Concorde Liner 1090 GIO: XXL-Wohnmobil im Fahrbericht
18 Tonnen purer Luxus – der Concorde Liner im Check

11 Meter lang, 2,50 Meter breit und 4 Meter hoch: Der Concorde Liner 1090 GIO ist ein ausgewachsenes Luxus-Wohnmobil auf Basis eines Lkw. Genau das macht die erste Fahrt in einem solchen Gefährt zum Abenteuer. Unser Autor Fabian Hoberg hat sich getraut.
Bild: F. Hoberg
- Fabian Hoberg
Die Hände schwitzen. Nicht leicht, sondern extrem. An der linken Seite hat das Wohnmobil nur noch wenige Zentimeter Platz, auf der rechten Seite nicht viel mehr. Jetzt bloß keine falsche Lenkbewegung machen und die Seite verkratzen. Denn das Wohnmobil ist ein bisschen größer und teurer als sonst: Der Concorde Liner 1090 GIO mit einer Länge von elf Metern und einem zulässigen Gesamtgewicht von 18 Tonnen kostet vollausgestattet rund 850.000 Euro. Jeder Kratzer wird teuer. Richtig teuer.
Es ist das erste Mal, dass ich mit einem Liner unterwegs bin. Den Lkw-Führerschein habe ich vor drei Jahren bestanden, fahre seitdem eher Lastwagen oder Expeditionsfahrzeuge wie in der Mongolei.
Wohnen wie im mobilen Apartment
Nun also einen Luxusliner. Wer vor einem Concorde Liner 1090 GIO steht, spürt Respekt, eine Mischung aus Vorfreude und Ehrfurcht, wie vor einem Schiff, das gleich zu einer langen Reise aufbricht. Die ersten Schritte führen hinauf über die elektrisch ausfahrbare Stufe hinein in den Wohnraum. Ein edler Holzboden, helle Polster und feine Holzflächen empfangen den Besucher. Rechts breitet sich eine großzügige Sitzgruppe aus, davor liegt die Fahrerkabine mit den pneumatischen Chefsesseln. Links glänzt die Küche mit massiven Oberflächen, hinten lädt ein großzügiger Badbereich ein, und dahinter lockt ein Schlafzimmer, das an eine Hotelsuite erinnert. Hier herrscht das Gefühl, in einem mobilen Apartment unterwegs zu sein.

Ein fahrendes Apartment: Der Concorde Liner 1090 GIO ist auf jedem Parkplatz eine imposante Erscheinung – er benötigt allerdings viel Platz.
Bild: F. Hoberg
Rund zwei Stunden nehmen wir uns Zeit für eine genaue Einweisung, bekommen von einer Concorde-Mitarbeiterin ausführlich alle Funktionen wie Kühlschrank, Transportsicherung, Klimaanlage, Dachluken, Rollos, Markise, Treppe, Abwasser, Sat-Anlage, WC, Lichtfunktionen und Heckgarage erklärt.
Erster Eindruck im Cockpit
Dann nehme ich Platz im Cockpit. Ein hoch aufragendes Armaturenbrett, große Displays, komfortable Ledersitze mit Armlehnen und die riesige Frontscheibe für den Panorama-Blick. Von hier oben eröffnet sich eine Perspektive über die Dächer normaler Autos hinweg.
Der mächtige 10,7-Liter-Sechszylinder-Diesel springt an mit einem tiefen Grollen, gleichmäßig und kraftvoll, ein Klang, der Zuverlässigkeit ausstrahlt. Langsam setzt sich der Liner in Bewegung, majestätisch, ohne Hast. Schon beim Anrollen spürst du, wie sich die Maschine über den Asphalt bewegt. Der lange Radstand sorgt für Ruhe, jede Bodenwelle wird glatt gebügelt.

Da freut sich das kleine Camper-Lkw-Fahrerherz: Autor Fabian Hoberg fühlt sich hinterm Lenkrad sichtlich wohl.
Bild: F. Hoberg
Unter dem edlen Aufbau steckt Serientechnik von Mercedes: Der Actros 1843 ist eine schwere Sattelzugmaschine mit 4×2-Fahrgestell und rund 430 PS aus einem 10,7-Liter-Reihensechszylinder (OM 470, Euro 6). Er hat ein zulässiges Gesamtgewicht von 18 Tonnen, ein Leergewicht um 7,5 Tonnen und damit eine Nutzlast von etwa 11 Tonnen. Typisch sind Radstände zwischen 3,6 und 3,8 Metern, vorne Blattfederung, hinten meist Luftfederung. Der Liner ist ausgerüstet mit einem automatisierten Zwölfganggetriebe, verschleißfreier Retarder-Bremse, ABS/ASR und Komfortausstattung wie Klimaanlage, Entertainmentsystem und Navigationssystem. Damit gilt der 1843 als robustes und zugleich komfortables Fahrgestell für Fernverkehr und individuelle Aufbauten.
Entspannt auf der Autobahn
Sein Revier ist die Autobahn. Breite Fahrspuren für seine 2,5 Meter Breite, gemütliches Tempo ganz rechts mit knapp über 80 km/h – also adaptiven Tempomat einschalten und sich entspannen. Gemütlicher kann man keine Kilometer fressen.

