Das Verbrennerverbot und die Folgen für den Automarkt
Kommentar: Kommt heute das Verbrennerverbot durch die Hintertür?

Heute will die EU ihre neuen Autopläne vorstellen. Offiziell geht es um ein Aufweichen des Verbrennerverbots. Tatsächlich könnte für viele Autofahrer genau das Gegenteil passieren. Ein Kommentar!
Bild: dpa
Die EU wird heute das Verbrennerverbot ab 2035 aufweichen. Statt 100 Prozent sollen es künftig nur noch 90 Prozent sein. Heißt: Auch über 2035 hinaus könnte die Neuzulassung von Plug-in-Hybriden und E-Autos mit Range Extender erlaubt bleiben.
Das klingt nach Entwarnung. Ist es aber nicht.
Denn gleichzeitig will Brüssel einen anderen Hebel ansetzen: Flotten. Also Firmenwagen, Dienstwagen, Mietwagen und Herstellerzulassungen. Genau sie sorgen heute für rund zwei Drittel aller Neuwagen, die in den Markt kommen. Und genau dort plant die EU verbindliche Elektroquoten.
Nach den Plänen sollen Flotten schon ab 2027 mindestens zur Hälfte elektrisch sein, ab 2030 nahezu komplett. Diese Regelung wäre neu in dieser Form. Bisher gab es keine festen E-Quoten für den Flottenmarkt.
Die Folgen auf dem Markt
Die Folgen sind absehbar. Auch wenn Benziner und Diesel formal weiter erlaubt bleiben, werden sie dort knapp, wo der Markt entsteht. Große Stückzahlen werden fast nur noch mit vollelektrischem Antrieb zugelassen. Verbrenner, Hybride und Elektroautos mit Range Extender bleiben vor allem für Privatkunden übrig. In kleinen Stückzahlen. Entsprechend teuer.

Weniger Verbrenner: Flotten sollen ab 2027 mindestens zur Hälfte elektisch sein.
Bild: Matthias Balk
Für Autofahrer hat das spürbare Folgen.
Wenn Flotten weniger neue Verbrenner kaufen dürfen, kommen vor allem bei Benzinern, Dieseln und Plug-in-Hybriden deutlich weniger junge Gebrauchte auf den Markt. Genau diese Autos sind für viele Familien und Pendler die erste Wahl. Bezahlbar, alltagstauglich, schnell verfügbar.
Fehlen sie, steigen die Preise. Leasing wird teurer. Mietwagen werden teurer. Die Auswahl schrumpft.
Schon 2026 dürfte ein weiterer Effekt einsetzen. Flottenbetreiber werden sich voraussichtlich noch einmal gezielt mit Verbrennern eindecken, solange es geht. Um sie später länger einsetzen zu können. Das treibt die Nachfrage zusätzlich nach oben und macht Verbrenner für alle teurer. Gleichzeitig kommen diese Fahrzeuge später nicht wie gewohnt günstig als Gebrauchte in den Markt zurück.
Havanna-Effekt bei Verbrennern
Ökonomen sprechen vom Havanna-Effekt. Wenn neue Produkte künstlich verknappt werden, gewinnen bestehende an Wert. Das passiert nicht aus Überzeugung, sondern aus Mangel an Alternativen.
Hinzu kommt ein weiterer Punkt, der selten offen angesprochen wird. Der forcierte Hochlauf der Elektromobilität begünstigt vor allem Hersteller aus China. Sie sind bei E-Autos preislich stark, technisch weit und vertikal integriert. Viele zentrale Komponenten und große Teile der Wertschöpfung kommen bereits heute aus China.

Durch den Havanna-Effekt dürfte sich der Gebrauchtwagenmarkt stark verändern.
Bild: dpa
Für europäische Hersteller bedeutet das zusätzlichen Druck. Sinkende Marktanteile, mehr Wettbewerb, weitere Sparprogramme. Auch das Zuliefernetz gerät unter Druck. Besonders klassische Verbrennerbereiche wie Motorenteile, Getriebe, Kraftstoffleitungen oder Abgassysteme verlieren rapide an Bedeutung. Studien zeigen bereits heute, dass fast jeder fünfte Zulieferer finanziell in einer kritischen Lage ist. Das aufgeweichte Verbrenner-Verbot rettet diese Unternehmen nicht. Die Stückzahlen sind zu gering, das Geschäftsmodell ändert sich grundlegend.
Unterm Strich gilt: Wenn die EU heute die Flottenquoten beschließt, verändert sie nicht nur die Antriebe. Sie verändert Preise, Angebot, Wettbewerb und Wertschöpfung. Und sie trifft am Ende vor allem diejenigen, die einfach ein bezahlbares Auto brauchen.
Service-Links
