Daten lassen sich hervorragend zu Geld machen, egal ob durch zielgerichtete Werbung oder maßgeschneiderte Produkte. Auch die Autohersteller sammeln und horten deshalb Daten in einem Ausmaß, das sich kaum ein Fahrer vorstellen kann.

Ein Beispiel: Jedes Knopfdrücken an der elektrischen Sitzverstellung wird notiert. Wird der Sessel häufig neu eingestellt, lässt das auf wechselnde Fahrer schließen. Oder: Löst der Gurtstraffer oft aus, hat man es wohl mit einem aggressiven Fahrer zu tun. Dazu kommen unzählige Informationen über Tempo und Verbrauch, wann man fährt, wie man die Klimaanlage einstellt, welche Musik man hört, wie oft man telefoniert …

Kaum ein Fahrer weiß, dass diese Daten gesammelt werden

Je nach Fahrzeug werden die Daten im Wagen gespeichert und beim Werkstattbesuch mit Online-Verbindung zum Hersteller ausgelesen oder über eine mobile Datenverbindung fortlaufend und direkt aus dem Auto an den Hersteller gesendet. Das Problem: Kaum ein Fahrer weiß, dass diese Daten gesammelt werden – das wird in der Regel im sprichwörtlichen Kleingedruckten geregelt –, und vor allem: welche.
Abhilfe will die EU jetzt mit dem sogenannten Data Act schaffen. Jeder, der Daten sammelt, soll verpflichtet werden, sie den Nutzern kostenlos zur Verfügung zu stellen, und diese sollen sie auch verkaufen dürfen.
Katrin van Randenborgh ADAC
Katrin van Randenborg: (ADAC) "Der Kunde muss selbst entscheiden können, wem er welche Daten zur Verfügung stellt – und zu welchem Zweck!"

Bild: Hersteller

Ist das die Lösung? Der ADAC ist skeptisch: "Der Data Act ist unserer Meinung nach nicht konkret genug. Speziell für Autos lässt sich das nur über die Typgenehmigungsverordnung, also die Zulassungsbestimmung, regeln. Dazu sollte es schon in der vergangenen Legislaturperiode einen Gesetzesvorschlag geben, der aber nie vorgelegt wurde", erklärt Katrin van Randenborgh, Sprecherin des Automobil-Clubs.

Der ADAC fordert Transparenz

Immerhin: Im Koalitionsvertrag hat die neue Regierung das Thema wieder aufgenommen, will sogenannte Autodaten-Treuhänder einschalten, bei denen die Informationen anonymisiert und sicher abgelegt werden. Ein Vorhaben, das der Verband der Automobilindustrie (VDA) entschieden ablehnt. Er sieht die Daten-Lager auch zukünftig bei der Industrie, ist aber grundsätzlich bereit, sie zugänglich zu machen.
Die Forderung des ADAC ist klar, und unabhängig davon, wo die Daten gespeichert werden. "Der Kunde muss entscheiden können: Was darf gespeichert werden, und was geschieht mit seinen Daten. Er muss die Hoheit über seine Daten behalten – und es muss allein in seiner Hand liegen, wem er seine Daten überlassen oder verkaufen will und wem nicht", erklärt van Randenborgh gegenüber AUTO BILD. Und betont: "Grundsätzlich ist das Sammeln von Daten nichts Schlimmes – solange es transparent geschieht."

Freien Werkstätten wird Leben schwer gemacht

Schließlich können Daten helfen, Assistenzsysteme besser zu machen, Unfälle aufzuklären – oder um Reparaturen zu erleichtern, weil genau ausgelesen werden kann, was kaputt ist. Das ist in den Werkstätten gängige Praxis. "Doch auch hier mangelt es mittlerweile an Transparenz", so der ADAC. Nicht nur der Kunde kommt kaum an seine Daten heran, auch den freien Werkstätten wird das Leben schwer gemacht: Sie brauchen zum Teil spezielle Geräte oder teure Zertifikate, um die Daten auslesen zu können.
Klar: Die Hersteller wollen, dass die Kunden in die Vertragswerkstatt kommen. "Dort zahlen sie aber in der Regel deutlich mehr, umgekehrt steigen auch in der freien Werkstatt die Preise, weil sie für die Zertifikate und komplizierten Zugänge mehr Geld zahlen müssen", sagt van Randenborgh. So oder so ist der Leidtragende der Kunde – obwohl es sich um seine eigenen Daten handelt.