Wenn Peugeot, Citroën und Opel ein Raumauto bauen, kommt noch lange nicht das Gleiche dabei heraus. Berlingo und Rifter haben wir schon mal ausprobiert.
Einsteigen, Platz nehmen – und staunen! Wo kommt denn hier der ganze Raum her? Schon der alte Citroën Berlingo war ein echtes Platzwunder; der neue hat da gefühlt noch mal zugelegt. Und das gleich dreifach. Citroën, Opel und Peugeot bauen ihre Praktiker nämlich gemeinsam. Wir fragen uns: Ist das noch ein Kastenwagen? Die Frontscheibe steht jetzt weiter vorn, die Fahrzeugnase verschwindet weit weg im Nirgendwo. Und im Innenraum liegen verstreut so viele Ablagen und Fächer wie im Spielzimmer einer Kita. Vergessen wir also das hässliche Wort "Kasten", denn der Drilling aus Berlingo, Rifter und Combo ist nun gereift: zu einem Van!
Die drei Van-Brüder setzen auf eigenständige Optik
Video: Citroën Berlingo (2018)
Praktisch wie eh und je
Im September 2018 kommt das Trio zu den Händlern, zu erkennen an der höheren Nase. Der Berlingo trägt dann die doppelstöckigen Scheinwerfer des nächstgrößeren Vans C4Spacetourer (ehemals C4 Picasso), der auch gleich den ganzen Vorderwagen beisteuert. Nun sitzt der Fahrer noch entrückter und auf breiten, flachen Sitzen, die alle dynamischen Flausen austreiben. Immer schön gemütlich. Bewegung kommt nur auf, wenn der ausgestreckte Arm sich zum weit vorn liegenden Schalthebel oder zum Touchscreen recken muss. Egal, hier geht es nicht um PS, sondern ums Packtalent. Und da hat der Neue noch gewonnen: Die praktischen Schiebetüren (ein Segen bei tobenden Kindern) sind gewachsen; statt Klappfenstern gibt es herkömmliche E-Fenster. Der Kofferraum hat 100 Liter zugelegt, 775 Liter Mindestmaß stecken jeden Kombi in die Tasche. Und wenn der Beifahrersitz in den höheren Ausstattungen nach vorn klappt, passen 2,70 Meter lange Surfbretter ins Auto.
Alltagsnutzen stand ganz oben im Lastenheft
Praktisch: In Reihe zwei bleibt es bei drei Einzelsitzen, das Raumangebot und die Variabilität sind groß.
Bild: PSA Groupe
Es bleibt bei drei gleich großen Rücksitzen, der getrennt öffnenden Heckklappe und auf Wunsch dem heitersten Dachhimmel der Autowelt: Im "Modutop" (900 Euro ab Berlingo "Feel") liegen große Dachfenster direkt neben Ablagefächern, die so tief sind, dass darin unbemerkt Lakritzberge schmilzen. Steigen wir mal schnell in das Brudermodell von Peugeot um. Rundum kunststoffbeplankt gibt der Rifter den Abenteurer dieses Trios. Die Outdoor-Sehnsucht, die Kunden ins SUV-Segment treibt, will der Franzose trotz seiner Schiebetüren zumindest optisch stillen. Ohne ins Hemdsärmelige abzudriften, was den Innenraum angeht. In der Ausstattungslinie Allure mit GT-Line-Paket schweift der Blick übers große Display oder die nützlichen Armlehnen, bleibt dabei an ansehnlichen Stoffen und schick lackierten Oberflächen hängen. Fühlt sich alles gut an, bis wir das Cockpit betrachten: Wer mit dem Mini-Volant von Peugeot ohnehin nicht ganz d’accord geht, schüttelt im Rifter vermutlich den Kopf. Riesenauto mit Zwergenlenkrad.
Dabei fährt es mit dem kleinen Steuerrad des sogenannten i-Cockpits keineswegs unangenehm. Mit den Händen am kleinen Lenkrad fühlt sich das Auto sportlicher an, als es eigentlich ist. Doofer Störfaktor sind die bei Sonne von hinten schlecht ablesbaren Skalen im Kombiinstrument. Zurück in den Berlingo: Mit seinem langen Radstand rollt der Citroën manierlicher über gute Straßen, doch in Schlaglöcher poltert die Hinterachse (vom Vorgänger übernommen) gewohnt lautstark hinein.
