Chinesische Automarken: Werkstätten und Ersatzteilversorgung
Chinas Autos im Service-Check

Zwischen Blitzlieferung und wochenlangem Warten: Wie steht es um die Ersatzteilversorgung und um das Werkstatt- bzw. Service-Netzwerk chinesischer Autos in Deutschland? Ein Überblick!
Bild: Hersteller
Ein attraktiver Kaufpreis ist schnell vergessen, wenn das Auto nach einem Unfall oder Defekt wochenlang in der Werkstatt steht, weil ein Ersatzteil fehlt. Genau hier trennt sich die Spreu vom Weizen. Denn nicht nur die Qualität des Schraubers entscheidet darüber, wie schnell ein Auto wieder auf die Straße kommt, mindestens genauso wichtig sind ein dichtes Werkstattnetz und eine funktionierende Ersatzteillogistik. Je mehr autorisierte Servicebetriebe ein Hersteller hat, desto kürzer sind Anfahrtswege, Wartezeiten auf einen Termin und oft auch die Reparaturdauer.
Ein gutes Werkstattnetz sorgt außerdem dafür, dass Techniker speziell auf die Fahrzeuge geschult sind und Diagnose sowie Spezialwerkzeuge verfügbar sind. Zwischen den chinesischen Marken gibt es inzwischen deutliche Unterschiede. Polestar nutzt mehr als 200 Volvo Servicepartner und bietet damit eine der besten Werkstattabdeckungen im Vergleich.

Polestar greift in Europa auf das Service-Netzwerk von Volvo zurück.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Auch MG Motor verfügt mit 176 Service und Vertriebsstandorten über eine höhere Anzahl an Betrieben. GWM ist mit 142 Partnern vorne dabei. Auch BYD und Maxus bauen ihre Netze aus und kommen inzwischen auf je rund 120 Standorte. Damit hat sich die Situation gegenüber den ersten Marktjahren deutlich verbessert. Zur besseren Einordnung: Unter der Flagge von Mercedes oder Volkswagen firmieren jeweils rund 1000 Betriebe in Deutschland.
Hersteller profitieren von europäischen Partnern
Auch bei den Ersatzteilen holen die Chinesen auf. Viele Hersteller haben inzwischen zentrale Lager in Europa oder sogar direkt in Deutschland aufgebaut. Standard und Karosserieteile treffen deshalb heute oft schon nach wenigen Werktagen in der Werkstatt ein. Besonders profitieren Marken, die auf erfahrene Partner setzen. Leapmotor greift beispielsweise auf das Logistiknetz von Stellantis zurück.
Das spart Zeit und sorgt dafür, dass Kunden schneller wie der auf der Straße sind. Ganz reibungslos läuft es aber noch nicht überall. In deutschen Xpeng-Foren berichten Besitzer von Reparaturen, die sich über mehrere Wochen hinzogen, weil spezielle Ersatzteile zunächst aus China geliefert werden mussten. Auch Polestar-Fahrer meldeten vereinzelt längere Wartezeiten auf Karosserie und Elektronikteile.

