Integrierte Wohnmobile bilden die Königsklasse bei den Campern. Das sind die Modelle für Genussmenschen, großzügig, geräumig, gemütlich. Lichtdurchflutete Ferienapartments auf Rädern, die mit allem Komfort aufwarten. Schnöde Sitzgruppen wandeln sich zu Lounges, Toilettenräume zu wahren Wellness-Oasen. Allein schon diese Panorama-Frontscheiben – perfekte Projektionsflächen für den individuellen Urlaubsfilm. Wer die spezielle Atmosphäre im Cockpit eines dieser Dickschiffe einmal genossen hat, möchte den perfekten Blick auf Umgebung UND Verkehr nie mehr missen. Kein Wunder, dass Integrierte in der Käufergunst mittlerweile deutlich vor den Ur-Wohnmobilen mit Alkoven rangieren – und das trotz der zum Teil sehr saftigen Preise.

Die 100.000-Euro-Marke ist schnell geknackt

Malibu I 490 LE    Dethleffs Esprit I 7150-2 DBM
Integrierte Mobile können dynamisch aussehen. Malibu (l.) und Dethleffs zeigen es.
Da reihen sich unsere beiden neuen Testkandidaten, bei denen Startbeträge zwischen 82.340 (Malibu) und 89.984 Euro (Dethleffs) aufgerufen werden, tatsächlich eher im mittleren Preissegment ein. Wobei auch bei ihnen die 100.000-Euro-Schallmauer schnell durchbrochen werden kann, wenn man in der Liste der Zusatzausstattungen fleißig Kreuzchen setzt. Zweiter echter Knackpunkt in diesem Segment ist die Gewichtsklasse. 3,5 Tonnen Gesamtmasse, das muss man ganz klar sagen, reichen nicht, wenn man wirklich komfortabel und luxuriös reisen möchte. Während der Malibu serienmäßig als 3,5-Tonner vorfährt, bietet Dethleffs den Esprit konsequenterweise gleich als 4,25-Tonner an. Den Nachteil der Tempo-100-Begrenzung gleicht man mit 820 Kilogramm Zuladung (Malibu 415 Kilogramm) wieder aus – zumindest im Serienzustand.

Dethleffs Esprit: Der Sportliche

Dethleffs Esprit I 7150-2 DBM
Mit frischer Optik mischt Dethleffs den Markt der Integrierten auf.
Zwar ist der Dethleffs kein Coupé, haucht dem eher biederen Segment aber eine Portion Frische ein. Das ist er: Das richtige Modell fürs komfortbewusste Paar. Allein die beiden luftgefederten Pilotsitze sind eine Schau. Sanft schwingend und so gemütlich, dass man gar nicht mehr aufstehen möchte. Das gelegentliche Kompressor-Gebrumm stört aber. Auch die fast luftzugfrei arbeitende Warmwasserheizung von Alde nervt in der Aufheizphase mit Geräuschen – bringt den Dethleffs aber zügig und gleichmäßig auf Temperatur. Das hat er: Ein schlüssiges Zweiraum-Konzept. Dabei lässt sich der hintere Bereich gleich doppelt unterteilen. So fungiert die Badezimmertür auch als Raumteiler zur Küche. Vor dem Schlafzimmer im Heck gibt es eine weitere Schiebetür – falls sich ein Reisender schon mal zur Ruhe betten möchte. Bad und separate Dusche bleiben weiter zugänglich. Leider gibt es dort eine Stufe – Achtung, Stolpergefahr.
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Viel Stauraum im Schlafzimmer

Dethleffs Esprit I 7150-2 DBM
Im Heck gibt es ein gleichfalls gemütliches, aber etwas knappes Queensbett.
Das Schlafzimmer ist schön gemacht mit (etwas kleinem, aber gemütlichem) Queensbett und vielen Ablagemöglichkeiten in den Kleiderschränken rechts und links vom Kopfende. Unterm Bett warten noch zwei Schubladen, unterm Dach zwei Staufächer. Im Bad gibt es sowohl Fenster als auch Dachhaube, Thetford-WC, festes Waschbecken, Spiegelschrank (hinter einer Spiegelfläche steckt der Zulauf für die Alde-Heizung) und Unterschrank. Die in der Mitte eingebaute Küche ist mit üppig dimensioniertem Dreiflammenherd, Spüle mit edlem Wasserhahn und reichlich Stauraum in offenen wie geschlossenen Ablagen praxisgerecht ausgestattet. Der Unterschrank besitzt einen Auszug mit zwei Mülleimern; daneben befinden sich drei Schubladen, die obere mit Besteckeinsatz. Alle vier besitzen eine zentrale Verriegelung, die auf Knopfdruck vor einem Herausschnellen während der Fahrt schützt. Ebenfalls gut: Kühl- und Eisschrank-Kombination mit beidseitigen Anschlägen – die Türen öffnen nach rechts und links. So fährt er: Nicht ganz so sportlich, wie er aussieht, trotzdem locker und leicht bei immerhin knapp acht Meter Länge. Das ESP funktioniert vorbildlich. 140 PS reichen zwar, mit 160 PS fühlt man sich aber besser motorisiert.