Die Achtstufen-Automatik ist ihren Preis wert
Gute Kombi: die Achtstufen-Automik und die stärkeren Diesel – leider erst ab Mitte 2019 zu haben.
Bild: PSA Groupe
Da hören wir noch den Transporter heraus, denn die Drillinge sind ja zugleich Lastenesel: Auf drei Privatkäufer kommt beim Berlingo immerhin ein Gewerbekunde. Handwerkern wie Haushalten wird die schmale Motorenpalette genügen. Es gibt zum Verkaufsstart nur einen Turbobenziner mit 1,2 Liter Hubraum, der Dreizylinder schnattert flotte 110 PS heraus. Die reichen Sparern aus, zumal der Basismotor (ab 19090 Euro mit Partikelfilter) 1300 Euro weniger kostet als der kleinste Diesel. Die beiden 1,5 Liter großen Selbstzünder leisten 100 oder 130 PS, alle Motoren erfüllen die Abgasnorm Euro 6d-TEMP. Ab Mitte 2019 bringt Citroën für die starken Motoren für 2000 Euro extra eine moderne Achtstufen-Wandlerautomatik. Die erwies sich bei unserer ersten Ausfahrt als Volltreffer. Zusammen mit dem stärkeren Diesel (300 Nm Drehmoment) besitzt dieser Antrieb die Reserven, die auch volle Beladung locker verkraften. Wer also die maximale Ladekapazität des Öfteren ausreizen will, der kommt um die Topversion ab 28 390 Euro einfach nicht herum.
Noch begehrter als mehr Leistung ist vermutlich mehr Platz. Daher kommt der Drilling auch in XL-Version: 35 Zentimeter länger und für 1200 Euro Aufpreis. Damit wird der kleine Kasten endgültig zum Nachfolger der alten Vans.
Technische Daten Citroën Berlingo/Peugeot Rifter • Motor: Vierzylinder, Turbo, vorn quer • Hubraum 1499 cm³ • Leistung: 96 kW (130 PS) bei 3750/min • max. Drehmoment: 300 Nm bei 1750/min • Antrieb Vorderradantrieb, Achtstufenautomatik • Länge/Breite/Höhe: 4403/1848/1780 mm • Leergewicht: 1518 kg • Kofferraum: 775 l • 0–100 km/h: 10,4 s • Vmax: 180 km/h • Verbrauch: 4,3 l • Abgas CO2: 114 g/km • Preis 27.290 Euro.
Fazit
von
Joachim Staat
Berlingo und Rifter fahren spürbar moderner als bisher: komfortabler, mit sauberen Motoren und auf Wunsch individueller. Sie sind kerniger als ein VW Caddy, dafür wie gewohnt günstiger.
Neue Raumautos von PSA
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Wenn Peugeot, Citroën und Opel ein gemeinsames Raumauto bauen, kommt noch lange nicht das Gleiche dabei heraus. Berlingo und Rifter konnten wir jetzt schon mal ausprobieren.
Bild: PSA Group
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Einsteigen, Platz nehmen – und staunen! Wo kommt denn hier der ganze Raum her? Schon der alte Citroën Berlingo war ein echtes Platzwunder; der neue hat da gefühlt noch mal zugelegt.
Bild: PSA Groupe
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Ist das noch ein Kastenwagen? Die Frontscheibe steht jetzt weiter vorn, die Fahrzeugnase verschwindet weit weg im Nirgendwo. Und im Innenraum liegen verstreut so viele Ablagen und Fächer wie im Spielzimmer einer Kita. Vergessen wir also das hässliche Wort "Kasten", denn der Drilling aus Berlingo, Rifter und Combo ist nun gereift: zu einem Van!
Bild: PSA Group
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Im September 2018 kommt das Trio zu den Händlern, zu erkennen an der höheren Nase. Der Berlingo trägt dann die doppelstöckigen Scheinwerfer des nächstgrößeren Vans C4 Spacetourer (ehemals C4 Picasso), der auch gleich den ganzen Vorderwagen beisteuert.
Bild: PSA Groupe
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Nun sitzt der Fahrer noch entrückter und auf breiten, flachen Sitzen, die alle dynamischen Flausen austreiben. Immer schön gemütlich. Bewegung kommt nur auf, wenn der ausgestreckte Arm sich zum weit vorn liegenden Schalthebel oder zum Touchscreen recken muss.
