Die DTM als Karrieresprungbrett
Deutsche Talente mischen die DTM auf

Die DTM wurde 2023 vom ADAC übernommen. Junge deutsche Rennfahrer nutzen die Serie derzeit als Sprungbrett.
Bild: Gruppe C / ADAC
- Michael Zeitler
- Bianca Garloff
Die Beschreibung klingt fast ein wenig nach Michael Schumacher. Ein akribischer Arbeiter soll er sein, auch mal selbst mit am Auto schrauben, einer, der nicht nur fahren, sondern Motorsport auch verstehen will. Die Rede ist von Maximilian Paul, einem 23-jährigen DTM-Newcomer, der gleich an seinem ersten Wochenende am Nürburgring aus eigener Kraft ein Rennen gewinnen konnte.
Die Geschichte von Maximilian Paul steht stellvertretend für einen Trend in der neuen DTM unter dem Dach des ADAC: Die Serie wird zum Meistermacher, junge deutsche Talente können sich einen Namen machen und ihrer Karriere damit neuen Schwung verleihen. 13 deutsche Fahrer haben 2023 schon mindestens ein DTM-Rennen bestritten, mehr waren es zuletzt vor 29 Jahren – als Michael Schumacher in der Formel 1 seinen ersten Titel gewann und Deutschland einen beispiellosen Motorsport-Boom erlebt hat.
Noch wichtiger: Sieben der 13 deutschen DTM-Fahrer sind maximal 25 Jahre alt. Dazu gehört Luca Engstler (23), der Sohn von Tourenwagen-Legende Franz Engstler (62). Engstler junior war schon im Tourenwagen-Weltcup mit dem familieneigenen Team unterwegs – aber als Sprungbrett hat die nie getaugt. „Die DTM jetzt ist aber eine der größten und besten GT-Serien der Welt“, begründet er den Schritt in die beliebteste deutsche Rennserie.

Tim Heinemann kommt aus der DTM Trophy, der Nachwuchsserie der DTM.
Bild: Gruppe C / ADAC
Auf dem Podest war Engstler in seiner Debütsaison noch nicht, dafür aber Laurin Heinrich (21) und Tim Heinemann (23). Heinrich ist amtierender Porsche Carrera-Cup-Meister und noch immer im Porsche-Kader. Heinemann kommt aus der DTM Trophy, der Nachwuchsserie der DTM. Er schaffte zuvor den seltenen Sprung aus dem Simracing in den realen Motorsport. Hauptberuflich arbeitet Heinemann beim Fahrwerkhersteller KW Automotive, hat einen 40-Stunden-Job und nimmt für die DTM sogar Urlaub.
Aber wie ist der deutsche Boom möglich? Einen Hinweis liefert die Statistik: Neun verschiedene Sieger in den ersten neun Rennen – ein Rekord (2016 waren es sechs aus sechs). Das Starterfeld ist ausgeglichen, auch weil die Autos der sechs Hersteller durch eine Balance-of-Performance auf ein Level gebracht werden – mittels Restriktor, Ladedruck oder Gewicht.
Das muss auch sein, immerhin reicht der Hubraum von 3,0 Liter (BMW, Ferrari) bis 6,2 Liter (Mercedes), die Zahl der Zylinder von sechs (BMW, Ferrari, Porsche) bis zehn (Audi, Lamborghini) und auch die Aerodynamik unterscheidet sich stark. Die Autos haben außerdem elektronische Fahrhilfen wie Traktionskontrolle und ABS – und sind damit leichter zu fahren. Auch das bringt die Fahrer näher zusammen.
Aber: Der Pilot muss schon noch was leisten. „Maximilian hat ein wahnsinnig gutes Verständnis für das Auto“, sagt sein Lamborghini-Teamchef Gottfried Grasser. Das liegt auch am Vater Tobias Paul, für dessen Team der Sohn schon im GT Masters unterwegs war. Technischer Leiter im Team ist neben Tobias auch Maximilian Paul!
Sein Ziel: 2024 eine volle Saison DTM. Als Lamborghini-Junior könnte er aber noch eine viel größere Karriere machen – Lamborghini setzt ab 2024 einen Prototyp bei den 24h von Le Mans ein. Die DTM als Meister- und Karrieremacher.
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