Mutig, diese Franzosen! Und damit meinen wir nicht den knalligen Türkiston der Wandbezüge im Joa Camp 75T. Sondern die Tatsache, dass die neue Marke, die zum französischen Reisemobilkonzern Pilote gehört, nur wenige Monate nach der Markteinführung mit einem Prototyp zum harten Dauertest bei AUTO BILD REISEMOBIL antrat. Chapeau!
Ob das am Ende eine gute Idee war, darüber ist sich unsere Redaktion bis heute nicht einig. Fakt ist nämlich, dass der Dauertest Spuren am Joa hinterlassen hat. Und auch der Preis hat sich seit Testbeginn geändert. Wer sich heute für einen Joa Camp 75T interessiert, muss mit einem Basispreis von 61.000 Euro rechnen.
Auf der anderen Seite begeisterte der üppige Teilintegrierte unsere Tester mit seinem frischen Design und dem luftigen Raumkonzept und machte es uns dank seiner urgemütlichen L-Sitzgruppe nicht schwer, ihn ins Herz zu schließen. Das Gleiche gilt für seine verspielte Art. Nicht nur, dass das Außendesign uns sofort an einen sommerlichen Eiswagen erinnerte, auch im Inneren stellte der Joa seine Qualitäten als Spielmobil unter Beweis – wenn man denn bereit war, über seinen eigenen Tellerrand hinauszublicken.
"Langsam fahren", sagt das Schild. Kein Problem für den Joa.
Bild: Bernhard Schmidt / AUTO BILD

Während wir erwachsenen Motorjournalisten nämlich über die schmalen Einzelbetten im Heck und den viel zu großen Raum dazwischen nörgelten, sahen unsere jüngsten Testcamper in dem mit einer Faltwand abtrennbaren Raum ein luxuriöses Kinderzimmer mit viel Platz zum Toben, Malen und Spielen. Die Kinder konnten im hinteren Teil des Hecks Chaos stiften, die Eltern vorn in aller Ruhe ein Glas Wein trinken oder ein Buch lesen.

Matratzenbreite lädt zum Kuscheln ein

Paare, die im elektrischen Hubbett schliefen, kamen sich auch automatisch näher. Auf nur 1,27 Meter Matratzenbreite mussten sich zwei Erwachsene nachts eng zusammenkuscheln. Wahlweise konnten unsere Tester auch getrennt schlafen, denn unter dem Hubbett lässt sich im Joa Camp 75T, übrigens das größte Modell der Baureihe, noch ein weiteres schmales Bett in der Sitzgruppe und dem abgesenkten Tisch bauen.
Es gab aber auch Punkte, die die erwachsenen Tester überzeugten. Durchgängig positiv wurde das große Badezimmer mit der extrem geräumigen Dusche und dem cleveren Schwenkwaschbecken bewertet. Einen Pluspunkt gibt es von uns für den serienmäßigen Keramikeinsatz in der Toilette. Nur den ständig herabfallenden Handtuchhalter fanden wir nervig.
Ski, Snowboard, Schlitten: Bei 660 Kilo Zuladung geht was mit.
Bild: Andreas Jacob / BIKE BILD

Ein Thema, das sich wie ein roter Faden durch das Testtagebuch zieht: das Lichtkonzept. Der Joa war im Inneren sehr hell. Leider galt das nicht nur für das schöne Tageslicht, das durch die zahlreichen Fenster kam, sondern auch für die kalte und grelle Beleuchtung am Abend. "Das Licht ist ein Albtraum. Ich war froh, meine eigenen Campingleuchten und eine Lichterkette dabeizuhaben“, schrieb beispielsweise Fotograf Stefan Beetz, der mit dem Joa rund zwei Wochen an der italienischen Adriaküste unterwegs war, ins Testtagebuch. Schade, denn das hübsche Innendesign aus weißen Fronten, wenigen hellen Holzelementen und den fröhlichen türkisfarbenen Akzenten versprühte bei uns schon vor der Abfahrt richtig gute Laune.