Malibu I 490 LE: Der Komfortable

Malibu I 490 LE
Die Sicht nach vorne ist hervorragend. Das solide Armaturenbrett im Ducato trägt hier zwei Monitore.
Malibu ist die Einsteigermarke von Carthago, einem der führenden Hersteller besonders komfortabler Reisemobile. Das garantiert gute Gene. Das ist er: Die richtige Wahl für Komfort- und Qualitätsbewusste, die selbst im kleinsten Detail die besten Lösungen erwarten. Das fängt schon ganz vorne an. Wie man es von den Integrierten aus dem Hause Carthago kennt, hat auch der große Malibu besonders freie Sicht nach vorn und auf die Straße direkt vorm Auto. Die Fahrerhaustür besitzt zwei Verriegelungen – natürlich. Denn sonst könnte sich die breite Pforte während der Fahrt durch Sogwirkung oben und unten leicht öffnen – wie beim Dethleffs. Auch die Befüllung mit Diesel und AdBlue löst Malibu besser als der Konkurrent aus Isny. Beides liegt hinter einer separaten Klappe neben der Fahrertür. Üble Gerüche bleiben ausgesperrt.

Tolle Details beim Interieur sorgen für viel Komfort

Malibu I 490 LE
Auch der Malibu ist für gesellige Runden jederzeit zu haben. Der Zusatzsitz rechts macht die Runde komplett.
Das hat er: Geradezu ingeniöse Detaillösungen. Solidere Scharniere und Klappenverschlüsse haben wir zum Beispiel selten gesehen. Die Klappen selbst wirken weniger massig als beim Dethleffs, nicht aber weniger stabil. Leichtbau lässt grüßen. Der Tisch ist verschiebbar und über das praktische Bodenpedal auch drehbar. An der Abtrennung zum Schlafzimmer sind federbelastete Knäufe, die man ziehen muss, um die Tür zu öffnen. Das ist sehr stabil. Ebenfalls gut: Die Rückwände in den Deckenstaufächern sind mit Mikrofaser bespannt. Und bei den Betten sind die Kopfteile (natürlich) verstellbar. Klar, dass der Fernseher nicht einfach an der Wand hängt. Er wartet in einem Auszug hinter dem Zusatzsitz auf seinen Einsatz. Zudem gibt es genügend robuste Jackenhaken, einen sehr einfachen und effizienten Hubbett-Verschluss und einen Doppelboden, der neben der frostsicheren Unterbringung der Tanks auch noch eine Durchlademöglichkeit nach innen bietet. Was will man mehr? So fährt er: Sehr handlich für so einen Brummer. Der Malibu ist die entscheidenden Zentimeter kürzer als der Dethleffs, und das spürt man deutlich. Er fühlt sich griffiger an und lässt sich besser dirigieren. Trotz komfortabler Federung kommt er ohne große Wankbewegungen aus. ESP und Bremsen funktionieren ausgezeichnet.

Bildergalerie

Malibu I 490 LE    Dethleffs Esprit I 7150-2 DBM
Malibu I 490 LE    Dethleffs Esprit I 7150-2 DBM
Malibu I 490 LE    Dethleffs Esprit I 7150-2 DBM
Kamera
Dethleffs Esprit und Malibu I 490 LE im Test
Fazit: Ein Kräftemessen auf Augenhöhe. Der Dethleffs wirkt auf den ersten Blick sportiver. Das handlichere Fahrgefühl bietet aber der Malibu. Er ist schlanker und sehniger, ohne dass es innen eng wird. Der Dethleffs hält mit üppigem Platzangebot und modernem Interieur dagegen.