BYD (im Bild der Dolphin Surf) baut das Service- und Händlernetz aktuell europaweit aus, sorgt so auch für kürzere Wege im Pannenfall.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Bei Maxus räumt man ein, dass man noch nicht auf dem Niveau deutscher Autobauer sei. Vieles ist im Aufbau und braucht noch Zeit. Warum kommt es überhaupt zu Engpässen? Neue Marken verfügen anfangs oft nur über vergleichsweise kleine Ersatzteillager in Europa. Gleichzeitig fahren noch deutlich weniger Fahrzeuge auf den Straßen als bei etablierten Herstellern. Deshalb lohnt es sich wirtschaftlich nicht, jedes Bauteil in großer Stückzahl vorzuhalten.
Müssen selten benötigte Teile – etwa Karosserieteile, Sensoren oder Hochvoltkomponenten – direkt aus China eingeflogen oder verschifft werden, können Transport, Zoll und Logistik die Reparatur schnell um mehrere Wochen verzögern. Hinzu kommt, dass einige Hersteller ihr Händler und Werkstattnetz schneller ausgebaut haben als ihre Ersatzteillogistik, das sorgt zusätzlich für Engpässe.
BYD, MG, Polestar und Leapmotor haben aufgeholt
Das Fazit fällt deshalb differenziert aus: Die Zeiten, in denen chinesische Autos grundsätzlich als Problemfälle bei Ersatzteilen galten, sind weitgehend vorbei. Vor allem BYD, MG, Polestar und Leapmotor haben beim Service spürbar aufgeholt. Unterschiede gibt es aber weiterhin bei speziellen Karosserien, Elektronik und Hochvoltkomponenten. Hier sind Hersteller mit großen Werkstattnetzen, Kooperationen mit etablierten Autobauern, europäischen Ersatzteillagern und leistungsfähigen Logistikpartnern klar im Vorteil, und genau das kann im Ernstfall viele Tage Werkstattaufenthalt ersparen.
Werkstattnetz und Ersatzteilversorgung chinesischer Marken
Marke | Anzahl Vertragswerkstätten/Servicepartner | Over-the-Air-/Remote Support | Ersatzteilversorgung: Einschätzung* |
|---|---|---|---|
BYD | 120 Werkstätten | Ja, modellabhängig: OTA-Updates/Konnektivität; Service online buchbar | Gut: wachsendes Netz; auch im freien Handel findet sich einiges an Verschleißteilen |
GWM | 142 autorisierte Servicepartner | Ja, modellabhängig: Konnektivität/Software-Updates | Mittel bis gut: europäisches GWM-Teilelager, zusätzlich Teileversand über die Emil Frey Gruppe; wenig Teile im freien Handel |
Leapmotor | 175 Betriebe, eigenes Werkstattnetz | Ja, alle Leapmotor sind Software-Defined Vehicles und werden via OTA upgedatet/Support | Gut: deutsches Zentrallager in Bochum und Stellantis-Distrigo-Partner sollen eine schnelle Teileversorgung sichern |
Lynk & Co | 84, oft Mehrmarkenwerkstätten | Ja, App/Connected Services; OTA modellabhängig | Gut bis mittel: Volvo-/Geely-Nähe hilft; im freien Handel findet sich einiges an Verschleißteilen |
Maxus | 124 Standorte, oft Mehrmarkenwerkstätten | Ja: OTA, App, Remote-Diagnose/Software-Updates | Gut für Nutzfahrzeuge: etabliertes Händlernetz; wenig Teile im freien Handel |
MG Motor | 176 Standorte, oft Mehrmarkenwerkstätten | Ja, je nach Modell: iSMART/Software-Updates, Remote-Funktionen | Gut: eines der etabliertesten China-Netze; auch im freien Handel findet sich einiges an Verschleißteilen |
Nio | 27 Servicewerkstätten | Ja: OTA, App, Remote-Diagnose/Software-Updates | Mittel: Premium-Service, aber kleiner Fahrzeugbestand; wenige Verschleißteile im freien Handel |
Omoda & Jaecoo | 35 Standorte, oft Mehrmarkenwerkstätten | Ja, modellabhängig: moderne Konnektivität; OTA nicht durchgehend belastbar belegt | Mittel: sehr junger Marktstart, am freien Markt nur wenig Teile |
Polestar | 220 Standorte, häufig Volvo-Werkstätten | Ja: OTA-Software-Updates und vernetzte Dienste modellabhängig | Gut: Volvo-/Polestar-Servicepartner stützen Abdeckung; im freien Handel findet sich einiges an Ersatzteilen |
Xpeng | 55 Standorte in Deutschland | Ja: OTA, App, Ferndiagnose; Xpeng bietet Remote-Fehlerbehebung an | Mittel: wachsendes Netz über Händlergruppen; kaum Ersatzteile im freien Handel |
Zeekr | 65 Standorte | Ja: OTA/Connected-Car-Funktionen, modellabhängig | Mittel: Servicenetz über Global Automotive Service GmbH, nur wenig Teile im freien Handel |
Kommentar
Einen Neuwagen kaufen? Damit bindet man sich für die nächsten Jahre an eine Marke und investiert viel Geld. Da muss alles passen: Kompetenz in der Werkstatt, Freundlichkeit im Umgang und natürlich die Frage nach der Ersatzteilversorgung. Etablierte Anbieter wie Polestar, Leapmotor, BYD oder MG Motor haben dazugelernt: Servicenetz und Logistik werden kontinuierlich ausgebaut. Trotzdem bleibt die Werkstatt vor Ort der entscheidende Faktor. Dabei helfen die Erfahrungsberichte anderer Autofahrer.
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