Der Joa ist besonders windanfällig

Kaum auf der Autobahn, verpasste der Joa seinem Fahrer oder seiner Fahrerin allerdings einen Dämpfer. Durch den großen Überhang des 7,39 Meter langen Franzosen war er nicht nur besonders windanfällig, sondern hatte auch mit seiner ungünstigen Gewichtsverteilung zu kämpfen. Besonders wenn die Heckgarage gut beladen war und die Vorderachse durch den Hebeleffekt entlastet wurde, verschlechterte sich das Fahrverhalten des Citroën Jumper.
Kollege Bernhard Schmidt unterwegs in Campen zum Campen.
Bild: Bernhard Schmidt / AUTO BILD

"Er bringt die Kraft nur schwer auf die Straße. Die Lenkung ist schwammig und indifferent", resümiert Kollege Carsten Paulun. Besonders beim Überholen und Überholtwerden neigte der Joa zum Schlingern. Zum selben Schluss kamen auch andere Testfahrer und -camper. Die optimale Reisegeschwindigkeit gaben fast alle mit etwa 110 km/h an. Vorteil: Dadurch war der 140-PS-Diesel mit einem Durchschnittsverbrauch von nur 11,4 Litern recht sparsam. In Kombination mit dem serienmäßigen 90-Liter-Tank war damit eine ansehnliche Reichweite von knapp 800 Kilometern möglich.

Verarbeitungsqualität ein Problem

Doch obwohl uns der Joa mit all seinen Vorzügen überwiegend positiv im Gedächtnis geblieben ist, müssen wir auch über die Schattenseite dieses Dauertests sprechen. Und dieser Punkt betrifft die Verarbeitungsqualität.
Die deutlichsten Worte fand unser Kollege Bernhard Schmidt, der mit dem Joa für eine Reisereportage unterwegs war: "Wichtigster Ausrüstungsgegenstand ist ein Akkuschrauber." Die Aussage mag etwas überspitzt sein, doch sie trifft den Kern des Problems.
Für die vierköpfige Familie Wiegard ist der Tisch optimal.
Bild: Bjarne Wigard

Sei es die Trittstufe zwischen den Heckbetten, die so dünn und unsachgemäß verschraubt war, dass sie schon bei der ersten Nutzung brach, oder die Schubladen, die trotz Arretierung während der Fahrt aufsprangen und deren Fronten sich immer wieder lösten. Der Rückspiegel, dessen Funktion von Anfang an fragwürdig war, baumelte wegen fehlender Schrauben wild im Cockpit herum. Und der Handtuchhalter im Badezimmer war schnell nur noch Dekoration, da er andauernd herunterfiel.
Außerdem erreichten uns Berichte von abstehenden Verschlüssen und viel zu scharfen Möbelkanten, die für blaue Flecke verantwortlich waren. Als dann noch während einer Tour durch Frankreich die Motorkontrollleuchte im Cockpit aufflammte, schwante uns Schlimmes. Doch der Citroën forderte zum Glück nur ein Firmware-Update.
Unsere Reisemobile gehen durch viele Hände und werden nicht geschont. Besonders für Prototypen wie den Joa Camp ist der Dauertest eine sehr harte Schule.
Bild: Bjarne Wigard

In Bezug auf die Defizite im Möbelbau bleibt die Frage: Liegt’s an Joa oder daran, dass unser Dauertestfahrzeug ein Prototyp war? Wir vermuten Letzteres. Hinzu kommt, dass unser Exemplar vorher als Messefahrzeug diente und die Möbel einiges mitmachen mussten. Deshalb drücken wir hier ausnahmsweise ein Auge zu.
Stärken
  • Luftiges Raumgefühl
  • Geräumiges Badezimmer
  • Modernes Design mit Farbakzenten
  • Geringer Verbrauch
  • Tisch in alle Richtungen drehbar
  • Ladebooster serienmäßig
  • Fünf Gurtplätze serienmäßig
Schwächen
  • Möbelqualität mangelhaft
  • Zu wenig Stauraum
  • Sehr windanfällig
  • Kanten und Verschlüsse mit Verletzungsgefahr
  • Fehlende Heizauslässe im Heck
  • Lichtkonzept zu grell
  • Frostwächter schlecht zugänglich
Technische Daten und Preis: Joa Camp 75T
  • Motorisierung BlueHDi 140 Stop&Start
  • Leistung 103 kW (140 PS) bei 3750 U/min  
  • Höchstgeschwindigkeit 160 km/h  
  • Länge/Breite/Höhe 7390/2300/2850 mm 
  • Leergew. fahrbereit/Zuladung (Testmobil) 2840/660 kg
  • Anhängelast (gebremst/ungebremst) 2000/750 kg        
  • Preis/Testwagenpreis ab 52 990 Euro/60 270 Euro
  • Testverbrauch 11,6 l D/100 km

Fazit

von

AUTO BILD
Der Joa hat uns Freude und Leid beschert. Wohnkonzept und Innendesign überzeugen. Abzüge gibt es für das schwammige Fahrverhalten. Doch als Spielgefährte für unterwegs mochten wir ihn.