Im dichten Verkehr in München fliegt der Blick permanent über die vielen Monitore für die Außenspiegel.
Bild: F. Hoberg
Die Blicke huschen während der Fahrt über die sieben (!) Außenspiegel, die als Monitore in der Fahrerkabine liegen. Mit ruhiger Souveränität hält der Liner seine Spur, lässt sich von Seitenwind kaum beeindrucken, liegt satt auf dem Asphalt. Die Geräuschkulisse bleibt gedämpft; selbst bei höherem Tempo ist ein Gespräch in normaler Lautstärke möglich. Hier wird klar: Dieses Fahrzeug ist gebaut für lange Reisen. Mit einem Durchschnittsverbrauch von rund 18 Litern auf 100 Kilometer und einem üppig bemessenen Tank sind etwa 1400 Kilometer am Stück möglich.
Auf der Landstraße wird es enger
Die Fahrt führt hinaus auf die Landstraße. Besonders beeindruckend wirkt der Blick nach vorn. Die Frontscheibe, groß wie ein Schaufenster, bietet einen Horizont, der sich endlos ausdehnt. Doch die Lenkarbeit wird von Kilometer zu Kilometer anspruchsvoller. Trotz seiner Größe reagiert der Liner erstaunlich leicht auf das Gaspedal, nimmt Geschwindigkeit auf, gleitet dann mit knapp 60 km/h dahin, als wäre er dafür geschaffen, unendliche Kilometer abzuspulen. Kurven fühlen sich weich und kontrolliert an, kein Schwanken, kein unsicheres Rollen – die Luftfederung arbeitet unermüdlich.
Die Blicke huschen nun noch häufiger über die Monitore für die Außenspiegel, denn gefühlt wird die Straße schmaler. Auch die Schilder für die Höhenbegrenzung bleiben im Blick. Ganz wichtig: Als Navi niemals das Handy nutzen, sondern das im Lkw. Denn das System berücksichtigt Maße und Gewicht für die Route. Dennoch kann es natürlich sein, dass vor einem plötzlich eine Baustelle auftaucht und der Fahrer reagieren muss.

Die Dusche hat Concorde so groß dimensioniert, dass sie wirklich keinen Kompromiss darstellt.
Bild: F. Hoberg
Wie eine Fahrt im Stadtverkehr – die ultimative Herausforderung. Jede Kreuzung verlangt Aufmerksamkeit, jeder Kreisverkehr wird zur Probe für das eigene Gefühl für Länge und Breite. Autos weichen respektvoll zur Seite, Fußgänger bleiben stehen und drehen die Köpfe – der Concorde Liner fällt auf, überall. Und der Pilot muss überall seine Augen offen halten, damit er sicher durch die Straßen kommt. Jede Straße wirkt auf den ersten Metern zu klein, jede Kurve zu eng. Passanten bleiben stehen, beobachten, zücken ihre Smartphones. Am Ende des Tages, nach Stunden auf Straße und Autobahn, steht der Liner vor seinem Zielort. Jetzt heißt es, sicher in den Hafen einzulaufen.
Einparken mit Respekt
Trotz 360-Grad-Kamera setze ich auf zwei Einweiser, fahre anschließend gaaaaanz langsam über den Platz. Der Wendekreis fordert Respekt, und erst nach einigen Korrekturen steht der Liner sauber auf seinem Platz. Wichtig: Nicht jeder Campingplatz bietet Platz für Fahrzeuge über neun Meter Länge. Manche Einfahrten und Kurven auf dem Platz sind daher auch zu schmal für einen ausgewachsenen Lkw. Und dann helfen selbst zwei bis drei Einweiser nicht mehr, und die Panik steigt in den Kopf. Auch passen die Dimensionen nicht über den Trichter für Grau- und Schwarzwasser. Daher sollten Liner-Piloten, wenn sie nicht in der Natur übernachten wollen, spezielle Plätze vorab buchen.

Um auf einen Standard-Campingplatz zu kommen, schauen am besten gleich mehrere Augen, ob zu allen Seiten Platz ist – ohne Einweiser geht gar nichts.
Bild: F. Hoberg
Das Leeren von Grau- und Schwarzwasser erfolgt sonst sehr einfach: Monitor über Schalter links neben dem Lenkrad aktivieren, über den Gully fahren und nacheinander Pumpen fürs Abwasser aktivieren und einfach laufen lassen. Sobald kein Wasser mehr austritt, Pumpen und Monitor wieder deaktivieren und weiterfahren – ganz ohne Aussteigen und sich Unterm-Fahrzeugboden-Verrenken.
Bei der Luftfederung senke ich auf dem Stellplatz das Niveau ab, kontrolliere noch mal das Cockpit, Gangposition und Feststellbremse, dann schalte ich den Sechszylinder aus. Die Stützen fahren aus, das Fahrzeug richtet sich, die Tür öffnet sich. Das Wohnzimmer empfängt seine Gäste, die Küche bietet Platz für ein Abendessen, das Schlafzimmer für erholsamen Schlaf. Es ist nicht nur ein Ankommen, es ist ein Ankommen mit Stil, mit einem Gefühl von Freiheit und Souveränität.
Ein Erlebnis, das bleibt
Das erste Mal im Concorde Liner 1090 GIO ist ein Erlebnis, das bleibt. Die Mischung aus Respekt und Staunen, aus Kraft und Komfort macht jede Minute unvergesslich. Es ist nicht einfach eine Fahrt, es ist eine Reise, die schon auf den ersten Metern beginnt und in Erinnerung bleibt, lange nachdem der Motor verstummt ist.
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