Es ist die erste Rallye Dakar für Dacia. Und trotzdem wird beim Besuch des Teams im Biwak mitten in der staubigen Wüste Saudi-Arabiens klar: Die Rumänen gehören mit ihren drei "Sandrider“ getauften, 360 PS starken Offroad-Rennern zum Kreis der Favoriten. Auf den Gesamtsieg, versteht sich.
Während sich rasch Menschentrauben um die beiden Superstars Sébastien Loeb (50) und Nasser Al-Attiyah (54) bilden, nehmen sich Cristina Gutiérrez (33) und Pablo Moreno (34) Zeit, um dem AUTO BILD-Reporter ihre Arbeitsplätze im Cockpit des Prototyps zu erklären.
Dacia Sandrider
AUTO BILD-Reporter Martin Westerhoff lässt sich auf dem Beifahrersitz das Cockpit des Dacia Sandrider erklären
Bild: MCH PHOTO / Dacia
Neben Rallye-Rekordweltmeister Loeb (neun Titel) und dem amtierenden Marathon-Rallye-Champion und fünffachen Rallye-Dakar-Sieger Al-Attiyah sind die beiden Aufsteiger die Underdogs im Team. Mit ihrem Vorjahressieg in der Side-by-Side-Klasse hat das spanische Duo aber klar gezeigt, dass es keinesfalls zu unterschätzen ist. Diese Fahrzeuge rangieren irgendwo zwischen Quad und Buggy.

7.726 Kilometer werden abgespult

"Wir fahren nun in der Top-Kategorie Geschwindigkeiten, die wesentlich höher sind als das, was wir aus dem letzten Jahr kennen“, erklärt Gutiérrez. Bis zu 170 km/h darf ihr Sandrider laut Reglement erreichen. Auf Untergründen, die derart steinig und holprig sind, dass bei einem normalen Geländewagen bei weniger als dem halben Tempo die Federung durchschlagen würde.
Insgesamt 7726 Kilometer legen die Teilnehmer in diesem Jahr vom 3. bis 17. Januar zurück, 5180 davon gegen die Uhr. Die längsten Wertungsprüfungen erstrecken sich über 600 Kilometer – an einem Tag.
"Das Herausforderndste für uns ist die Navigation“, erklärt die studierte Zahnmedizinerin. „Wir mussten uns wirklich umstellen, weil alles viel schneller abläuft.“ Co-Pilot Pablo Moreno hat ständig zwei Displays im Auge, die wie zwei waagerechte Tablets vor ihm hängen. Wo die Route an einem Tag entlangführt, erfahren die beiden erst kurz vor dem Start. Dann gibt der Veranstalter die Daten für jedes Fahrzeug frei.
Dacia Sandrider
Eines von drei Dacia-Duos bei der Dakar: Cristina Gutiérrez (33) und Pablo Moreno (34)
Bild: MCH PHOTO / Dacia
In dem digitalen Roadbook sieht Moreno zum einen einfache Strichzeichnungen. Diese Skizzen empfehlen an bestimmten Stellen eine Fahrlinie, um Gefahren zu vermeiden. "Es ist manchmal schwer, die beschriebene Stelle in der Realität sofort zu erkennen“, gesteht der gelernte Mechaniker. Neben den hohen Geschwindigkeiten kommt erschwerend hinzu, dass es im Cockpit schüttelt und vibriert.
Außerdem muss er seine Pilotin bis auf einen Radius von zehn Metern an definierte Wegpunkte heranführen, die nur aus Koordinaten bestehen. Über den Weg dorthin entscheidet er selbst.

Rumpfmuskulatur eine Voraussetzung

Darauf angesprochen, ob ihm beim ständigen Blickwechsel zwischen Windschutzscheibe und Displays nicht schlecht wird, antwortet er lächelnd: "Zum Glück habe ich damit keine Probleme. Aber ich weiß von Kollegen, die damit zu kämpfen haben.“
Um den körperlichen Belastungen durch Sprünge, Schläge und Vibrationen standzuhalten, trainiert das Duo vor allem den Rumpf. Der muss in den Schalensitzen einiges aushalten. Auch wenn diese inzwischen jeweils mit einem eigenen Dämpfer an der Rückenlehne ausgerüstet sind. "Am Ende eines Tages spürst du deinen Körper schon deutlich“, verrät Gutiérrez.
Dacia Sandrider
Im Cockpit des Dacia Sandrider hat der Beifahrer zwei große Displays für die Navigation. Gutiérrez und Co fielen allerdings durch einen Lenkungsdefekt früh zurück
Bild: MCH PHOTO / Dacia
Trotz elektrohydraulischer Servounterstützung muss sie zudem vergleichsweise hohe Lenkkräfte aufbringen. Um das sequenzielle Sechsganggetriebe des Dacia Sandrider zu schalten, nimmt sie die rechte Hand vom Steuer. Ebenso, um Drifts mit dem Handbrems-hebel einzuleiten. Auch das Bremspedal will mit viel Druck getreten werden. Und das alles bei Innenraumtemperaturen von bis zu 50 Grad.
Körperlich anstrengend wird es zudem bei einem Plattfuß. Dann heißt es: abschnallen und über die Seitenwand des Sitzes aus dem Cockpit hangeln. Den Dacia aufbocken. Fünf Muttern lösen. Das 45 Kilogramm schwere Rad abnehmen und das Ersatzrad aufstecken. Muttern wieder anziehen.
"Bis wir wieder angeschnallt im Cockpit sitzen, vergehen im Idealfall zwischen zwei und drei Minuten“, berichtet Moreno. Bei der Dakar 2025 spielte das jedoch keine Rolle. Denn ein Lenkungsdefekt auf der zweiten Etappe brachte die beiden früh um ein gutes Ergebnis.