten an Bord finden sich selten in dieser Klasse. Dazu kommt ein Wohnbereich, der betont großzügig ausfällt, sogar ein Raumbad haben sie konstruiert. Weil jedoch auch in Frankreich sechs Meter nicht länger sind als bei uns, braucht es einen Trick. Und der findet sich hinter den Hecktüren des Ducato: Hier schlafen zwei Gäste an Bord einzeln übereinander.
Das hat der Chausson Family & Sport Van
Auf den ersten Blick ins Innere wirkt das Layout des Family & Sport noch wenig überraschend: vordere Drehsitze, dahinter eine Dinette, kleine Küche auf der Beifahrerseite, im Heck die Betten und dazwischen das Bad. Wie originell das alles gelöst ist, zeigt sich bei näherem Hinsehen.
Ungewöhnlich ist zunächst der einzelne Gurtsitzplatz, der einen fünften Reisenden mit dem Rücken nach vorne platziert. Durch einen simplen Umbau entsteht daraus eine große, L-förmige Bank, dazu kommt der höhenverstellbare Tisch mit seiner riesigen, ausklappbaren Platte – hier können tatsächlich fünf Personen gemeinsam essen. Für die Nacht kann die Besatzung aus den Polstern ein fünftes Bett puzzeln, nicht sonderlich bequem, doch immerhin eine ordentliche Schlaf-Option.

Kaum zu glauben, wie viel Platz der Family & Sports auf sechs Metern bietet.
Bild: Cindy Albrecht
Apropos Schlafen: Die beiden Betten im Heck taugen nur für Menschen, die mit wenig Platz auskommen. Sie fallen weder lang (maximal 1,83 Meter) noch breit aus (unten 68 Zentimeter), auch der Kopfraum bleibt knapp, der Zustieg ist nicht sonderlich komfortabel.
Der Weg nach oben zum Bett im Aufstelldach gelingt dank einer Klappleiter etwas leichter. Warum sich Chausson bei einer Liegefläche von immerhin 1,30 Meter Breite hier ohne Not für zwei einzelne Matratzen entschieden hat, bleibt allerdings unklar.
Fahrzeugdaten | Chausson Family & Sport Van |
|---|---|
Motorisierung | 2.2 MultiJet Euro 6e |
Leistung | 103 kW (140 PS) bei 3500/min |
Hubraum | 2184 cm3 |
Drehmoment | 350 Nm bei 1400/min |
Höchstgeschwindigkeit | 153 km/h |
Getriebe/Antrieb | Sechsgang/Vorderrad |
Tankinhalt/Kraftstoffsorte | 90 l/Diesel + 19 l AdBlue |
Länge/Breite/Höhe | 5998/2005/2650 mm |
Masse fahrbereit/Zuladung ca. | 3050/450 kg |
Anhängelast (gebremst/ ungebremst) | 2500/750 kg |
Grundpreis/Testwagenpreis | 64.490 / 62.490 Euro |
Das Konzept des Family & Sport bietet den Vorteil, äußerst variabel zu sein. Drei Kinder sollen mit? Kein Problem. Zwei teure Rennräder ins Heck? Dann schlafen beide Besitzer eben im Aufstelldach. Als Manko bleibt, dass sich fest verbauter Stauraum für Gepäck nur in sehr beschränktem Maß findet. Immerhin lässt sich im Heck unter den Betten noch einiges unterbringen, weil die einzelne Fünf-Kilo-Gasflasche in der Küche unterschlüpft und hinten kein Gaskasten seinen Raum beansprucht. Das Heizen selbst übernimmt ein Vier-Kilowatt-Diesel-Aggregat, für heißes Wasser nutzt der Boiler dagegen Gas.

Chausson setzt auf zwei Stockbetten im Heck. Sie fallen allerdings nicht sonderlich groß aus.
Bild: Cindy Albrecht
Clever löst Chausson das Bad. Die Dusche steht rechts, sie kommt dank einer Lamellenwand ohne klebrigen Vorhang aus und lässt sich, wenn die Badtür nach vorne geschlossen ist, sogar zu einem großen Raum verbinden. Die 85 Liter Frischwasser sind für fünf Personen etwas knapp bemessen, wenn alle duschen wollen – doch physikalische Grenzen kann eben selbst Chausson nicht aushebeln.
Praktisch ist das alles dennoch. Das gilt auch für die Küche. Der 84-Liter-Kompressorkühlschrank sitzt angenehm weit oben, eine ausklappbare Erweiterung bietet ein Plus an Arbeitsfläche zum Kochen, zudem ist der riesige Tisch stets in unmittelbarer Reichweite.
Generell überzeugt der Family & Sport mit durchdachten Vorrüstungen. Zwar sind im Grundpreis von 62 490 Euro weder eine Rückfahrkamera noch ein Fernseher, erst recht keine Solaranlage an Bord, doch sichert Chausson eine schnelle Nachrüstung, weil alles ab Werk vorverkabelt wird.
So fährt der Chausson Van
Chausson setzt bei seinen Vans standardmäßig auf die 140-PS-Variante des Fiat Ducato, Traction+ und die Berganfahrhilfe sind ebenfalls an Bord. Auf diesem Leistungsniveau gibt sich der Family & Sport bereits recht agil, auch wenn er die gut drei Tonnen nicht negieren kann, die er fahrfertig wiegt. Das Sechsganggetriebe lässt sich, typisch Ducato, angenehm schalten.

Das Aufstelldach ermöglicht zwei weitere Schlafplätze im Obergeschoss.
Bild: Cindy Albrecht
Wer hier ein Upgrade wünscht, dem bietet Chausson den 180-PS-Diesel (plus 2490 Euro) und wahlweise die Achtstufenautomatik (plus 3490 Euro). Attraktiv für manchen Sportler dürfte die Anhängelast sein, die mit 2500 Kilogramm durchaus beachtlich ausfällt. Das genügt nicht nur für Kanus oder Motorräder, sondern sogar für einen Oldtimer.
Das alles passt perfekt zum Family & Sport: Er will einfach supervariabel sein. Und erfrischend ungewöhnlich obendrein.
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