Sexy ist der Dacia Lodgy nicht, aber technisch steht der günstigste Familienvan bombig da. AUTO BILD macht den Gebrauchtwagen-Test.
Ulrich Safferling
Fußballmillionär Mehmet Scholl preist Dacia-Modelle als Anti-Statussymbole. Kann man das glauben? Immerhin, mehr als 51.000 deutsche Käufer haben es 2016 für glaubwürdig genug gehalten, um sich für einen Dacia zu entscheiden. Klar ist aber auch, dass der Absatz allein über die Tiefstpreise funktioniert. Was Neuwagenkäufer freut, ist für Gebrauchtkunden eine zweischneidige Sache – denn das Secondhand-Schnäppchen kann schnell zum Geldvernichter werden. Beim TÜV fallen Dacia Logan, Sandero und Duster schon bei der zweiten Hauptuntersuchung mit extrem schlechten Ergebnissen auf. Der Lodgy ist dort noch unterrepräsentiert, er kam erst 2012 auf den Markt, der zweite TÜV steht jetzt erst an. Doch die bisherigen Bewertungen geben Anlass zur Hoffnung. Mit der zweiten Generation, auf Basis der neuen M0-Plattform, scheint sich die Marke gefangen zu haben.
* Weitere Informationen zum offiziellen Kraftstoffverbrauch und zu den offiziellen spezifischen CO2-Emissionen und gegebenenfalls zum Stromverbrauch neuer Pkw können dem "Leitfaden über den offiziellen Kraftstoffverbrauch" entnommen werden, der an allen Verkaufsstellen und bei der "Deutschen Automobil Treuhand GmbH" unentgeltlich erhältlich ist www.dat.de.
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Viel Platz, wenig Luxus. Wer die dritte Sitzreihe ordert, schafft Raum für sechs Mitfahrer.
Bild: Thomas Ruddies / AUTO BILD
Hochwertigeres Material und bessere Verarbeitung machen aus dem Lodgy kein Premiummodell, aber einen Preis-Leistungs-Sieger. Wie gut der siebensitzige Van tatsächlich im Alltag ist, konnte AUTO BILD beim Dauertest über 100.000 Kilometer erfahren, der vor einem Jahr mit dem Gesamtergebnis 2+ endete. Ein defekter Lichtschalter, eine wankelmütige Tankanzeige und leichter Rostbefall unter der Heckklappendichtung – Marginalien. Im Gegenzug überzeugt der als Fünf- oder Siebensitzer bestellbare Lodgy mit einer niedrigen Ladekante, einem unglaublichen Fassungsvermögen von bis zu 2617 Litern und einer Zuladung von 600 Kilogramm.
Der Kaufpreis spricht gegen einen gebrauchten Lodgy
2015 wurde der MPI-Benziner mit Zahnriemen und Euro-5-Norm durch den stärkeren und sparsameren Nissan Motor SCe mit Steuerkette und Euro 6 abgelöst.
Bild: Thomas Ruddies / AUTO BILD
Bei einigen Dieseln sind die Service-Intervalle mit 10.000 Kilometern sehr kurz, der Ölwechsel wird aber erst nach 20.000 km fällig, alle 6000 eine große Inspektion. Teurer kommt mit wenigstens 500 Euro der Zahnriemenwechsel nach 80.000 Kilometern beim 1.6-MPI-Motor, der 2015 von einem Nissan-Benziner mit Kette abgelöst wurde. Bei den 1.5-dCi-Dieseln steht der Wechsel nach 120.000 Kilometern oder acht Jahren an. Der schärfste Grund gegen einen gebrauchten Lodgy ist der Preis. Für unser Testmodell von 2012 verlangt die Renault-Niederlassung Hamburg 9990 Euro. So viel kostet heute das günstigste Basismodell Essentiel. Für 12.300 Euro gibt es sogar das Topmodell Lauréate mit drei Jahren Garantie.
Was beim AUTO BILD-Testwagen aufgefallen ist und auf welche Mängel Käufer beim Dacia Lodgy außerdem achten sollten, erfahren Sie in der Bildergalerie. Der komplette Artikel steht für Sie in unserem Heftarchiv als Pdf-Download bereit.
Fazit
von
Ulrich Safferling
Hier stimmt der Spruch "billig kann teuer werden" nicht. Gravierende Schwachstellen sind nicht bekannt, der Rost hält sich in Grenzen, und die Inspektion ist günstig. Ein Wermutstropfen für Gebrauchtkäufer sind die hohen Preise. Oft macht der Neue mehr Sinn.