Bild: PSA Groupe
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Egal, hier geht es nicht um PS, sondern ums Packtalent. Und da hat der Neue noch gewonnen: Die praktischen Schiebetüren (ein Segen bei tobenden Kindern) sind gewachsen; statt Klappfenstern gibt es herkömmliche E-Fenster.
Bild: PSA Groupe
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Der Kofferraum hat 100 Liter zugelegt, 775 Liter Mindestmaß stecken jeden Kombi in die Tasche, ...
Bild: PSA Groupe
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... und wenn der Beifahrersitz in den höheren Ausstattungen nach vorn klappt, passen 2,70 Meter lange Surfbretter ins Auto.
Bild: Groupe PSA
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Es bleibt bei drei gleich großen Rücksitzen, der getrennt öffnenden Heckklappe ...
Bild: PSA Groupe
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... und auf Wunsch dem heitersten Dachhimmel der Autowelt: Im "Modutop" (900 Euro ab Berlingo "Feel") liegen große Dachfenster direkt neben Ablagefächern, die so tief sind, dass darin unbemerkt Lakritzberge schmilzen.
Bild: PSA Groupe
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Steigen wir mal schnell in das Brudermodell von Peugeot um. Rundum kunststoffbeplankt gibt der Rifter den Abenteurer dieses Trios. Die Outdoor-Sehnsucht, die Kunden ins SUV-Segment treibt, will der Franzose trotz seiner Schiebetüren zumindest optisch stillen.
Bild: PSA Group
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Ohne ins Hemdsärmelige abzudriften, was den Innenraum angeht. In der Ausstattungslinie Allure mit GT-Line-Paket schweift der Blick übers große Display oder die nützlichen Armlehnen, bleibt dabei an ansehnlichen Stoffen und schick lackierten Oberflächen hängen.
Bild: PSA Group
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Fühlt sich alles gut an, bis wir das Cockpit betrachten: Wer mit dem Mini-Volant von Peugeot ohnehin nicht ganz d’accord geht, schüttelt im Rifter vermutlich den Kopf. Riesenauto mit Zwergenlenkrad.
Bild: PSA Group
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Dabei fährt es mit dem kleinen Steuerrad des sogenannten i-Cockpits keineswegs unangenehm. Mit den Händen am kleinen Lenkrad fühlt sich das Auto sportlicher an, als es eigentlich ist.
Bild: PSA Group
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Zurück in den Berlingo: Mit seinem langen Radstand rollt der Citroën manierlicher über gute Straßen, doch in Schlaglöcher poltert die Hinterachse (vom Vorgänger übernommen) gewohnt lautstark hinein. Da hören wir noch den Transporter heraus, denn die Drillinge sind ja zugleich Lastenesel: Auf drei Privatkäufer kommt beim Berlingo immerhin ein Gewerbekunde.
Bild: PSA Groupe
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Handwerkern wie Haushalten wird die schmale Motorenpalette genügen. Es gibt zum Verkaufsstart nur einen Turbobenziner mit 1,2 Liter Hubraum, der Dreizylinder schnattert flotte 110 PS heraus. Die reichen Sparern aus, zumal der Basismotor (ab 19.090 Euro mit Partikelfilter) 1300 Euro weniger kostet als der kleinste Diesel.
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Die beiden 1,5 Liter großen Selbstzünder leisten 100 oder 130 PS, alle Motoren erfüllen die Abgasnorm Euro 6d-TEMP. Ab Mitte 2019 bringt Citroën für die starken Motoren für 2000 Euro extra eine moderne Achtstufen-Wandlerautomatik.
Bild: Groupe PSA
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Die erwies sich bei unserer ersten Ausfahrt als Volltreffer. Zusammen mit dem stärkeren Diesel (300 Nm Drehmoment) besitzt dieser Antrieb die Reserven, die auch volle Beladung locker verkraften. Wer also die maximale Ladekapazität des Öfteren ausreizen will, der kommt um die Topversion ab 28.390 Euro einfach nicht herum.
Bild: Groupe PSA
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Noch begehrter als mehr Leistung ist vermutlich mehr Platz. Daher kommt der Drilling auch in XL-Version: 35 Zentimeter länger und für 1200 Euro Aufpreis. Damit wird der kleine Kasten endgültig zum Nachfolger der alten Vans.
Bild: PSA Group
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Das Fazit von Jan Horn: "Berlingo und Rifter fahren spürbar moderner als bisher: komfortabler, mit sauberen Motoren und auf Wunsch individueller. Sie sind kerniger als ein VW Caddy, dafür wie gewohnt günstiger."