Etwa ein Fünftel der Fahrzeit im Auto verläuft, während die Fahrerin oder der Fahrer durch verschiedenste Tätigkeiten vom Straßenverkehr abgelenkt ist. Und das mit steigender Tendenz, wie Experten mit Sorge beobachten.
Die wachsende Funktionsvielfalt der Autos selbst, aber auch von Smartphones und anderen technische Neuerungen, lenken ab. Eine Studie der Allianz-Versicherung belegt, dass bei 78 Prozent aller Unfälle Unaufmerksamkeit zumindest mitverantwortlich für einen Crash ist.
Verlockung Smartphone
Oft erliegen Fahrerin oder Fahrer dabei den Verlockungen elektronischer portabler Endgeräte. Nach Angaben der Allianz schreiben 20 Prozent der Personen hinter dem Steuer SMS oder Emails. Rund 30 Prozent gaben zu, während der Fahrt solche Nachrichten zu lesen.
Häufigster Grund fürs Abgelenktsein: das Handy am Steuer.
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Abgelenkt vom Straßenverkehr? Das passiert aber auch ganz ohne Smartphone. Drei Viertel aller Befragten der Allianz Umfrage gaben an, schon mal beim Autofahren ihren Gedanken nachzuhängen, wütend oder extrem gestresst gewesen zu sein. Im Expertenjargon nennt man das "Looked but failed to see“. Unfallursachen sind also Situationen, in denen der Autolenker zwar eigentlich auf die Straße schaut, dabei aber eben nicht voll aufmerksam ist.
Achtung bellender Hund
Aber auch nahezu alltägliche Vorkommnisse können Ursachen für eine Unaufmerksamkeit sein. Sei es der Versuch, ein Insekt zu verscheuchen, die Sorge um den Nachwuchs auf der Rückbank, die Diskussion mit den Mitfahrern oder der Versuch, den bellenden Hund zu beruhigen – das alles lenkt die Aufmerksamkeit von der Straße weg. Die größte Gefahr dabei: Den meisten Personen hinter dem Steuer ist gar nicht bewusst, welch große Rolle die eigene Verhaltensdynamik im Auto spielt und mit welchem Risiko sie bei vermeintlich banalen Nebentätigkeiten am Steuer für sich und andere Verkehrsteilnehmer unterwegs sind.
Ablenkungen auf den Rücksitzen erhöhen die Unfallgefahr.
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Unfallursache Taschentuch
Der ADAC hat dies bei einem Test in einem Fahrsicherheitszentrum eindrucksvoll bewiesen. Dabei mussten die Teilnehmer bei einer Aufgabe während der Fahrt eine Packung Papiertaschentücher aus dem Handschuhfach holen, eines entnehmen, an einen Mitfahrer auf dem Rücksitz weiterreichen und die Packung auf dem Beifahrersitz ablegen. Zwei Drittel der Fahrzeuglenker wendeten während dieses Vorgangs den Blick durchschnittlich drei Sekunden von der Fahrbahn ab, legten währenddessen rund 35 Meter im Blindflug zurück und gerieten dabei für 1,5 bis 2,6 Sekunden auf die Gegenfahrbahn.
140 im "Blindflug“
Bei einer anderen Aufgabe mussten Autofahrer auf Anweisung ihr Smartphone vom Beifahrersitz nehmen, eine Whatsapp-Nachricht lesen und beantworten. Dabei wurde ihr Fahrstil offensichtlich unruhiger. Beim Tempolimit gab es viele Abweichungen in beide Richtungen. Im Schnitt ging der Blick 14-mal weg von der Straße aufs Handy. In der Summe wurde dabei rund 140 Meter blind gefahren. Ein Drittel der Teilnehmer überfuhr die Mittellinie und blieb teilweise für bis zu vier Sekunden auf der falschen Straßenseite.
Und letztlich sollten die Probanden während der Fahrt in der Adresszeile des Navis einen Straßennamen eingeben. In diesem Moment tauchte ein Hindernis auf. 87 Prozent der Teilnehmer wären im Ernstfall mit durchschnittlich 43 km/h in dieses Hindernis gekracht, weil sie nicht rechtzeitig hätten anhalten können.
Unaufmerksamkeit im Straßenverkehr: Völlig egal aus welchem Grund, in der Realität bedeutet das einfach akute Lebensgefahr – und das leider auch für völlig Unbeteiligte.